ROUNDUPFernduell, US-Grenze

Biden und Trump machen Wahlkampf zu Migration

01.03.2024 - 06:35:05 | dpa.de

US-PrĂ€sident Joe Biden und sein AmtsvorgĂ€nger Donald Trump haben mit getrennten Auftritten an der SĂŒdgrenze zu Mexiko versucht, im Wahlkampf beim innenpolitisch wichtigen Thema Migration zu punkten.

Trump reiste am Donnerstag (Ortszeit) nach Eagle Pass im Bundesstaat Texas und warf Biden dort Totalversagen bei der Migrationspolitik vor. Der Demokrat sei schuld, dass das Land von illegal eingewanderten Migranten ĂŒberrannt werde, sagte der republikanische PrĂ€sidentschaftsbewerber. "Er zerstört unser Land." Biden wiederum rĂ€umte mehrere Hundert Kilometer entfernt in Brownsville in Texas ein, die Lage an der Grenze sei schwierig. Er warf jedoch Trumps Republikanern vor, im Kongress zusĂ€tzliche Ressourcen zur Grenzsicherung zu blockieren - und rief zur Zusammenarbeit beider Parteien auf.

Die Probleme im Land

Die Zahl der Menschen, die auf illegalem Weg in die USA kommen, ist seit Jahren hoch. WĂ€hrend Bidens Amtszeit wurden zwei Jahre in Folge jeweils rund 2,4 Millionen illegale GrenzĂŒbertritte registriert. TĂ€glich kommen Tausende Menschen in die USA, mehrheitlich aus Mittel- und Lateinamerika, weil sie vor Armut und Konflikten in ihren HeimatlĂ€ndern fliehen. Im vergangenen Dezember meldete die US-Grenzschutzbehörde mehr als 300 000 Festnahmen - so viele wie nie zuvor innerhalb eines Monats.

Die Behörden stehen unter Druck. Das Justizsystem kommt bei der Bearbeitung der Asylgesuche kaum hinterher. Es fehlt außerdem an Unterbringungsmöglichkeiten und anderen Ressourcen fĂŒr die Ankömmlinge. Das ist inzwischen auch in Landesteilen fernab der Grenze spĂŒrbar - unter anderem, weil republikanische Gouverneure aus sĂŒdlichen Bundesstaaten wie Texas Migranten in Bussen von der Grenze in demokratisch regierte Teile der USA bringen lassen, als Protestaktion.

Die politischen Schuldzuweisungen

Der Umgang mit Migranten sorgt seit Jahren fĂŒr schweren politischen Streit zwischen Demokraten und Republikanern. Im laufenden PrĂ€sidentschaftswahlkampf spielt das Thema einmal mehr eine besonders große Rolle, weil es viele WĂ€hler umtreibt. Die Republikaner werfen Biden vor, angesichts der großen Zahl von Migranten die Kontrolle ĂŒber den Schutz der SĂŒdgrenze verloren zu haben.

Das war auch Trumps Tenor beim Besuch in der Grenzstadt Eagle Pass. Der 77-JĂ€hrige sprach von einer "Joe-Biden-Invasion" und wetterte, der Amtsinhaber lasse Abertausende Menschen ins Land, die in den USA dann Straftaten begingen. "Sie strömen in unser Land und bringen enorme Probleme mit sich", beklagte Trump. "Es ist schrecklich." Der Ex-PrĂ€sident listete EinzelfĂ€lle von brutalen Straftaten auf, die von Einwanderern begangen worden seien, und zeichnete das Zerrbild eines Amerikas, das vollkommen von brutalen Verbrechern aus feindlichen LĂ€ndern eingenommen werde. GrenzschĂŒtzer hĂ€tten quasi eine militĂ€rische Operation gegen irregulĂ€re Einwanderer zu fĂŒhren, sagte er weiter. "Das ist wie ein Krieg."

Auch der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, der sich seit Monaten heftige politische und juristische Auseinandersetzungen mit der Bundesregierung liefert, machte Biden schwere Vorhaltungen. Der PrĂ€sident habe ein "Desaster" zu verantworten und das Land in große Gefahr gestĂŒrzt. "Es vergeht keine Woche, in der nicht Amerikaner ihr Leben verlieren, weil sie von jemandem vergewaltigt oder angegriffen werden, dem Biden die illegale Einreise in unser Land erlaubt hat", behauptete der Hardliner und Trump-AnhĂ€nger.

Bidens Ansatz

Bei der PrĂ€sidentenwahl im November lĂ€uft es auf ein erneutes Duell zwischen Biden und Trump hinaus. Trump hatte sich wĂ€hrend seiner Amtszeit mit besonderer HĂ€rte gegenĂŒber Migranten hervorgetan und eine Abschottung der SĂŒdgrenze zur PrioritĂ€t gemacht. FĂŒr sein mögliches Comeback verspricht der Republikaner, er wolle erneut rigoros durchgreifen und unter anderem im großen Stil Menschen aus den USA abschieben.

Biden wiederum hatte bei seinem Amtsantritt 2021 einen Kurswechsel eingeleitet und viele Regelungen gelockert. Seine Regierung gab damals die Botschaft an Migranten aus: "Kommt nicht jetzt - lasst uns erst das kaputte System reparieren." Doch das System wurde nicht repariert und die Migranten kamen trotzdem. Die große Kehrtwende hin zu einer funktionierenden Einwanderungspolitik blieb aus.

Biden machte dafĂŒr die Republikaner im Kongress verantwortlich. Bei seinem Besuch an der Grenze beklagte er: "An meinem ersten Tag als PrĂ€sident habe ich einen Gesetzentwurf in den Kongress eingebracht, der einen umfassenden Plan zur Behebung des kaputten Einwanderungssystems und zur Sicherung der Grenze enthĂ€lt. Aber es wurde nichts unternommen." Auch einen zuletzt zwischen einer Gruppe von Demokraten und Republikanern geschlossenen Deal zur besseren Ausstattung des US-Grenzschutzes hĂ€tten Teile der Republikanischen Partei platzen lassen. "Es ist Zeit zu handeln", mahnte der 81-JĂ€hrige. "Wir mĂŒssen mehr tun."

Bidens ausgestreckte Hand - und eine Mahnung

Der Demokrat, der bei der PrĂ€sidentenwahl im November fĂŒr eine zweite Amtszeit antreten will, rief zu Kompromissbereitschaft und Überparteilichkeit auf. An Trump gerichtet sagte Biden: "Anstatt politische Spiele zu spielen mit dem Thema, sollten wir uns zusammentun und die Sache zu Ende bringen."

Der BĂŒrgermeister der Grenzstadt Brownville, John Cowen, hieß den PrĂ€sidenten zwar herzlich willkommen, gab ihm aber auch eine mahnende Botschaft mit. "Wir alle hier sind ĂŒberlastet und unterbesetzt", sagte er. "In Brownsville haben wir seit 2021 mehr als 240 000 Migranten unterstĂŒtzt. Unsere Bevölkerung liegt knapp unter 200 000." Alle Grenzorte brĂ€uchten mehr Hilfe. "Wir können es uns nicht leisten zu warten."

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