TRGS 524: BAuA verschärft Schutzmaßnahmen für Altlasten
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat die Technische Regel für Gefahrstoffe (TRGS) 524 grundlegend überarbeitet. Die Neufassung wurde am 17. Juli 2026 im Gemeinsamen Ministerialblatt veröffentlicht und definiert Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen neu.
Mehr Pflichten für Auftraggeber und Auftragnehmer
Ein Kernpunkt der überarbeiteten Regelung: Die Mitwirkungs- und Informationspflichten des Veranlassers gegenüber dem Arbeitgeber wurden präzisiert. Ziel ist eine bessere Informationsgrundlage für die Gefährdungsbeurteilung. Die Ermittlungspflicht des Arbeitgebers wurde konkretisiert, damit alle relevanten Gefahrstoffe im Vorfeld identifiziert werden.
Die neue Fassung integriert zudem die Akzeptanz- und Toleranzkonzentrationen gemäß der TRGS 910. Damit wird der Umgang mit krebserzeugenden Gefahrstoffen in die Schutzkonzepte für kontaminierte Standorte eingegliedert. Die Regelung gilt für alle Tätigkeiten, bei denen Beschäftigte mit belasteten Böden, Altablagerungen oder baulichen Anlagen in Kontakt kommen können.
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23 Millionen Tonnen gefährliche Abfälle – Baugewerbe Spitzenreiter
Dass präzise Schutzmaßnahmen dringend nötig sind, zeigen aktuelle Abfallstatistiken. 2024 fielen in Deutschland rund 23 Millionen Tonnen gefährliche Abfälle an – ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Den größten Anteil machten mit 39 Prozent Bau- und Abbruchabfälle aus.
Wie aufwendig der Umgang mit Altlasten in der Praxis ist, zeigt ein Projekt zur Renaturierung des Urselbachs in Frankfurt. Dort entdeckten Bauarbeiter rund 3.000 Tonnen mit Schwermetallen und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastete Erde. Die Entsorgungskosten werden auf einen sechsstelligen Betrag geschätzt. Die Verunreinigungen stammen von historischen Abwassereinleitungen lokaler Industriebetriebe. Trotz der Funde soll die Maßnahme bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Neue Normen für Evakuierung und Rufanlagen
Parallel zur TRGS 524 wurden im Juli 2026 weitere sicherheitstechnische Regelwerke aktualisiert. Mit der VDI 4062 Blatt 1 liegt eine neue Richtlinie für die Evakuierung von Personen im Gefahrenfall vor. Sie regelt Evakuierungskonzepte, Zuständigkeiten und die Anforderungen an barrierefreie Fluchtwege.
Heute erscheint zudem die neue DIN VDE 0834-1:2026-08. Diese Norm für Rufanlagen betrifft vor allem Krankenhäuser, Pflegeheime und psychiatrische Einrichtungen. Die Überarbeitung umfasst strengere Vorgaben für Übertragungswege und präzisierte Dokumentationspflichten. Besonderes Augenmerk liegt auf der nachzuweisenden Fachkunde des Personals, das diese Anlagen plant und betreibt.
Neben Evakuierungskonzepten gehört auch die Gefährdungsbeurteilung (GBU) zu den zentralen Dokumentationspflichten im Arbeitsschutz. Ein kostenloser Experten-Report zeigt die 7 häufigsten Irrtümer auf und bietet rechtssichere Vorlagen, die von Aufsichtsbehörden anerkannt werden. Kostenlose GBU-Checklisten herunterladen
Praxisleitfaden und Spezialforschung
Zur Unterstützung bei der Umsetzung komplexer Vorschriften wurde ein neuer Praxisleitfaden zur Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) vorgelegt. Autor Prof. Dr. Thomas Wilrich analysiert darin neben den Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR) auch 60 relevante Gerichtsurteile. Das Werk richtet sich an Facility Manager, Sicherheitsbeauftragte und Elektrofachkräfte.
Für hochspezialisierte Gefahrenlagen im Bereich CBRN (chemisch, biologisch, radiologisch und nuklear) läuft das Forschungsprojekt „CBRN-Rescue“. Das bis Januar 2028 geförderte Vorhaben untersucht neue Materialien für Schutzanzüge und Transportbehältnisse. Ziel ist es, die mechanischen Eigenschaften und die Dekontaminierbarkeit der Schutzausrüstung für Rettungskräfte zu optimieren.
In der Binnenschifffahrt wurde am 22. Juli 2026 ein aktualisierter Leitfaden (ISGINTT) veröffentlicht. Die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt (ZKR) und das OCIMF haben darin neue Sicherheitsempfehlungen für den Umgang mit Rohöl, Chemikalien und verflüssigten Gasen an den Schnittstellen zwischen Tankschiffen und Terminals zusammengestellt.
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