Telekom-Tarifvertrag: 60.000 Beschäftigte erhalten 8,5% mehr
29.05.2026 - 23:30:26 | boerse-global.dedi hat ihre Macht in deutschen Großunternehmen eindrucksvoll ausgebaut. Bei den Betriebsratswahlen der Lufthansa Group fuhr sie einen klaren Sieg ein, bei der Deutschen Telekom gelang ein mehrjähriger Tarifabschluss. Beide Erfolge kommen in einer Phase angespannter Arbeitskämpfe in anderen Branchen.
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Klare Mehrheit bei Lufthansa-Betriebsräten
Die am 29. Mai 2026 bestätigten Ergebnisse zeigen Ver.di als stärkste Kraft in den Betriebsrats- und Personalvertretungswahlen des Lufthansa-Konzerns. Insgesamt sicherte sich die Gewerkschaft 255 Mandate in über 45 Einzelbetrieben. Besonders stark schnitt sie demnach beim fliegenden Personal ab.
Die Zahlen sind beeindruckend: Bei der Tochter Lufthansa City Airlines gewannen Ver.di-Kandidaten 84,6 Prozent der Mandate. Auch bei Discover Airlines und den Kabinenbesatzungen von Eurowings erzielte die Gewerkschaft Mehrheiten. Weitere Konzernbereiche wie Lufthansa Technik, Cargo, Systems und Aviation Training zeigten ebenfalls starke Zustimmung.
Die Börse reagierte gelassen auf die arbeitspolitischen Entwicklungen. Die Lufthansa-Aktie legte am 29. Mai um 2,0 Prozent zu – angetrieben von fallenden Ölpreisen und Hoffnungen auf eine Entspannung im Nahen Osten.
Tarifabschluss bei der Telekom: Mehr Geld und Jobgarantie
Nach einem 36-stündigen Verhandlungsmarathon in der vierten Runde einigten sich Ver.di und die Deutsche Telekom am 28. Mai 2026 auf einen neuen Tarifvertrag. Der Deal betrifft rund 60.000 Beschäftigte und beendet einen schwelenden Arbeitskonflikt.
Der Abschluss sieht eine mehrstufige Entgelterhöhung vor:
- Ab August 2026: Ein zusätzliches Monatsentgelt steigt von 190 auf 340 Euro
- Ab Juli 2027: Erhöhung auf 480 Euro
- Ab Juni 2028: Weitere 2,4 Prozent mehr Tabellenentgelt
Die Gesamtsteigerung liegt bei rund 8,5 Prozent für ein Durchschnittsgehalt. Doch der Abschluss enthält mehr als nur Lohnerhöhungen. Der Kündigungsschutz wurde bis zum 31. Dezember 2028 verlängert. Zudem erhalten Gewerkschaftsmitglieder eine Einmalzahlung von 440 Euro – vorausgesetzt, sie waren bereits am 28. Mai 2026 Mitglied. Ein weiteres Bonus-Entgelt von 220 Euro folgt Ende 2028.
Die Ver.di-Mitglieder haben bis Mitte Juni Zeit, über den Vorschlag abzustimmen. Die endgültige Entscheidung fällt am 19. Juni 2026.
Warnstreiks und politische Kritik
Während bei Telekom und Lufthansa Einigkeit herrscht, drohen in anderen Bereichen Arbeitsniederlegungen. Ver.di hat den ersten Streik in der Geschichte der staatlichen Spielbanken Baden-Württembergs angekündigt. Die Arbeitsniederlegung beginnt am Samstag, 30. Mai 2026, um 16:00 Uhr. Betroffen sind die Standorte Baden-Baden, Stuttgart und Konstanz. Die Gewerkschaft fordert monatlich 350 Euro mehr plus 3,0 Prozent rückwirkend zum Jahresbeginn.
Verschärft wird die Lage durch die Kritik an der Bundespolitik. Am 28. Mai 2026 warnte Ver.di vor einem massiven Sparkurs im Krankenhaussektor. Die Regierungspläne könnten Einsparungen von 4,6 Milliarden Euro bedeuten. Die Gewerkschaftsführung argumentiert, dass sinkende Löhne und Gehälter die Patientenversorgung gefährden. Für den 10. Juni 2026 ist eine Großkundgebung in Hannover geplant – zeitgleich zur Gesundheitsministerkonferenz.
Auch das geplante Arbeitszeitgesetz sorgt für Unmut. Der DGB und die Gewerkschaft NGG äußerten am 29. Mai 2026 Bedenken. Die geplante Umstellung von einer täglichen Acht-Stunden-Grenze auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit könnte gesundheitliche Risiken bergen, warnen die Gewerkschaften. Sie lehnen die vom Arbeitsministerium angestrebte Flexibilisierung ab.
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