Unternehmensübergabe, Betriebe

Unternehmensübergabe: 114.000 Betriebe suchen jährlich Nachfolger

31.05.2026 - 22:39:51 | boerse-global.de

Jährlich droht 114.000 deutschen Mittelständlern die Schließung mangels Nachfolger. Neue Finanzierungsmodelle und Beratungsangebote sollen helfen.

Unternehmensübergabe: 114.000 Betriebe suchen jährlich Nachfolger - Foto: über boerse-global.de
Unternehmensübergabe: 114.000 Betriebe suchen jährlich Nachfolger - Foto: über boerse-global.de

Der Generationenwechsel im deutschen Mittelstand droht zur Existenzfrage zu werden. Rund 114.000 Unternehmen stehen jährlich vor der Schließung.

Brandenburgs Ministerpräsident Woidke und Bundeskanzler Merz diskutieren seit heute in Bad Saarow beim Ostdeutschen Wirtschaftsforum (OWF) über die drängendsten Reformfragen. Bis zum 2. Juni suchen Spitzenpolitiker und Wirtschaftsvertreter nach Lösungen für die geopolitischen Krisenfolgen – und vor allem für ein Problem, das die gesamte deutsche Wirtschaftsstruktur betrifft: Wer übernimmt die Betriebe, wenn die Gründer gehen?

Demografischer Kollaps droht

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Die Zahlen sind alarmierend. Bis Ende 2029 müssen jährlich etwa 114.000 Unternehmen einen Nachfolger finden. 109.000 dieser Firmen suchen aktiv – doch die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wächst. Das IfM Bonn prognostiziert, dass bis 2030 insgesamt 186.000 Übergaben nötig sein werden, um die aktuelle Wirtschaftsstruktur zu erhalten.

Der Hauptgrund liegt auf der Hand: 57 Prozent der aktuellen Inhaber sind älter als 55 Jahre. Hinzu kommen finanzielle Hürden. Der durchschnittliche Kaufpreis für einen mittelständischen Betrieb liegt bei 499.000 Euro – ein Anstieg von 34 Prozent seit 2019. Vier von zehn Unternehmen klagen zudem über Fachkräftemangel, der die Übergabe zusätzlich erschwert.

Beratungsoffensive im Juni

Mehrere Kammern haben für Juni 2026 eine Reihe von Beratungsangeboten gestartet. Die IHK Heilbronn-Franken veranstaltet vom 15. bis 19. Juni eine Webinar-Reihe unter dem Titel „Fortsetzung folgt". Themen sind Unternehmensbewertung, rechtliche Rahmenbedingungen und steuerliche Fallstricke.

Weitere Termine:

  • 12. Juni: Krisenprävention und Resilienz – ein Webinar der IHK Lüneburg-Wolfsburg
  • 18. Juni: Abendveranstaltung in Bad Fallingbostel zu den emotionalen und finanziellen Aspekten des Loslassens
  • 25. Juni: „SpeednetWalking" in Kelheim für Erfahrungsaustausch unter Nachfolgern

Experten betonen: Eine erfolgreiche Übergabe ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein langfristiger Prozess. Wer sein Unternehmen „übergabereif" machen will, sollte internes Wissen dokumentieren, Kundenbeziehungen diversifizieren und Prozesse formalisieren.

Neue Finanzierungsmodelle entstehen

Um die Finanzierungslücke zu schließen, entstehen neue Akteure. In Hannover wurde die Deutsche Mittelstandsholding für Industriebeteiligungen (DMH) mit einem Kapital von 150 Millionen Euro gegründet. Zusammen mit der NORD Holding stehen insgesamt 300 Millionen Euro für Industriebeteiligungen und Unternehmensnachfolgen bereit. Der Fokus liegt auf Finanzierungen von Übergaben und Ausgliederungen von Unternehmensteilen.

Der M&A-Markt blieb im ersten Halbjahr 2026 stabil, doch geopolitische Faktoren und Finanzierungsbedingungen setzen die Transaktionen unter Druck. Der EuroMinds Future Summit Ende Juni in Hamburg wird diese Dynamiken weiter analysieren.

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Die rechtliche Falle für Familienunternehmen

Besonders tückisch ist die Rechtslage bei familieninternen Übergaben. Pflichtteilsansprüche von Geschwistern, die nicht am Unternehmen beteiligt sind, können zur unmittelbaren Liquiditätsfalle werden. Denn diese Ansprüche sind Barforderungen – basierend auf dem vollen Marktwert der Firma.

Ein Beispiel: Bei einem Unternehmen mit 15 Millionen Euro Marktwert könnten sofortige Forderungen zwischen 1,9 und 3,75 Millionen Euro entstehen. Da die Erbschaftsteuerbefreiungen des deutschen Steuerrechts nicht für das Pflichtteilsrecht gelten, empfehlen Berater drei Strategien: formelle Pflichtteilsverzichte, vorzeitige Vermögensübertragungen oder die Gründung einer Familienholding zur Sicherung der Betriebskontinuität.

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