Tourismus-Tarifstreit, WKO

Tourismus-Tarifstreit: WKO legt neues Angebot vor

18.05.2026 - 12:26:41 | boerse-global.de

Die Wirtschaftskammer bietet durchschnittlich 3 Prozent mehr Gehalt für 220.000 Beschäftigte. Die Gewerkschaft vida hält an ihrer Forderung von 3,8 Prozent fest.

Tourismus-Tarifstreit: WKO legt neues Angebot vor - Foto: über boerse-global.de
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Die österreichische Wirtschaftskammer (WKO) hat den festgefahrenen Tarifverhandlungen für Gastronomie und Hotellerie neuen Schwung verliehen. Am Montag legten die Arbeitgebervertreter ein überarbeitetes Angebot vor: durchschnittlich 3 Prozent mehr Lohn und Gehalt für die rund 220.000 Beschäftigten der Branche. Nach über einem Monat Stillstand hofft die WKO damit auf eine Wiederaufnahme der Gespräche mit der Gewerkschaft vida.

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Arbeitgeber werfen Gewerkschaft „Medienkampagne“ vor

Alois Rainer und Georg Imlauer, die Chefverhandler der Fachverbände Gastronomie und Hotellerie, betonten die soziale und wirtschaftliche Ausgewogenheit des Angebots. Sie verwiesen auf vergleichbare Abschlüsse in anderen Branchen im ersten Halbjahr 2026. Zugleich äußerten sie deutlichen Unmut über das Vorgehen der Gewerkschaft. „Statt am Verhandlungstisch zu konstruktiven Lösungen zu kommen, wird eine öffentliche Kampagne gefahren, die dem Ansehen der gesamten Branche schadet“, so die Arbeitgebervertreter.

Bereits die erste Verhandlungsrunde Anfang des Jahres sei gescheitert – nach Einschätzung der WKO, weil das notwendige Vertrauensverhältnis durch „populistische Vorwürfe“ der Arbeitnehmerseite zerstört worden sei.

vida beharrt auf 3,8 Prozent und strukturellen Verbesserungen

Die Gewerkschaft vida unter Chefverhandlerin Eva Eberhart hält an ihrer Forderung von 3,8 Prozent mehr Lohn fest. Die rollierende Inflationsrate liege bei 3,6 Prozent – alles darunter bedeute einen realen Einkommensverlust. Doch es geht der vida nicht nur ums Geld. Ihr Forderungskatalog umfasst auch strukturelle Änderungen:

  • Mindestens zwölf freie Sonntage pro Jahr
  • Bezahlte Mittagspausen

Eberhart wies zudem auf das niedrige Einstiegsgehalt hin: Ungelernte in der Gastronomie starten bei 2.026 Euro brutto monatlich. Zum Vergleich: Im Reinigungsgewerbe sind es 2.184,99 Euro, im öffentlichen Dienst sogar 2.262,30 Euro.

Die Verhandlungen stocken seit dem Scheitern der zweiten Runde am 7. April. Ein erster Anlauf am 12. März war ebenfalls ergebnislos geblieben.

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Streit um die wirtschaftliche Lage der Branche

Ein zentraler Konfliktpunkt: die unterschiedliche Interpretation der Branchenzahlen. Die WKO widerspricht der Darstellung eines Tourismusbooms. Im März 2026 sanken die Übernachtungen um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwar stiegen die nominalen Umsätze, doch nach Abzug gestiegener Kosten für Energie, Lebensmittel und Personal bleibe wenig übrig. Die reale Bruttowertschöpfung sei 2024 um 0,3 Prozent gefallen, für 2025 werde ein weiterer Rückgang um 0,6 Prozent erwartet.

Gleichzeitig wächst die Beschäftigung: Im März 2026 arbeiteten 230.899 Menschen in der Branche – ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 4,9 Prozent mehr als vor der Pandemie. Die Arbeitgeber sehen darin den Beleg, dass die Branche keineswegs ihre Mitarbeiter verliere. Man habe in den Krisenjahren massiv investiert. Weitere hohe Lohnsteigerungen seien bei stagnierenden Betriebsergebnissen der rund 65.000 Betriebe nicht machbar.

Branchenvergleich und Ausblick

Das 3-Prozent-Angebot liegt auf dem Niveau anderer Abschlüsse: Die Finanzbranche einigte sich auf 3 Prozent plus Festbetrag, die IT-Branche auf sozial gestaffelte Erhöhungen zwischen 2,7 und 3,1 Prozent. Die vida argumentiert jedoch, der Tourismus brauche einen höheren Aufschlag, um zu anderen Branchen aufzuschließen und die Armutsgrenze von 1.661 Euro monatlich zu überwinden.

Die nächsten Tage versprechen Spannung. Für Mittwoch haben vida-Chef Roman Hebenstreit und Eva Eberhart eine Pressekonferenz unter dem Titel „Tourismusboom ohne Beschäftigte“ angekündigt. Sie fordern eine radikale Kurskorrektur. Die WKO signalisiert indes Gesprächsbereitschaft für weitere Termine in dieser Woche. Ob die Gewerkschaft das 3-Prozent-Angebot als Basis akzeptiert, ist offen. Der Druck auf beide Seiten wächst: Der neue Kollektivvertrag sollte eigentlich zum 1. Mai in Kraft treten.

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