Varta-Krise, Jobs

Varta-Krise: 350 Jobs in Nördlingen fallen bis Oktober weg

Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 01:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Gläubigerkonsortium plant die Übernahme der profitablen Haushaltsbatterien-Sparte von Varta. Der Restkonzern soll unter Michael Tojner weitergeführt werden.

Varta-Zerschlagung: Gläubiger übernehmen profitable Sparte
Modernes Batteriewerk mit Produktionsstraße, das die industrielle Umstrukturierung bei Varta symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der angeschlagene Batteriehersteller Varta zerbricht. Ein Gläubigerkonsortium plant die Übernahme der profitablen Haushaltsbatterien-Sparte. Der Restkonzern soll unter dem bisherigen Eigentümer Michael Tojner weitergeführt werden.

Gläubiger greifen zu

Ein Bündnis aus Finanzgläubigern – darunter die Deutsche Bank, RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox – will die Consumer-Batteries-Sparte übernehmen. Der Plan: ein Debt-to-Equity-Swap. Dabei wandeln sie ihre Forderungen in Eigenkapital um.

Die Verbindlichkeiten von Varta liegen bei rund 298 Millionen Euro. Ein Gutachten taxiert den Wert der Consumer-Sparte auf etwa 240 Millionen Euro. Ein Angebot der Allswiss-Gruppe zur vollständigen Rückzahlung der Schulden stuften die Gläubiger als nicht ausreichend belastbar ein.

Dabei ist die Haushaltsbatterien-Sparte der profitabelste Teil des Konzerns. 2024 erzielte sie einen Umsatz von 363,5 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis von 60,5 Millionen Euro.

Die finanzielle Misere

Die Zahlen zeigen das ganze Ausmaß der Krise. 2024 fuhr Varta bei einem Gesamtumsatz von 790 Millionen Euro einen Verlust von 64,5 Millionen Euro ein. Der kurzfristige Liquiditätsbedarf liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Andere Schätzungen sprechen sogar von über 110 Millionen Euro.

Schon im April 2025 hatte Varta ein Sanierungsverfahren nach dem StaRUG abgeschlossen. Die damaligen Maßnahmen reichten nicht. Der Börsenwert des Unternehmens brach massiv ein – von zeitweise über sechs Milliarden Euro im Jahr 2021 auf einen Bruchteil.

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Apple kündigt Verträge

Der Rückzug wichtiger Großkunden verschärfte die Krise. Im Mai 2026 kündigte Apple bestehende Lieferverträge für Knopfzellen – unter anderem für AirPods. Die Folge: Das Werk in Nördlingen mit rund 350 Mitarbeitern steht vor dem Aus. Die Schließung ist für Oktober 2026 geplant.

Die IG Metall spricht von einer Katastrophe und kritisiert die mangelnde Transparenz gegenüber der Belegschaft. Auch politisch gibt es Aufruhr: Varta hatte in der Vergangenheit Fördermittel in Höhe von rund 300 Millionen Euro erhalten. Abgeordnete fordern nun eine Prüfung des unternehmerischen Managements.

Was vom Konzern bleibt

Während die Haushaltsbatterien an die Gläubiger gehen, will Michael Tojner die verbleibenden Bereiche Microbattery und Solutions fortführen. Sie sollen künftig in spezialisierten Nischen positioniert werden.

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Kapitalerhöhungen durch bestehende Stakeholder oder Partner wie Porsche zeichnen sich nicht ab. Varta hatte zwar innovative Technologien wie die Natrium-Ionen-Zelle entwickelt. Doch die Mittel für eine Serienfertigung fehlten.

Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 4.000 Mitarbeiter, davon etwa 3.000 in Deutschland. Ihre Zukunft ist durch die Zerschlagung in weiten Teilen ungewiss.

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