Steuererleichterung, VollzeitbeschÀftigte

ÜberstundenzuschlĂ€ge: Steuererleichterung fĂŒr VollzeitbeschĂ€ftigte geplant

08.06.2026 - 08:40:53 | boerse-global.de

Die geplante Steuerbefreiung fĂŒr ÜberstundenzuschlĂ€ge ist noch nicht in Kraft. VollzeitkrĂ€fte profitieren, TeilzeitbeschĂ€ftigte gehen leer aus.

Steuerfreiheit fĂŒr ÜberstundenzuschlĂ€ge: Gesetzesentwurf verzögert sich
Steuererleichterung - Eine Nahaufnahme einer modernen Analoguhr auf einem Schreibtisch mit unscharfen Finanzdokumenten und einem Taschenrechner im Hintergrund. 08.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Der Entwurf des ArbeitsmarktstÀrkungsgesetzes vom September 2025 ist noch immer nicht in Kraft. Dabei wollte die Bundesregierung unter Kanzler Merz eigentlich schon zum 1. Januar 2026 durchstarten.

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Wer profitieren soll – und wer nicht

Das Gesetz sieht vor: ÜberstundenzuschlĂ€ge bis 25 Prozent des Grundlohns bleiben steuerfrei. Allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Profitieren sollen ausschließlich VollzeitbeschĂ€ftigte – und zwar ab 34 Stunden (tariflich) beziehungsweise 40 Stunden (nicht tariflich) pro Woche.

Das hat einen Haken. Rund 30 Prozent der ErwerbstĂ€tigen in Deutschland arbeiten in Teilzeit – darunter fast jede zweite berufstĂ€tige Frau. Sie gehen bei der geplanten Steuererleichterung leer aus. „Das ist eine Schieflage", kritisieren VerbĂ€nde.

Die Rechnung fĂŒr die BegĂŒnstigten: Bei 3.000 Euro Bruttogehalt und durchschnittlich 13,1 bezahlten Überstunden blieben monatlich rund 30 Euro mehr Netto ĂŒbrig. Aktuell sind weiterhin nur ZuschlĂ€ge fĂŒr Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit steuerfrei.

Drei Wege, Überstunden auszugleichen

Wer Mehrarbeit leistet, hat grundsĂ€tzlich drei Optionen – jede mit eigenen Fallstricken.

Finanzielle VergĂŒtung: Klingt einfach, ist aber teuer. Die Auszahlung ist voll steuer- und sozialversicherungspflichtig. Wer durch die Extra-Stunden in eine höhere Steuerprogression rutscht, zahlt drauf.

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Freizeitausgleich: Klingt flexibel, ist aber nicht frei wÀhlbar. Der Arbeitgeber bestimmt, wann das Zeitguthaben abgebaut wird. Und: Laut Bundesarbeitsgericht wandelt sich ein Urlaubsanspruch wÀhrend des ArbeitsverhÀltmisses nicht automatisch in Geld um.

Lebensarbeitszeitkonto: Die langfristige Variante. BeschĂ€ftigte sparen Stunden an – fĂŒr ein Sabbatical oder den frĂŒheren Ruhestand.

Was das Gesetz dazu sagt

Die rechtliche Basis liefert § 612 BGB. Demnach gilt eine VergĂŒtung als stillschweigend vereinbart, wenn die Arbeit nur gegen Bezahlung zu erwarten ist. Ausnahmen gibt es fĂŒr Ärzte und AnwĂ€lte – hier ist Mehrarbeit oft mit dem Grundgehalt abgegolten.

Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom Mai 2012 (Az.: 5 AZR 347/11) macht Arbeitnehmern das Leben schwer: Sie mĂŒssen Beginn und Ende jeder Arbeitseinheit genau darlegen. Bestreitet der Arbeitgeber pauschal, gelten die Stunden als zugestanden. Pauschale Abgeltungsklauseln in VertrĂ€gen sind dagegen oft unwirksam – wenn nicht klar ist, wie viele Überstunden genau abgegolten sein sollen.

Die Zahlen des IAB fĂŒr 2024 zeigen die Dimension: Pro BeschĂ€ftigtem fielen im Schnitt 28,2 Überstunden an. Nur 13,1 wurden bezahlt, 15,1 blieben unbezahlt.

Streit um den Acht-Stunden-Tag

Parallel zur Steuerdebatte gibt es in der Koalition Bestrebungen, die Arbeitszeit flexibler zu gestalten. Michaela Engelmeier vom Sozialverband Deutschland sprach sich am 6. Juni klar dagegen aus. „Ein 13-Stunden-Tag ist mit den LebensrealitĂ€ten der Menschen nicht vereinbar", warnte sie.

ZusĂ€tzlichen Druck erzeugt die EU. Deutschland hat die Umsetzungsfrist fĂŒr die Entgelttransparenzrichtlinie verpasst – sie endete am 7. Juni. Familienministerin Prien kĂŒndigte an, die Richtlinie bis Anfang 2027 umzusetzen. Sie sieht unter anderem Berichtspflichten fĂŒr Unternehmen ab 100 BeschĂ€ftigten vor. Das könnte kĂŒnftig auch fĂŒr mehr Transparenz bei der VergĂŒtung von Mehrarbeit sorgen.

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