Tegut: 36 Filialen bleiben nach Verkauf an Rewe offen
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 11:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWSTegut-Verkauf verteilt sich auf drei Betreiber
- Rewe erhält 38 Tegut-Filialen, Edeka übernimmt 178 Märkte und ein Logistikzentrum.
- Das Bundeskartellamt genehmigte beide Übernahmen nur unter Auflagen.
- Tante Enso übernimmt ein Paket mit 36 Standorten als Smart-Store-Kette.
Tegut-Filialen bleiben teilweise ohne Käufer
Rewe, Edeka und Tante Enso übernehmen 252 Tegut-Supermärkte, während 36 weitere Filialen zunächst keinen Käufer gefunden haben. Die Schweizer Genossenschaft Migros Zürich will diese Standorte in einem weiteren Bieterverfahren vergeben und die Märkte bis zur Übernahme unverändert geöffnet halten.
Neues Verfahren für 36 Standorte
Eine Unternehmenssprecherin bestätigte, dass das Verfahren bereits läuft. Namen möglicher Interessenten nannte Migros nicht; offen blieb zunächst auch, wann die Vergabe abgeschlossen sein soll und ob einzelne Filialen später schließen müssen.
Rewe übernimmt 38 Märkte
Das Bundeskartellamt genehmigte in dieser Woche den Erwerb von 38 Tegut-Filialen durch Rewe. Wie beim Edeka-Verbund, der 178 Filialen und ein Logistikzentrum übernimmt, gilt die Freigabe nur unter Auflagen.
Die Wettbewerbsbehörde begrenzte damit die Zahl der Märkte, die beide Lebensmittelhändler übernehmen dürfen. Ein weiteres Paket mit 36 Standorten geht an die Smart-Store-Kette Tante Enso.
Kritik an der Marktkonzentration
Die Übernahmen stoßen bei Experten teilweise auf Kritik. Die Monopolkommission warnt vor einer weiter steigenden Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel und möglichen Nachteilen für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Nach Angaben des unabhängigen Beratungsgremiums vereinen die vier großen Handelsketten in Deutschland bereits mehr als 90 Prozent der Umsätze des Lebensmitteleinzelhandels auf sich.
Migros will Marke aufgeben
Migros Zürich hatte im März angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen. Die 1947 in Fulda gegründete Marke soll aufgegeben werden; seit 2013 gehört die Kette zur Migros-Gruppe.
Tegut ist in sechs Bundesländern vertreten, die meisten Märkte liegen in Hessen. Nach Angaben von Migros beschäftigt das Unternehmen knapp 7.500 Menschen.
Der Verkauf von Tegut verteilt einen großen Teil des Filialnetzes auf drei unterschiedliche Handelsmodelle. Rewe und Edeka übernehmen klassische Supermärkte, während Tante Enso auf sogenannte Smart Stores setzt, die je nach Standort mit deutlich weniger oder ohne dauerhaft anwesendes Personal auskommen können.
Für die 36 bislang nicht veräußerten Märkte bleibt damit zunächst die Eigentümerfrage offen. Migros Zürich hält den Betrieb bis zu einer Übernahme unverändert aufrecht und lässt ein weiteres Bieterverfahren laufen. Für Beschäftigte und Kundschaft bedeutet das kurzfristig Kontinuität, mittelfristig aber weiterhin Unsicherheit über Betreiber, Sortiment und mögliche Standorte.
Wettbewerb im Lebensmitteleinzelhandel
Die Genehmigungen des Bundeskartellamts unter Auflagen zeigen zugleich den Konflikt zwischen der Rettung einzelner Filialen und der Konzentration im Lebensmittelhandel. Wenn große Ketten zusätzliche Märkte übernehmen, können bestehende Versorgungsstrukturen erhalten bleiben; zugleich sinkt an manchen Orten die Zahl unabhängiger Wettbewerber.
Besonders relevant ist deshalb, welche Standorte im laufenden Verfahren noch einen Käufer finden und ob die Auflagen des Kartellamts dauerhaft ausreichend Wettbewerb sichern. Für die betroffenen Regionen entscheidet sich daran auch, ob Tegut-Filialen als Vollsortimenter erhalten bleiben oder sich das lokale Angebot verändert.
