Tusk: Im Rechtsstaat gilt nicht das Gesetz des Dschungels
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 11:07 Uhr | dpa, AD HOC NEWS"Der Rechtsstaat unterscheidet sich vom Gesetz des Dschungels dadurch, dass nicht Muskeln und UnverschĂ€mtheit darĂŒber entscheiden, wer recht hat", sagte Tusk in einer Fernsehansprache.
Tusk spielte damit auf den Besuch des PrĂ€sidenten in dem von Demonstranten umgelagerten Verfassungsgericht in der Nacht auf Samstag an. In einem von einem Verfassungsrichter in sozialen Medien veröffentlichten Video war zu sehen, wie sich der ehemalige Amateurboxer Nawrocki mit robustem Körpereinsatz in das GerichtsgebĂ€ude gedrĂ€ngt hatte. Dabei drĂŒckte er auch eine Richterin nach unten.
Tusk sagte dazu weiter: "In einem Rechtsstaat weicht ein Richter, selbst wenn es sich um eine zierliche Frau handelt, nicht vor einem aggressiven SchlĂ€ger zurĂŒck." In einem Rechtsstaat dĂŒrfe ein Politiker auch nicht das GelĂ€nde eines Gerichts betreten, um Anweisungen zu erteilen und die Richter einzuschĂŒchtern.
Machtkampf der zwei Lager
Der seit langem schwelende Machtkampf zwischen den beiden groĂen politischen Lagern um die Besetzung des Verfassungsgerichts war am Freitag eskaliert. Auslöser war eine Bekanntmachung auf der Webseite des Verfassungsgerichts. Dort hieĂ es, der bisherige PrĂ€sident Bogdan Swieczkowski und sein Stellvertreter seien einstweilen von ihren Funktionen entbunden worden. Stattdessen werde die Richterin Anna Korwin-Piotrowska das Gericht geschĂ€ftsfĂŒhrend leiten. Seitdem protestieren AnhĂ€nger der rechtskonservativen Oppositionspartei PiS und anderer rechter Gruppierungen gegen die Ablösung des GerichtsprĂ€sidenten.
In seiner Rede betonte Tusk, der Angriff auf das Verfassungsgericht und seine Richter sei ein weiterer Schritt der Zerstörung der Rechtsstaatlichkeit durch die bis 2023 regierende Partei PiS und die von ihr gestellten PrÀsidenten: Andrzej Duda, der bis 2025 amtierte, und nun Karol Nawrocki.
Polens Regierungschef sagte weiter, er sei sich sicher, dass das Verfassungsgericht bald wieder so arbeiten werde, wie es solle. Er sehe es als Aufgabe seiner Regierung an, dem Gericht Sicherheit und die nötigen Arbeitsbedingungen zu gewÀhrleisten.
