Temu und Shein, Zollfreigrenze

Temu und Shein: HDE warnt vor 300.000 Paketen täglich

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 05:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der HDE erwartet trotz neuer Abgaben weiterhin Hunderttausende Sendungen pro Tag. Verbandschef Stefan Genth fordert deshalb eine zentrale Marktaufsicht und haftbare Ansprechpartner für Anbieter aus Drittstaaten.

Handelsverband warnt vor chinesischen Billigplattformen
Fahne von China (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der Handelsverband Deutschland (HDE) warnt davor, dass trotz der Abschaffung der Zollfreigrenze weiterhin Hunderttausende Pakete von Plattformen wie Temu und Shein täglich nach Deutschland kommen. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sagte T-Online, die Plattformen würden sich anpassen und ihr Geschäft fortsetzen.

Frankreich meldet weniger Sendungen

Die Abschaffung der Zollfreigrenze von 150 Euro für Warensendungen aus Nicht-EU-Staaten zum Juli 2026 zeige zwar Wirkung, sagte Genth. Frankreich melde bereits 30 bis 40 Prozent weniger Sendungen.

Für Deutschland gebe es noch keine Zahlen. Genth geht jedoch nicht davon aus, dass sich die Entwicklung hierzulande grundsätzlich anders darstellt. Selbst bei einem Rückgang um ein Drittel bliebe es bei Hunderttausenden Paketen täglich.

HDE warnt vor unsicheren Produkten

Bis zum Ende der Zollfreigrenze seien allein in Deutschland 400.000 Pakete am Tag angekommen, mittlerweile seien es möglicherweise noch 300.000. Eine flächendeckende Kontrolle sei angesichts dieser Mengen nicht möglich; der Zoll könne nur Stichproben vornehmen.

Genth warnt unter anderem vor Plagiaten, unsicherer Ware und teils gesundheitsschädlichen Produkten. Als Beispiel nannte er Kinderschuhe mit Chrom-VI-Belastung.

Fünf Euro Zusatzkosten reichen dem Verband nicht

Die Belastung der Sendungen durch drei Euro Zoll und zwei Euro Gebühr geht Genth nicht weit genug. Weitere Maßnahmen seien nötig, um Wettbewerbsverzerrungen zu beenden.

Der HDE fordert eine zentrale Marktaufsicht für Anbieter aus Drittstaaten. Außerdem müsse jeder Händler aus einem Drittstaat in der EU einen erreichbaren, solventen und haftbaren Wirtschaftsakteur registrieren. Eine gemeinsame Datenbasis der europäischen Zollbehörden solle auffällige Händler und Sendungen grenzübergreifend erfassen.

Die Warnung des Handelsverbands richtet den Blick auf ein Geschäftsmodell, das stark auf sehr große Mengen kleiner Direktlieferungen aus Drittstaaten setzt. Die Abschaffung der Zollfreigrenze für Warensendungen bis 150 Euro soll diesen Vorteil verringern; nach den Angaben aus der Meldung bleiben die Sendungsmengen in Deutschland jedoch so hoch, dass der Kontrolldruck für Zoll und Marktüberwachung bestehen bleibt.

Für Verbraucher verschiebt sich damit die Frage von der reinen Preisersparnis zur Produktsicherheit. Bei Plagiaten, elektrischen Geräten, Spielzeug, Textilien oder Schuhen können fehlende Konformitätsnachweise und problematische Inhaltsstoffe Risiken schaffen. Einzelne Stichproben können Verstöße aufdecken, ersetzen bei Hunderttausenden Sendungen pro Tag aber keine systematische Überwachung.

Regeln allein verändern das Geschäftsmodell kaum

Die von HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth geforderte zentrale Marktaufsicht und ein haftbarer Ansprechpartner in der EU zielen auf eine Lücke zwischen digitalem Anbieter und nationaler Durchsetzung. Eine gemeinsame Datenbasis der Zollbehörden könnte auffällige Händler und Warenströme gezielter erfassen. Für den Handel geht es zugleich um gleiche Wettbewerbsbedingungen: Stationäre und europäische Onlinehändler müssen zahlreiche Vorgaben zu Sicherheit, Kennzeichnung, Steuern und Haftung einhalten.

Die zusätzliche Belastung von fünf Euro pro Sendung kann den Preisvorteil mindern, beseitigt ihn aber nicht zwingend. Entscheidend bleibt, ob Plattformen ihre Lieferketten anpassen, Waren stärker bündeln oder Verantwortung innerhalb der EU übernehmen müssen. Bis dahin bleibt die Durchsetzung der bestehenden Produkt- und Zollregeln die zentrale praktische Herausforderung.

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