Umsatzsteuer Österreich: 4,9% auf Grundnahrungsmittel ab Juli
19.06.2026 - 19:14:35 | boerse-global.de
Ab 1. Juli 2026 gilt in Österreich ein ermäßigter Umsatzsteuersatz von 4,9 Prozent auf bestimmte Grundnahrungsmittel. Das Finanzministerium veröffentlichte am Freitag detaillierte Richtlinien zur Einordnung der Produkte. Die Neuregelung stößt in der Wirtschaft auf deutliche Kritik – wegen des hohen bürokratischen Aufwands.
Welche Lebensmittel günstiger werden
Die Senkung von bisher 10 auf 4,9 Prozent umfasst eine definierte Auswahl. Dazu gehören Milch, Joghurt, Butter, Eier sowie frisches oder gefrorenes Gemüse. Auch Kern- und Steinobst, Reis, Weizenmehl, ungekochte Teigwaren, Brot und Speisesalz fallen unter die neue Regelung.
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Voraussetzung: Die Produkte müssen als solche geliefert werden. Gastronomie- und Catering-Dienstleistungen sind explizit ausgeschlossen. Für pauschalierte Landwirte ändert sich ebenfalls nichts.
Kräuter und Gemüse: Die feine Kunde der KN-Nummern
Das Ministerium legte eine nicht erschöpfende Liste mit Einreihungen in die Kombinierte Nomenklatur (KN) vor. Sie dient der Abgrenzung von Gemüse, Kräutern und Gewürzen. Basilikum fällt etwa unter KN 1211, Dill, Petersilie und Schnittlauch unter andere Positionen. Thymian wird der Position 0910 zugeordnet.
Die korrekte Kategorisierung ist entscheidend für die Steuerbehandlung im Handel. Ein Fehler kann teuer werden.
Backwaren: Fett und Zucker entscheiden
Besonders komplex wird es bei Backwaren. Hier bestimmt der Fett- und Zuckergehalt den Steuersatz. Liegt der Anteil von Fett oder Zucker in der Trockenmasse über 5 Prozent, bleiben es 10 Prozent. Darunter sinkt der Satz auf 4,9 Prozent.
Das Ministerium veröffentlichte eine Methode zur Plausibilisierung. Bei verpackter Ware ist die Nährwerttabelle maßgeblich. Für unverpackte Thekenware gibt es pauschalierte Durchschnittswerte: Mehl etwa mit 1,7 Prozent Fett und 1,1 Prozent Zucker.
Ein Rechenbeispiel zeigt die Tücken: Ein Brot mit bestimmten Anteilen an Butter und Leinsamen erreicht schnell einen Fettgehalt von 8 Prozent in der Trockenmasse – und fällt nicht unter die Steuersenkung.
Handel rüstet sich – trotz heftiger Kritik
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Die Wirtschaftskammer Oberösterreich und Branchenvertreter kritisierten die Umsetzung bereits im Vorfeld. WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer bezeichnete die Regelung als praxisfremd. Die Kosten für die Anpassung der Kassensysteme und die Rechtsunsicherheit bei der Produktzuordnung seien enorm.
Trotz der Kritik bereiten sich große Handelsketten vor. Die Drogeriekette dm kündigte an, die Steuersenkung ab 1. Juli vollständig an die Kunden weiterzugeben. Über 170 Artikel werden günstiger. Für rund 60 Produkte wie pflanzliche Drinks und Vollkornprodukte plant dm zusätzlich freiwillige Preissenkungen von durchschnittlich 6 Prozent.
Auch der Großhändler Metro informierte seine Kunden über die notwendigen Systemumstellungen zum Stichtag. Der Bundesrat hatte der Maßnahme bereits am 3. Juni zugestimmt.
