Tabaksteuer, Schachtel

Tabaksteuer: Schachtel kostet bis 2030 knapp 12 Euro

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 05:52 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die geplante drastische Tabaksteuererhöhung stößt auf scharfe Kritik. Gewerkschaft und Branchenverbände warnen vor steigendem Schmuggel und fragwürdigen Einnahmeerwartungen.

Tabaksteuer-Erhöhung: Zollgewerkschaft warnt vor Schwarzmarkt-Boom
Eine Hand hält eine Zigarettenpackung mit einem hohen Preisschild, im Hintergrund unscharf ein Zollabzeichen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Zollgewerkschaft BDZ bezeichnet die Pläne der Bundesregierung als realitätsfern. Gewerkschaftsvorsitzender Thomas Liebel warnt: Die erhofften Mehreinnahmen sind kaum realisierbar – weil der Schwarzmarkt boomt.

Steuererhöhung treibt Konsumenten in illegale Kanäle

Höhere Steuern bedeuten höhere Anreize für Steuerbetrug und Schmuggel. Das ist die zentrale Botschaft der Gewerkschaft. Als abschreckendes Beispiel nennt Liebel den Markt für Shisha-Tabak. Dort habe der Schwarzmarkt den legalen Handel bereits weitgehend verdrängt.

Die Erwartung der Regierung, mit höheren Steuersätzen Haushaltslöcher zu stopfen, basiere auf fragwürdigen Annahmen. Unterstützung kommt vom Bundesverband der Tabakwirtschaft (BVTE). Dessen Hauptgeschäftsführer Jan Mücke spricht von einem „beispiellosen steuerpolitischen Exzess“. Er warnt vor zunehmenden Grenzkäufen und Schmuggel.

Branchenexperten verweisen auf Frankreich. Dort stammt inzwischen jede zweite Zigarette aus illegalen Quellen.

Preise steigen stufenweise bis 2030

Die schwarz-rote Koalition will die Tabaksteuer deutlich stärker anheben als ursprünglich geplant. Pro Packung soll der Preis jährlich um rund 40 Cent steigen. Bis 2027 sind 9,10 Euro pro Schachtel vorgesehen, bis 2030 sogar 11,78 Euro. Bei Markenzigaretten könnten die Preise auf bis zu 13 Euro klettern.

Die Steuer je Zigarette soll bis 2030 auf 18,57 Cent steigen. Bei Zigarren ist eine Verzehnfachung geplant, bei Feinschnitt fällt die Erhöhung moderater aus. Ziel der Regierung: jährliche Mehreinnahmen von 4,44 Milliarden Euro – deutlich mehr als die ursprünglich veranschlagten 3,7 Milliarden.

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Zoll braucht mehr Personal

Die Umsetzung der neuen Regeln und die Bekämpfung des erwarteten Schmuggels erfordern laut BDZ erhebliche personelle Ressourcen. Die Gewerkschaft rechnet mit mindestens 300 zusätzlichen Stellen beim Zoll. Der Erfüllungsaufwand für die Verwaltung liege im mittleren zweistelligen Millionenbereich.

Neben der Tabaksteuer stehen weitere Maßnahmen zur Debatte. Eine Zuckersteuer wird frühestens Mitte 2027 erwartet. Die Ausgestaltung einer geplanten Plastiksteuer bleibt unklar. Kanzleramtsminister Frei begründet die Steuerpläne unter anderem mit dem notwendigen Ausgleich für die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung.

Gesundheitsschutz oder Haushaltstrick?

Das Vorhaben wird kontrovers diskutiert. Befürworter wie Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach betonen: Der gesundheitliche Effekt durch sinkenden Konsum sei wichtiger als reine Steuereinnahmen. Auch der Suchtbeauftragte Streeck unterstützt die Erhöhung und verweist auf jährliche Gesundheitskosten durch Rauchen von rund 30 Milliarden Euro.

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Heidelberger Krebsforscher unterstreichen: Preissteigerungen über mehrere Jahre könnten insbesondere Jugendliche vom Rauchen abhalten. Das Deutsche Krebsforschungszentrum beziffert die volkswirtschaftlichen Folgekosten des Tabakkonsums auf jährlich 97 Milliarden Euro. Die Tabaksteuereinnahmen lagen zuletzt bei rund 15,6 Milliarden.

Kritiker sehen das anders. Linke-Vorsitzende Schwerdtner bezeichnet die Maßnahme als „Haushaltstrick“, der primär der Konsolidierung der Staatsfinanzen diene.

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