US-China-Zollstreit, Xi Jinping in Washington

US-China-Zölle: Washington verschiebt Zusatzzölle bis Januar

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 02:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die USA verschieben zusĂ€tzliche Zölle auf chinesische Waren nach Angaben von Finanzminister Scott Bessent bis zum 10. Januar. Die VerlĂ€ngerung fĂ€llt mit dem dreitĂ€gigen Staatsbesuch von Chinas PrĂ€sident Xi Jinping in Washington zusammen und soll Zeit fĂŒr weitere Verhandlungen schaffen.

Bessent gibt Aufschub fĂŒr Zölle gegen China bekannt. (Archivbild) - Bild: Bai Xueqi/XinHua/dpa
Bessent gibt Aufschub fĂŒr Zölle gegen China bekannt. (Archivbild) - Bild: Bai Xueqi/XinHua/dpa

Die USA verschieben die bis November ausgesetzten zusÀtzlichen Zölle auf chinesische Waren um weitere zwei Monate bis zum 10. Januar.

Aufschub zum Auftakt des Staatsbesuchs

Das sagte US-Finanzminister Scott Bessent am Mittwoch (Ortszeit) dem Sender Fox News zu Beginn des dreitÀgigen Staatsbesuchs des chinesischen PrÀsidenten Xi Jinping in Washington. Vereinbart worden sei eine VerlÀngerung des sogenannten Busan-Abkommens, sagte Bessent.

US-PrĂ€sident Donald Trump und Xi hatten im sĂŒdkoreanischen Busan im vergangenen Oktober ein Aussetzen hoher zusĂ€tzlicher Zölle vereinbart. Die bisherige Regelung wĂ€re am 10. November ausgelaufen.

Zeit fĂŒr weitere GesprĂ€che

Der neue Aufschub solle mehr Zeit fĂŒr GesprĂ€che ĂŒber wirtschaftliche Möglichkeiten schaffen, erklĂ€rte Bessent. Der Einigung seien mehrere Treffen mit Chinas Vizepremier He Lifeng vorausgegangen. Die chinesische Seite Ă€ußerte sich zunĂ€chst nicht zu der AnkĂŒndigung.

WĂ€re die Vereinbarung ausgelaufen, hĂ€tte China nach Darstellung der US-Regierung zudem Exportkontrollen auf seltene Erden ausgeweitet. Diese Rohstoffe sind fĂŒr zahlreiche Industrien wichtig; die seit April 2025 geltenden Kontrollen betreffen auch Unternehmen in Europa.

Handelskonflikt eskalierte 2025

Der Zollstreit zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften der Welt war im April 2025 eskaliert. Die USA erhöhten ihre Einfuhrzölle auf chinesische Waren schrittweise auf bis zu 145 Prozent, China reagierte mit Gegenzöllen von bis zu 125 Prozent und Exportkontrollen auf strategisch wichtige Rohstoffe.

Im Mai einigten sich beide Seiten in Genf auf eine zunĂ€chst 90-tĂ€gige Aussetzung. Bei weiteren Treffen verlĂ€ngerten sie die Pause. Der nun angekĂŒndigte Aufschub setzt diese Linie fort, löst die grundlegenden Konflikte aber nicht.

Streit um Chips und seltene Erden

Im Mittelpunkt stehen neben den Zöllen US-Exportkontrollen fĂŒr Halbleiter und Chips zur Entwicklung kĂŒnstlicher Intelligenz. Peking kritisiert diese BeschrĂ€nkungen. Washington wirft China im Gegenzug vor, seltene Erden gezielt zurĂŒckzuhalten.

FĂŒr die Ausfuhr der Rohstoffe benötigen auslĂ€ndische Unternehmen Genehmigungen des chinesischen Handelsministeriums. Handelskammern bewerten das Verfahren als aufwendig und undurchsichtig, da detaillierte Angaben zur Verwendung verlangt wĂŒrden und Lizenzen teils ohne BegrĂŒndung ausblieben.

China begrĂŒndet die Kontrollen offiziell damit, die militĂ€rische Nutzung seltener Erden verhindern zu wollen. Die USA kritisierten bereits vor dem Staatsbesuch, China halte seine Zusage zu zuverlĂ€ssigeren Lieferungen nicht ein.

VerlÀngerung hÀlt den Handelsstreit offen

Der angekĂŒndigte Aufschub bis zum 10. Januar verlĂ€ngert die seit 2025 bestehende Zwischenlösung zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften. Er verhindert kurzfristig eine RĂŒckkehr zu den besonders hohen zusĂ€tzlichen Zöllen, ersetzt aber kein dauerhaftes Handelsabkommen. Die Aussetzung verschafft Washington und Peking Zeit fĂŒr weitere GesprĂ€che ĂŒber Zölle, Marktzugang und nichttarifĂ€re Handelshemmnisse.

Der Konflikt reicht inzwischen deutlich ĂŒber klassische Handelsfragen hinaus. Die USA begrenzen den Zugang Chinas zu fortgeschrittenen Chips und Technologie fĂŒr kĂŒnstliche Intelligenz; China kontrolliert die Ausfuhr seltener Erden und darauf basierender Magnete. Damit verknĂŒpfen beide Seiten Handel, wirtschaftliche Sicherheit und technologische FĂŒhrungsansprĂŒche. Ein begrenzter Zollkompromiss dĂŒrfte diese grundlegenden GegensĂ€tze daher nicht beseitigen.

Folgen fĂŒr Europa und deutsche Unternehmen

FĂŒr europĂ€ische Unternehmen ist vor allem der Zugang zu seltenen Erden relevant, die unter anderem fĂŒr Elektromotoren, Elektronik und industrielle Anlagen benötigt werden. Verzögerungen bei Genehmigungen können Lieferketten verteuern oder verlĂ€ngern. Zugleich besteht bei einer dauerhaften Entspannung das Risiko, dass chinesische Waren stĂ€rker auf den europĂ€ischen Markt gelenkt werden, wenn der Zugang zum US-Markt begrenzt bleibt.

Der Washingtoner Gipfel setzt deshalb auch die EuropĂ€ische Union unter Druck. BrĂŒssel muss einerseits verlĂ€ssliche Rohstofflieferungen sichern und andererseits eigene AbhĂ€ngigkeiten bei kritischen Materialien und Zukunftstechnologien verringern. FĂŒr Verbraucher und Betriebe bleibt entscheidend, ob aus der verlĂ€ngerten Zollpause konkrete Vereinbarungen entstehen oder lediglich eine weitere Frist im strategischen Wettbewerb.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Xi in den USA: Trump und Chinas Staatschef vor schwierigen GesprĂ€chen“ (23.09.2026)

Der Bericht bestĂ€tige, dass der Besuch von erheblichen GegensĂ€tzen bei seltenen Erden, Halbleitern, kĂŒnstlicher Intelligenz und Handel geprĂ€gt sei. Er hebe zugleich hervor, beide Seiten hĂ€tten zuletzt ĂŒber Regeln fĂŒr nicht essenzielle GĂŒter und einen Krisenkanal fĂŒr KI gesprochen; offen bleibe, ob daraus eine dauerhafte Stabilisierung entstehen könne.

Euronews: „Gipfel Trump–Xi: Warum fĂŒr Europa so viel auf dem Spiel steht“ (23.09.2026)

Der Artikel bestĂ€tige die zentrale Bedeutung von Zöllen und seltenen Erden, setze den Schwerpunkt aber auf die Folgen fĂŒr Europa. Er schreibe, die EU sei bei kritischen Rohstoffen und einem möglichen KI-Krisenkanal nur begrenzt eingebunden; zugleich bleibe offen, ob Washington und Peking ihre VerstĂ€ndigung auf Handel beschrĂ€nkten oder daraus auch technologische ZugestĂ€ndnisse entstĂŒnden.

Beide Berichte stellten die VerlĂ€ngerung der Handelsruhe als kurzfristige Stabilisierung dar, betonten jedoch, die Konflikte um Technologie, Rohstoffe und geopolitische Einflusszonen bestĂŒnden fort. Unterschiedlich gewichtet wĂŒrden vor allem die unmittelbaren Folgen fĂŒr Europa und die Frage, ob der Gipfel ĂŒber eine weitere Frist hinausgehende Vereinbarungen hervorbringe.

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