Tech-SouverĂ€nitĂ€t: EU beschlieĂt 120-Milliarden-Chips-Offensive
04.06.2026 - 13:39:31 | boerse-global.deEin neues Gesetzespaket zielt auf Chips, Cloud und KĂŒnstliche Intelligenz.
Am 3. Juni stellte EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen das âEuropĂ€ische Technologie-SouverĂ€nitĂ€tspaketâ vor. Es soll die AbhĂ€ngigkeit von auslĂ€ndischen Anbietern in kritischen Digitalbereichen reduzieren. Im Fokus stehen Halbleiter, Cloud-Computing, KI und Open-Source-Technologien.
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Chips Act 2.0: Europas Halbleiter-Offensive
Ein KernstĂŒck des Pakets ist der âChips Act 2.0â. Die erste Version des Gesetzes hatte bereits Investitionen von rund 52 Milliarden Euro ausgelöst. Doch das ursprĂŒngliche Ziel, bis 2030 einen globalen Marktanteil von 20 Prozent zu erreichen, scheint nach EinschĂ€tzung des EuropĂ€ischen Rechnungshofs kaum erreichbar. Aktuell stagniert Europas Anteil bei etwa zehn Prozent.
Die Novelle setzt nun auf der Nachfrageseite an: Sie fördert den Kauf von in der EU produzierten Chips, beschleunigt Genehmigungsverfahren fĂŒr Hersteller und fĂŒhrt ein GĂŒtesiegel fĂŒr Halbleiterregionen ein. Das ambitionierte Ziel: 120 Milliarden Euro neue Investitionen, vor allem fĂŒr KI-Hardware.
Die Reaktionen der Industrie fallen gemischt aus. Bitkom-PrĂ€sident Ralf Wintergerst lobte das Gesetz als Schritt in die richtige Richtung. Erik Rein, Chef des Halbleiterverbands ESIA, warnte dagegen vor den Risiken einer Ăberregulierung.
Cloud-Gesetz: Abschied von US-Diensten?
Noch deutlicher wird der Bruch mit der Vergangenheit im Bereich Cloud-Computing. Der âCloud and AI Development Actâ (Cada) adressiert eine eklatante SchwĂ€che: Ăber 70 Prozent des europĂ€ischen Cloud-Marktes werden von drei US-Konzernen dominiert.
Die Kommission will die KapazitĂ€t europĂ€ischer Rechenzentren in den nĂ€chsten fĂŒnf bis sieben Jahren verdreifachen. Konkret geht es um einen Anstieg von aktuell 12 auf 60 Gigawatt bis 2030 â bei geschĂ€tzten Investitionen von 200 Milliarden Euro.
Das Gesetz fĂŒhrt ein mehrstufiges Sicherheitssystem ein:
- Vier Sicherheitsstufen fĂŒr öffentliche und sensible Daten
- Lokale Speicherpflicht: Behörden mĂŒssen vertrauliche Daten auf europĂ€ischen Servern speichern
- De-facto-Ausschluss von US-Anbietern bei sensiblen öffentlichen Ausschreibungen
Hintergrund ist unter anderem US-Recht, das amerikanischen Behörden Zugriff auf Kundendaten von US-Firmen gewÀhrt. Ein symbolischer Schritt: Das EuropÀische Parlament nutzt inzwischen die französische Suchmaschine Qwant als Standard.
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KI und Energie: Zwei Fliegen mit einer Klappe
Das SouverĂ€nitĂ€tspaket enthĂ€lt zudem eine Open-Source-Strategie und eine âStrategische Roadmap fĂŒr Digitalisierung und KI im Energiesektorâ. Ziel ist die Förderung nachhaltiger Rechenzentren und die Integration von KI in die Energiewende.
FĂŒr Juli 2026 hat die Kommission eine Ausschreibung fĂŒr sogenannte âKI-Gigafabrikenâ angekĂŒndigt. Diese sollen groĂflĂ€chige KI-Infrastruktur in der Union ermöglichen. Die Verhandlungen ĂŒber die einzelnen GesetzesvorschlĂ€ge beginnen nun im Europaparlament und im Rat.
Wolfgang Weber, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Elektroindustrie-Verbands ZVEI, mahnte, echte SouverĂ€nitĂ€t mĂŒsse durch eigene StĂ€rke entstehen â nicht durch Marktabschottung. Analysten weisen darauf hin, dass Europa zwar mit Unternehmen wie ASML ĂŒber starke Zulieferer verfĂŒgt, aber direkte Konkurrenten zu Nvidia oder TSMC fehlen.
