Tarifabschlüsse: WDR und öffentlicher Dienst einigen sich auf 5,73%
11.06.2026 - 04:10:50 | boerse-global.de
Während sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk und der öffentliche Dienst einigten, berieten Spitzenvertreter von Koalition und Sozialpartnern im Kanzleramt über Reformen am Arbeitsmarkt.
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WDR und Gewerkschaft VRFF einigen sich
Der Westdeutsche Rundfunk und die Gewerkschaft VRFF schlossen am Mittwoch einen Tarifvertrag mit 35 Monaten Laufzeit. Die Bezüge steigen insgesamt um bis zu 5,73 Prozent. Rückwirkend zum 1. Februar 2026 gibt es 1,23 Prozent mehr. Weitere Erhöhungen folgen im Februar 2027 (2,0 Prozent) und Februar 2028 (1,0 Prozent).
Zwei zusätzliche Schritte im Februar 2028 sind an Bedingungen gekoppelt – etwa an die ARD-Entsendungsregelung und eine mögliche Erhöhung des Rundfunkbeitrags. Der variable Anteil sank von 2,0 auf 0,5 Prozent. Andere Gewerkschaften wie Verdi, der DJV und Unisono hatten die Gespräche zuvor abgebrochen.
Beamte in Rheinland-Pfalz profitieren
Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz übertrug die Tarifeinigung des öffentlichen Dienstes am Dienstag auf Beamte und Richter. Die Bezüge steigen zum 1. April 2026 um 3,3 Prozent, gefolgt von 2,0 Prozent im März 2027 und 1,0 Prozent Anfang 2028.
Die Kosten für das Land belaufen sich laut Regierungsangaben auf rund 166 Millionen Euro im Jahr 2026. Bis 2028 steigen sie auf 431 Millionen Euro.
Bewegung im Gesundheitswesen
Die Gewerkschaft vida erzielte am Dienstag einen Abschluss für die Diakonissen in Linz und Schladming. Die Gehälter und Zulagen steigen in Linz ab August und in Schladming ab Oktober 2026 um 3,4 Prozent. Lehrlinge erhalten ein Plus von 3,7 Prozent. Ab 2027 wird der 31. Dezember als freier Tag festgeschrieben.
Bereits im Mai hatte der Marburger Bund für den ärztlichen Dienst im GLG-Verbund eine Entgelterhöhung von 2,5 Prozent rückwirkend zum 1. April 2026 vereinbart.
Einigung bei der City-Bahn Chemnitz
Die City-Bahn Chemnitz und die GDL einigten sich am Dienstag. Die Entgelte steigen im November 2026 um 2,5 Prozent und im Dezember 2027 um weitere 2,5 Prozent. Dazu kommen Einmalzahlungen von 1.000 Euro sowie ein Urlaubsgeld von 600 Euro.
Die Personalkosten des Unternehmens steigen dadurch bis 2029 inklusive Arbeitszeitverkürzungen um etwa 19 Prozent. Die Zustimmung der Verbandsversammlung steht noch aus – sie tagt am 19. Juni.
Koalition berät über Arbeitsmarkt
Am Mittwoch trafen sich die Spitzen von Union und SPD mit Vertretern von Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften zu dreistündigen Beratungen im Bundeskanzleramt. Themen waren der Arbeitsmarkt, die Sozialversicherungen und der Bürokratieabbau.
Einigkeit herrschte über den Reformbedarf. DGB-Chefin Yasmin Fahimi warnte jedoch vor möglichen Kürzungen. Ein Koalitionsausschuss soll am 1. Juli Eckpunkte beschließen.
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Proteste gegen Gesundheitsreform
Begleitet wurden die Gespräche von Protesten gegen das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz von Gesundheitsministerin Nina Warken. In Bayern demonstrierten am Mittwoch rund 1.700 Menschen gegen die geplante Abschaffung der Refinanzierung von Tarifsteigerungen.
Die Bayerische Krankenhausgesellschaft und Verdi warnen für 2027 vor einem bundesweiten Milliardenloch im Klinikbereich. Weitere Proteste sind für Freitag angekündigt.
EU-Transparenzrichtlinie verspätet
Die Bundesregierung hat die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie auf 2027 verschoben. Die Frist lief am 7. Juni ab. Experten wie die Fachanwältin Nathalie Oberthür raten Unternehmen dennoch, Transparenzpflichten wie die Angabe von Gehaltsrahmen in Bewerbungsverfahren bereits jetzt vorzubereiten.
Entscheidung bei Everllence erwartet
Im Bieterkampf um das Unternehmen Everllence fordern Arbeitnehmervertreter den Erhalt der Gesamteinheit. IG-Metall-Chefin Ferdije Rrecaj und Betriebsratsvorsitzende Astrid Kluge betonten die Notwendigkeit, alle deutschen Standorte zu sichern. Volkswagen will den Verkauf bis Ende Juni oder Anfang Juli entscheiden.
