Tarifentgeltsicherungsgesetz, AuftrÀge

Tarifentgeltsicherungsgesetz: Nur 6,25 Prozent der AuftrÀge erfasst

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 19:50 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Das geplante Tarifentgeltsicherungsgesetz in NRW erfasst nur 6,25 Prozent der AuftrĂ€ge. Fachleute kritisieren hohe Schwellenwerte und die Ausnahme fĂŒr Kommunen.

NRW-Tariftreuegesetz: Experten fordern deutliche Nachbesserungen
Zwei HĂ€nde schĂŒtteln sich ĂŒber einem verschwommenen Dokument mit Finanzdaten, symbolisch fĂŒr Tarifverhandlungen und Einigung. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Bei einer Expertenanhörung im Landtag am Montag mahnten Fachleute und Gewerkschaften deutliche Nachbesserungen an. Der aktuelle Entwurf decke nur einen geringen Teil der öffentlichen AuftrÀge ab.

Die Tarifbindung in NRW ist seit den 1990er-Jahren massiv gesunken. Damals arbeiteten noch ĂŒber 80 Prozent der BeschĂ€ftigten in tarifgebundenen Unternehmen. Bis 2025 fiel dieser Anteil auf 51 Prozent. Bei den Betrieben liegt die Quote laut Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichem Institut (WSI) sogar nur bei 24 Prozent.

Zu hohe Schwellenwerte, zu enger Geltungsbereich

Das Gesetz wĂŒrde in seiner jetzigen Form maximal 6,25 Prozent aller öffentlichen AuftrĂ€ge erfassen. Das ergaben Berechnungen des WSI. Hauptgrund sind die hohen Schwellenwerte: 100.000 Euro im Baugewerbe, 50.000 Euro bei Dienstleistungen.

Experten empfehlen eine einheitliche Grenze von 25.000 Euro. Zudem kritisieren sie, dass das Gesetz nur auf 15 Branchen beschrÀnkt ist und LieferauftrÀge komplett ausklammert.

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Kommunen außen vor – 75 Prozent aller AuftrĂ€ge betroffen

Ein weiteres Problem: Die Kommunen sind vom Gesetz ausgenommen. Dabei vergeben sie rund 75 Prozent aller öffentlichen AuftrĂ€ge in NRW – ein Volumen von etwa 8,3 Milliarden Euro. Insgesamt vergibt das Land jĂ€hrlich AuftrĂ€ge fĂŒr rund 13 Milliarden Euro.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) NRW hatte bereits Ende Juni gewarnt: Die sogenannte Tarifflucht koste das Land jÀhrlich geschÀtzte 23,8 Milliarden Euro. EU-Richtlinien verpflichten Mitgliedstaaten zudem zu nationalen HandlungsplÀnen, wenn die Tarifbindung unter 80 Prozent fÀllt. NRW liegt derzeit bei 51 Prozent.

BAG prĂ€zisiert VergĂŒtung fĂŒr BetriebsrĂ€te

Parallel zur Tariftreue-Debatte sorgt ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts fĂŒr Klarheit. Seit dem 15. April (Az. 7 AZR 114/25) gilt: FĂŒr ein höheres Gehalt durch eine fiktive Beförderung muss eine konkrete hypothetische Stelle nachgewiesen werden. Ein bloßes Karrierepotenzial reicht nicht aus.

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Einzelhandel: Verhandlungen geplatzt, Streiks drohen

WĂ€hrend die Politik ĂŒber neue Regeln streitet, eskaliert der Tarifkonflikt im Einzelhandel. Am Montag sagten Arbeitgebervertreter geplante Verhandlungen in Berlin-Brandenburg und Rheinland-Pfalz kurzfristig ab.

Der Vorwurf: Verdi habe eine Einigung in Baden-WĂŒrttemberg unterlaufen. Die Gewerkschaft fordert 7 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von einem Jahr. Die Arbeitgeber boten zuletzt 3,5 Prozent ĂŒber zwei Jahre. Die Arbeitnehmerseite kĂŒndigte nun eine Ausweitung der Warnstreiks an.

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