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US Cloud Act: 78% der Firmen fürchten zu hohe Abhängigkeit

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 15:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission hat das Bieterverfahren für bis zu sieben KI-Gigafabriken eröffnet. Das Projektvolumen liegt bei über 30 Milliarden Euro, wobei 10 Milliarden aus öffentlichen Mitteln stammen.

EU-Kommission startet Bieterverfahren fĂĽr KI-Gigafabriken mit 30-Milliarden-Euro-Volumen
Moderne Serverräume in einem europäischen Rechenzentrum als Symbol für digitale Souveränität und Cloud-Infrastruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die EU-Kommission treibt den Aufbau unabhängiger KI-Infrastrukturen voran. Bis zu sieben KI-Gigafabriken sollen entstehen.

Milliarden für europäische KI-Gigafabriken

Am 30. Juli 2026 eröffnete die EU-Kommission das Bieterverfahren für den Bau von bis zu sieben KI-Gigafabriken. Das Gesamtvolumen: über 30 Milliarden Euro. Davon kommen 10 Milliarden aus öffentlichen Mitteln, mindestens 20 Milliarden sollen private Investoren beisteuern. Die Koordination übernimmt das EuroHPC JU, die Hardware liefern unter anderem AMD, Nvidia und Qualcomm.

Für die erste Runde haben sich bereits Konsortien formiert. Standorte sind in Dänemark, Tschechien, Finnland, Frankreich und Polen vorgesehen. Deutschland folgt voraussichtlich in der zweiten Runde – die Telekom, Ionos und Schwarz Digits haben bereits Interesse signalisiert. Das Ziel: europäische Hochleistungsrechenzentren als Basis für künftige KI-Modelle.

Digitalminister Karsten Wildberger betonte Anfang August die Notwendigkeit eines eigenständigen europäischen Frontier-Modells. Der globale Wettbewerb verschärft sich – zuletzt schlossen auch chinesische Start-ups mit leistungsfähigen Systemen auf.

SicherheitslĂĽcke in Azure Cosmos DB aufgedeckt

Neue Nahrung erhielt die Debatte um zentralisierte Cloud-Strukturen am 30. Juli: Sicherheitsforscher von Wiz machten eine kritische Schwachstelle in Microsofts Azure Cosmos DB öffentlich. Der als „CosmosEscape“ bezeichnete Masterkey hätte theoretisch Zugriff auf Datenbanken über alle Regionen hinweg ermöglicht.

Microsoft schloss die LĂĽcke nach Angaben der Forscher innerhalb von 48 Stunden. Da der Dienst auch fĂĽr Teams und Copilot genutzt wird, raten Experten betroffenen Unternehmen zu einer PrĂĽfung nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO).

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Parallel bleibt der US Cloud Act von 2018 ein zentrales Compliance-Risiko. Das Gesetz erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten, die von US-Unternehmen verwaltet werden – unabhängig vom physischen Speicherort. Branchenanalysten betonen: Ein Serverstandort in Europa bietet keinen ausreichenden Schutz vor extraterritorialen Zugriffen. Laut Bitkom halten 78 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern für zu hoch.

Europäische Anbieter positionieren sich

Marktbeobachter von Forrester sehen einen klaren Trend: Organisationen integrieren Souveränitätsanforderungen inzwischen von Beginn an in ihre Technologieprojekte. Gartner prognostiziert, dass sich die europäischen Ausgaben für souveräne Cloud-Lösungen bis 2027 verdreifachen. Für 2026 schätzt das Beratungshaus die weltweiten Ausgaben in diesem Segment auf rund 80 Milliarden US-Dollar.

Secunet und Cloudflare kündigten am 31. Juli gemeinsame Cloud-Angebote an. Sie sollen ein europäisches Betriebsmodell nutzen und die Kriterien des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erfüllen.

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Das Schweizer Unternehmen Infomaniak geht einen anderen Weg: Seit Mai 2026 wird es durch eine gemeinnützige Stiftung kontrolliert, um die langfristige Eigenständigkeit zu sichern. Neben Datenschutz nach Schweizer und EU-Recht setzen solche Anbieter verstärkt auf Nachhaltigkeit – ein neues Rechenzentrum von Infomaniak versorgt über seine Abwärme 6000 Haushalte.

DORA und NIS2 erhöhen den Druck

Der regulatorische Rahmen für Cloud-Nutzung hat sich deutlich verschärft. Seit Oktober 2024 verlangt die NIS2-Richtlinie verstärkte Sicherheit in der Lieferkette. Die DORA-Verordnung fordert seit Januar 2025 von Finanzinstituten detaillierte Exit-Pläne für kritische IT-Dienstleister. Auditoren prüfen zunehmend, ob Unternehmen Datenportabilität gewährleisten und Risikobewertungen für Drittstaaten-Zugriffe durchführen.

Dennoch bleiben Defizite. Eine Thales-Studie zeigt: Nur 47 Prozent der sensiblen Daten in der Cloud sind verschlüsselt. Der Fachkräftemangel verschärft die Lage zusätzlich. PwC schätzt, dass im öffentlichen Sektor bis 2030 bis zu eine Million IT-Stellen unbesetzt bleiben könnten – das erschwert die Umsetzung komplexer Souveränitätsstrategien erheblich.

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