Unproduktive Meetings: Handelsblatt beziffert Verluste auf 80 Milliarden Euro
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deSchlecht vorbereitete oder ĂŒberflĂŒssige Besprechungen belasten Unternehmen nicht nur personell, sondern verursachen erhebliche wirtschaftliche SchĂ€den. Aktuelle internationale Analysen verdeutlichen das AusmaĂ dieser Ineffizienzen und zeigen, wie stark Betriebe auf eine strukturierte Meetingkultur sowie moderne Arbeitsumgebungen angewiesen sind, um ProduktivitĂ€tsverluste zu begrenzen.
Hohe finanzielle Verluste durch unproduktive Sitzungen
Bereits im Doodle-Report 2019 wurde beziffert, dass in Deutschland jÀhrlich 64 Mrd. Euro durch ineffiziente Meetings verschwendet werden. Berechnungen des Handelsblatts zufolge belÀuft sich dieser Verlust inflationsbereinigt inzwischen auf rund 80 Mrd. Euro. Zur Verdeutlichung der betriebsinternen Belastung stellt das Handelsblatt einen Rechner bereit, mit dem sich individuelle Meetingkosten unter Einbeziehung von Ineffizienzen abschÀtzen lassen.
Dass Besprechungen einen bedeutenden Teil der Arbeitszeit binden, untermauern auch Daten aus Skandinavien. Eine Studie von Forschern der Wirtschaftshochschule NHH auf Basis von Daten von ĂŒber 9.000 norwegischen Arbeitnehmern ergab, dass BeschĂ€ftigte in Norwegen durchschnittlich 4,7 Stunden pro Woche in Meetings verbringen, was 12% einer normalen Arbeitswoche ausmacht.
Jeder fĂŒnfte norwegische Arbeitnehmer verbringt sogar mehr als 8 Stunden wöchentlich in Besprechungen, wobei FĂŒhrungskrĂ€fte, Hochqualifizierte sowie BeschĂ€ftigte in Wissens- und Professionsberufen am hĂ€ufigsten teilnehmen.
Finanziell schlagen diese Runden massiv zu Buche: Meetings machen demnach rund 14% der gesamten Lohnkosten norwegischer Unternehmen aus. Das entspricht etwa 88.000 Kronen pro Mitarbeiter jÀhrlich oder rund 230 Milliarden Kronen landesweit.
Zudem zeigt sich, dass BeschĂ€ftigte im Hybrid- oder Homeoffice mehr Besprechungen haben als reine BĂŒroprĂ€senzler. Besprechungen stehen der Untersuchung zufolge zwar in deutlichem Zusammenhang mit Lernen und spĂ€terem Lohnwachstum, ein kausaler Nachweis liegt jedoch nicht vor.
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Unzufriedenheit und Reformen der GesprÀchskultur
Trotz des Zeitaufwands bleibt das Frustrationspotenzial hoch: Fast 70% der Befragten Ă€uĂern sich unzufrieden ĂŒber den Ablauf von Meetings. Als Hauptkritikpunkte gelten fehlende Ergebnisse, einseitige Wortmeldungen und das bloĂe Vorlesen von Unterlagen.
Mit der RĂŒckkehr ins BĂŒro nehmen PrĂ€senztermine wieder zu, weshalb Unternehmen verstĂ€rkt versuchen, unproduktive Besprechungen â in Japan als sogenannte Dame-Kaigi bezeichnet â abzuschaffen und organisatorische Reformen voranzutreiben. Weltweit erproben Betriebe neue AnsĂ€tze: So verbieten dĂ€nische Unternehmen beispielsweise Meetings nach 16 Uhr, um die ProduktivitĂ€t zu sichern.
Parallel greifen Organisationen zunehmend auf KĂŒnstliche Intelligenz zurĂŒck, um ZusammenkĂŒnfte zu verschlanken. Protokolle werden teils als Illustrationen oder Comics aufbereitet, wĂ€hrend virtuelle VorstĂ€nde oder Vorgesetzte auf KI-Basis RatschlĂ€ge erteilen.
Investitionen in Medientechnik und moderne Raumkonzepte
Neben organisatorischen Anpassungen rĂŒckt die technische Infrastruktur in den Fokus. Eine von Obsurvant fĂŒr Sony zwischen dem 27. August und dem 3. September durchgefĂŒhrte Umfrage unter 458 Entscheidern aus Deutschland, GroĂbritannien und Frankreich â darunter 150 FĂŒhrungskrĂ€fte in Deutschland â belegt diesen Trend: 89% der deutschen AV-Entscheider meldeten fĂŒr die vergangenen drei Jahre eine gestiegene Nachfrage nach Arbeitsplatz-Technik, 39% verzeichneten einen deutlichen Anstieg.
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Die Ausgaben flieĂen dabei primĂ€r in BesprechungsrĂ€ume (59%), gefolgt von SchulungsrĂ€umen (55%) und MehrzweckrĂ€umen (48%). FĂŒr 56% schwanken die Anforderungen stĂ€rker als vor fĂŒnf Jahren; 57% benötigen mehr DisplaygröĂen und 55% besser ausgestattete Displays.
WĂ€hrend 58% Automatisierung und KI die höchste PrioritĂ€t einrĂ€umen, sehen 65% in zukunftssicheren TechnologiekĂ€ufen die gröĂte HĂŒrde. Binnen zwei Jahren erwarten 61% stark steigende KI-Ausgaben, und 47% erachten KI-Arbeitsplatztechnik als wichtigsten Trend.
Gleichzeitig verÀndern sich die RÀumlichkeiten selbst. Das AGIT Center for Advanced Technology (ACAT) auf dem Campus Melaten in Aachen stellt ab sofort sieben moderne BesprechungsrÀume und Coworking-ArbeitsplÀtze unter dem Namen ? COWORK bereit, ergÀnzt durch BegegnungsflÀchen.
Auf der Branchenmesse ORGATEC, die vom 27. bis 30. Oktober 2026 in Köln mit 550 Ausstellern aus 39 LĂ€ndern und ĂŒber 40.000 Fachbesuchenden stattfand, stand die Gestaltung moderner Arbeitsorte unter dem Leitthema âFrom rooms to relationships" im Mittelpunkt. Die nĂ€chste Ausgabe der Messe ist fĂŒr den 10. bis 13. Oktober 2028 geplant.
