Thermische Sicherheit: Bereits 51 Grad Celsius drohen Verletzungen
15.06.2026 - 04:22:50 | boerse-global.de
Das neue Handbuch konkretisiert die Anforderungen an Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Kontakt mit extremen Temperaturen. Hintergrund sind anhaltende Hitzewellen und technische Entwicklungen im Brand- und Materialschutz.
Grenzwerte für Berührungsverbrennungen
Die neuen Leitlinien definieren präzise Verbrennungsschwellen nach der Norm DIN EN ISO 13732-1. Bei unbeschichteten Metallen drohen bereits ab 51 Grad Celsius Verletzungen – bei einer Kontaktdauer von einer Minute. Liegt die Einwirkzeit bei zehn Minuten, sinkt die kritische Schwelle auf 48 Grad. Bei dauerhafter Exposition über acht Stunden gilt bereits 43 Grad als gefährlich.
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Für Materialien mit geringerer Wärmeleitfähigkeit wie Kunststoffe oder Holz liegen die Grenzwerte höher: Hier sind bei kurzzeitigem Kontakt 60 Grad über eine Minute hinweg tolerierbar.
Wie schwer thermische Unfälle enden können, zeigt die Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) für 2023: Zwölf neue Arbeitsunfallrenten wurden allein aufgrund großflächiger Verbrennungen bewilligt.
Dreistufige Schutzstrategie
Die BAuA empfiehlt eine klare Hierarchie der Schutzmaßnahmen. An erster Stelle stehen technische Lösungen wie Isolierungen oder Abschirmungen. Reichen diese nicht aus, müssen organisatorische Schritte folgen – Warnhinweise und Unterweisungen. Erst als letzte Instanz kommt persönliche Schutzausrüstung (PSA) zum Einsatz.
Hitzestress durch Klimawandel
Neben industriellen Wärmequellen rückt die thermische Belastung durch Umgebungswitterung in den Fokus. Im Juni 2026 warnen Meteorologen vor einer Hitzewelle in Deutschland mit regionalen Temperaturen von bis zu 40 Grad. Solche Extremereignisse erhöhen das Risiko für Hitzestress bei Tätigkeiten im Freien erheblich.
Das zeigt sich auch bei sportlichen Großveranstaltungen. Bei der aktuell stattfindenden Fußball-WM in Nordamerika wird laut Klimaforschern jedes vierte Spiel unter gefährlichen Hitzebedingungen ausgetragen. Besonders kritisch: Die FIFA sieht eine Spielabsage erst ab einem Wet-Bulb Globe Temperature Index von 32 vor. Mediziner und Spielergewerkschaften warnen dagegen bereits ab einem Wert von 28 vor gesundheitlichen Schäden. In Stadien wie Monterrey oder Arlington herrscht am Nachmittag ein sehr hohes Risiko für extremen Hitzestress. Gefordert werden verlängerte Trinkpausen sowie freier Zugang zu Schatten und Wasser.
Brandschutz und Asbest-Altlasten
Der Schutz vor thermischen Gefahren umfasst auch den vorbeugenden Brandschutz. Das Fraunhofer CCPE arbeitet im Projekt „CircularInFoam“ an nachhaltigen Dämmstoffen auf Basis von Polymilchsäure. Ziel ist es, petrobasierte Rohstoffe durch halogenfreie, flammgeschützte Systeme zu ersetzen. Erste Tests zeigen günstige Brandschutzeigenschaften und eine gute Wärmeleitfähigkeit.
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Gleichzeitig bleibt Asbest eine Herausforderung. Trotz Verbots seit Oktober 1993 sterben in Deutschland jährlich rund 1.200 Menschen an den Folgen asbestbedingter Berufskrankheiten – so die aktuellen DGUV-Zahlen für 2024. Da Asbest wegen seiner thermischen Beständigkeit bis in die 1980er Jahre in bis zu 90 Prozent aller Putze, Fliesenkleber und Bodenbeläge verbaut wurde, verschärft die neue Gefahrstoffverordnung die Auflagen: Eigentümer und Bauherren müssen vor Bauarbeiten detaillierte Informationen über mögliche Belastungen bereitstellen.
Explosions- und Gasgefahren
Das BAuA-Handbuch weist zudem auf Gefahren durch Explosionen und Sauerstoffmangel hin. Ab einem Luftstoßdruck von 140 Kilopascal besteht unmittelbare Lebensgefahr. Sinkt der Sauerstoffgehalt in der Luft auf unter elf Volumenprozent, drohen tödliche Risiken. Ohnmacht kann bereits kurz unterhalb der normalen Konzentrationen eintreten. Besondere Vorsicht gilt beim Einsatz inerter Gase wie Stickstoff oder Argon.
