Teilkrankschreibung ab Juli: Neue Regeln für Langzeiterkrankte
Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 22:20 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Fehlzeiten in deutschen Unternehmen gehen minimal zurück, doch psychische Erkrankungen erreichen einen neuen Höchststand. Gleichzeitig bringt die Politik Reformen auf den Weg, die Krankschreibungen flexibler machen sollen.
Leichter Rückgang, aber neue Spitzenwerte
Die Krankenkasse DAK hat Daten von rund 2,2 Millionen Versicherten ausgewertet. Ergebnis: Der Krankenstand lag im ersten Halbjahr 2026 bei 5,3 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 5,4 Prozent. Die durchschnittliche Ausfallzeit pro Kopf sank von 9,9 auf 9,6 Tage.
Doch der Gesamtrückgang täuscht. Psychische Erkrankungen sind inzwischen der häufigste Grund für Fehlzeiten. Mit 184 Fehltagen pro 100 Versicherten stieg der Wert um neun Prozent. Zum Vergleich: Atemwegserkrankungen gingen um 21 Prozent auf 175 Fehltage zurück. Kassenchef Andreas Storm nannte die Entwicklung zwar erfreulich, sieht aber bei Langzeiterkrankungen „weiterhin erheblichen Handlungsbedarf“.
Teilkrankschreibung kommt – Kritik an Psychotherapie-Streichungen
Die Politik reagiert auf den Wandel. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) brachte das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz auf den Weg. Bundestag und Bundesrat passierten das Gesetz am 10. Juli. Kern der Reform: eine Teilkrankschreibung samt Teilkrankengeld für länger Erkrankte. Das soll die schrittweise Rückkehr in den Job erleichtern.
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Doch ein Teil der Reform sorgt für Ärger. Das Paket sieht vor, Zuschläge auf psychotherapeutische Leistungen zu streichen. Experten und Krankenkassen warnen vor einer Verknappung von Therapieplätzen. Ausgerechnet jetzt, wo der Bedarf an psychologischer Unterstützung kontinuierlich steigt.
Hitzebelastung und Sicherheit: Gewerkschaften fordern mehr Schutz
Neben psychischen Belastungen rücken äußere Arbeitsbedingungen in den Fokus. DGB-Chefin Yasmin Fahimi fordert ein gesetzliches Hitze-Ausfallgeld. Grundlage ist eine Umfrage unter 4.000 Beschäftigten: Jeder Dritte fühlt sich durch hohe Temperaturen stark belastet. Bei Zeitdruck steigt der Anteil auf 48 Prozent. Laut Gewerkschaftsberechnungen kostet jeder extreme Hitzetag die Wirtschaft rund 431 Millionen Euro.
Auch die Sicherheit im Verkehrswesen sorgt für Diskussionen. Nach einem schweren Vorfall auf der Bahnstrecke zwischen Offenburg und Karlsruhe am 17. Juli fordert GDL-Chef Mario Reiß Gesetzesänderungen. Ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn war während einer Ticketkontrolle aus einem fahrenden Zug gestürzt. Der Mitarbeiter schwebt nicht mehr in Lebensgefahr, wird aber weiter medizinisch versorgt. Reiß drängt auf erweiterte Durchgriffsrechte für Sicherheitskräfte.
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Hausarztmangel droht – Betriebe setzen auf Prävention
Das Gesundheitssystem steht vor einer weiteren Herausforderung. Eine Studie des IGES-Instituts vom 20. Juli warnt: Bis 2040 könnten über 12.000 Hausarztsitze unbesetzt bleiben. Das wäre jeder fünfte Posten. Die medizinische Betreuung von Erwerbstätigen würde darunter massiv leiden.
Viele Betriebe reagieren bereits. Dienstleister wie BG prevent betreuen inzwischen über 210.000 Unternehmen in Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit. Auch die Handwerkskammer Mannheim greift den Trend auf: Anfang August bietet sie ein Webseminar zum Thema „New Work Führung und Kultur“ an. Ziel ist es, Führungskräften Strategien für eine gesunde Unternehmenskultur zu vermitteln.
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