Teilzeitrecht: CDU/ CSU und FDP wollen Anspruch drastisch beschrÀnken
01.06.2026 - 00:18:52 | boerse-global.de
Die CDU/CSU und FDP wollen Sozialausgaben einfrieren und das Recht auf Teilzeitarbeit massiv beschrÀnken. Ziel ist es, die Wirtschaft anzukurbeln und ein Haushaltsloch von rund 140 Milliarden Euro bis 2030 zu stopfen.
Angriff auf das Teilzeitrecht
Die FDP hat auf ihrem Bundesparteitag in Berlin einen Beschluss gefasst, der den Rechtsanspruch auf Teilzeit drastisch einschrĂ€nken soll. KĂŒnftig soll es diesen Anspruch nur noch in âsozial schutzwĂŒrdigen FĂ€llen" geben. Parallel dazu fordert die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) der CDU die vollstĂ€ndige Abschaffung des allgemeinen Teilzeitanspruchs. Arbeitnehmer mĂŒssten dann konkrete GrĂŒnde wie Kinderbetreuung, Pflege oder Weiterbildung nachweisen.
Die Zahlen sind alarmierend: 2025 erreichte die Teilzeitquote mit fast 32 Prozent einen Rekordwert. Mehr als die HĂ€lfte aller Frauen arbeitet in Teilzeit. Kritiker verweisen auf die 300.000 fehlenden KitaplĂ€tze als Hauptgrund â nicht etwa mangelnde Arbeitsbereitschaft.
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Krankschreibung wird teurer
Die FDP will zudem zwei Karenztage vor Beginn der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall einfĂŒhren. Arbeitnehmer mĂŒssten dann kurze Erkrankungen selbst tragen. Der neue Parteichef Wolfgang Kubicki, der am 31. Mai mit 59 Prozent der Stimmen gewĂ€hlt wurde, brachte noch weitere VorschlĂ€ge auf den Weg: 100 Bundesbehörden sollen in den nĂ€chsten fĂŒnf Jahren gestrichen werden, und ein vierstufiges Steuertarifmodell soll eingefĂŒhrt werden.
Sozialleistungen auf Eis gelegt
Union-Fraktionschef Jens Spahn hat einen kompletten Stopp der Erhöhungen fĂŒr mehrere Sozialleistungen gefordert. Das betrifft das BĂŒrgergeld, Wohngeld, Elterngeld und BAföG. Erst wenn die Wirtschaft wieder wĂ€chst, soll es wieder Anpassungen geben. Angesichts der Inflation wĂŒrde dies faktisch eine KĂŒrzung bedeuten. ZusĂ€tzlich schlĂ€gt Spahn eine pauschale KĂŒrzung aller Subventionen und SteuervergĂŒnstigungen um fĂŒnf Prozent vor.
Die PlĂ€ne von Kanzler Friedrich Merz gehen noch weiter: Bei der ersten Ablehnung eines zumutbaren Jobangebots sollen die Leistungen um bis zu 30 Prozent gekĂŒrzt werden. Wer lĂ€nger als 18 Monate arbeitslos ist, soll zu gemeinnĂŒtziger Arbeit verpflichtet werden. Eine Umfrage von Infratest dimap zeigt: 58 Prozent der Deutschen befĂŒrworten einen hĂ€rteren Kurs beim BĂŒrgergeld.
Die Bundesregierung hat bereits reagiert: Ab dem 1. Juli 2026 gelten verschĂ€rfte Sanktionen. Die Arbeitslosenquote lag im April 2026 bei stabilen 6,4 Prozent â doch die Schere klafft auseinander. Ende 2025 kamen auf jede offene Stelle drei Arbeitssuchende.
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BAföG-Reform in der Warteschleife
Der Sparkurs trifft auch die Studierenden. Die geplante BAföG-Reform, die die Wohnkostenpauschale von 380 auf 440 Euro erhöhen sollte, steht auf der Kippe. Forschungsministerin Dorothee BÀr machte deutlich: HaushaltszwÀnge und Widerstand in der Koalition lassen eine schnelle Umsetzung unwahrscheinlich erscheinen. WÀhrend die SPD auf die Umsetzung des Koalitionsvertrags pocht, stellt die Union die Finanzierbarkeit infrage.
Gesundheitskosten: Der demografische Kollaps
Der Druck auf die Sozialsysteme wĂ€chst. Der SachverstĂ€ndigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung warnte in seinem FrĂŒhjahrsgutachten: Ohne tiefgreifende Reformen könnten die Sozialabgaben auf 50 Prozent des Bruttolohns steigen.
Die Bundesregierung hat bereits reagiert: Ab 2027 werden die Pflegebudgets gedeckelt. Die Obergrenze orientiert sich dann an der Lohnentwicklung in der gesetzlichen Krankenversicherung. PflegeverbĂ€nde schlagen Alarm â schon jetzt werden in 12,5 Prozent der Schichten die Mindestbesetzungsvorgaben nicht eingehalten.
Die Bevölkerungsentwicklung verschĂ€rft die Lage: 2024 lag die Geburtenrate bei nur 1,35 Kindern pro Frau. 2025 wurden so wenige Kinder geboren wie seit 1946 nicht mehr. Als Reaktion auf steigende Pflegekosten denken Politiker ĂŒber Programme zum Schutz von Erbschaften nach â der Staat soll mehr Pflegekosten ĂŒbernehmen, selbst wenn Immobilienvermögen vorhanden ist.
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