Millionen, Stunden

Überstunden: 638 Millionen Stunden unbezahlt – Regierung plant Steuerreform

02.06.2026 - 12:39:53 | boerse-global.de

Jährlich 638 Millionen unbezahlte Überstunden in Deutschland. Die Regierung plant Steueranreize für Mehrarbeit, stößt aber auf Kritik von Forschern und Gewerkschaften.

Überstunden: 638 Millionen Stunden unbezahlt – Regierung plant Steuerreform - Bild: über boerse-global.de
Überstunden: 638 Millionen Stunden unbezahlt – Regierung plant Steuerreform - Bild: über boerse-global.de

Die Bundesregierung will gegensteuern – mit Steuergeschenken für Mehrarbeit und flexibleren Arbeitszeiten. Doch Forscher und Gewerkschaften warnen vor den gesundheitlichen Folgen.

Anzeige

EuGH-Urteil zur Arbeitszeiterfassung: Was viele Arbeitgeber jetzt noch falsch machen. Kostenloser Leitfaden zeigt, wie Sie BuĂźgelder vermeiden und rechtssicher handeln. Jetzt gratis herunterladen und auf der sicheren Seite des Arbeitsrechts stehen

1,2 Milliarden Überstunden – mehr als die Hälfte unbezahlt

Die Zahlen sind beeindruckend: 2024 leisteten Arbeitnehmer rund 1,19 Milliarden Überstunden. 637,5 Millionen davon blieben unbezahlt – ein Anteil von 53,6 Prozent. Im ersten Quartal 2025 stieg die Quote sogar auf 54,5 Prozent bei insgesamt 274,3 Millionen Überstunden.

Politik und Wissenschaft diskutieren deshalb verstärkt über die Belastungsgrenzen der Erwerbstätigen. Die Debatte kommt nicht von ungefähr.

Steuerfrei für Überstunden – was die Regierung plant

Kanzler Merz setzt auf steuerliche Anreize. Ein Entwurf für das Arbeitsmarktstärkungsgesetz sieht vor: Zuschläge für Überstunden bis 25 Prozent des Grundlohns sollen steuerfrei bleiben. Voraussetzung: Die Arbeit liegt über der tariflichen Vollzeit von mindestens 34 Stunden oder einer 40-Stunden-Woche.

Eigentlich sollte das Gesetz Anfang 2026 starten. Anfang Juni ist es noch nicht rechtskräftig.

Parallel plant die Regierung eine Reform des Arbeitszeitgesetzes. Die tägliche Höchstarbeitszeit soll durch eine wöchentliche Obergrenze ersetzt werden. Ein Gesetzentwurf wird noch im Juni erwartet.

IW-Direktor Michael Hüther nannte das Vorhaben Mitte Mai „eine notwendige Anpassung für den Büro- und Dienstleistungssektor". Es gehe um eine andere Verteilung der Arbeitszeit, nicht zwangsläufig um mehr Gesamtvolumen.

Forscher warnen: Längere Tage, höheres Risiko

Arbeitsmarktforscher und Gewerkschaften sehen die Pläne kritisch. IAB-Direktor Bernd Fitzenberger warnt: Überlange Arbeitstage führen zu Erschöpfung und gefährden Produktivität und Gesundheit. Er plädiert für stärkere Anreize zur Erwerbsbeteiligung – etwa durch Reformen beim Ehegattensplitting oder bei Minijobs.

Studien der Hans-Böckler-Stiftung und des WSI untermauern die Skepsis. Rund 75 Prozent der Beschäftigten befürchten negative Folgen für Gesundheit und Familie, sollten Arbeitstage regelmäßig die Zehn-Stunden-Marke überschreiten.

Die Wissenschaft liefert harte Fakten: Nach zwölf Arbeitsstunden verdoppelt sich das Unfallrisiko im Vergleich zu acht Stunden. 98 Prozent der Befragten gaben an, maximal zehn Stunden täglich arbeiten zu wollen.

Anzeige

Arbeitszeiterfassung ist jetzt Pflicht – viele Unternehmen riskieren bereits Bußgelder. Das BAG hat entschieden: Wer jetzt noch kein System hat, handelt rechtswidrig. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt, wie Sie sich schnell absichern. In 10 Minuten zur gesetzeskonformen Arbeitszeiterfassung

Koalitionsstreit und soziale Schieflage

Die Positionen innerhalb der Union-SPD-Koalition gehen auseinander. Während die Union auf Flexibilität und Leistungsanreize setzt, distanziert sich Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) von einer Abschaffung des Acht-Stunden-Tags.

Unionsfraktionschef Jens Spahn stellte Ende Mai sogar die Erhöhung von Bürgergeld, Wohngeld oder BAföG infrage – solange das Wirtschaftswachstum nicht ausreiche.

Kritiker der Steuerreform weisen auf ein weiteres Problem hin: Teilzeitkräfte profitieren kaum von den Neuregelungen. Fast 30 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten in Teilzeit – darunter ein hoher Anteil an Frauen.

Zeiterfassung bleibt Pflicht – auch im Homeoffice

Unabhängig von der Flexibilisierungsdebatte gilt: Arbeitgeber müssen Arbeitszeiten erfassen. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) urteilte bereits am 13. September 2022. BAG-Präsidentin Inken Gallner bestätigte die sofortige Gültigkeit.

Für 2026 wird ein neues Gesetz erwartet, das die digitale Ausgestaltung dieser Pflicht regelt. Ziel: Ruhezeiten einhalten und Überstunden transparent dokumentieren – auch in flexiblen Modellen wie dem Homeoffice.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂĽr. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69470246 |