Energieinfrastruktur, Offshore-Windpark

Vattenfall-Sicherheit: Deutschlandchef fordert klarere ZustĂ€ndigkeiten fĂŒr Schutz der Energie-Infrastruktur

Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski verlangt angesichts einer verĂ€nderten Bedrohungslage klarere staatliche ZustĂ€ndigkeiten fĂŒr den Schutz der Energie-Infrastruktur. Hintergrund sind unter anderem russische AktivitĂ€ten in Nord- und Ostsee sowie die Bedeutung großer Offshore-Windprojekte fĂŒr die Versorgungssicherheit.

Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski macht sich Gedanken ĂŒber die Sicherheit der Energie-Infrastruktur in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa
Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski macht sich Gedanken ĂŒber die Sicherheit der Energie-Infrastruktur in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Christoph Soeder/dpa

Vattenfall-Deutschlandchef Robert Zurawski sieht angesichts geopolitischer Konflikte eine verĂ€nderte Bedrohungslage fĂŒr die Energie-Infrastruktur und fordert mehr UnterstĂŒtzung durch die Politik.

Vattenfall investiert in Schutz der eigenen Standorte

Zurawski erklĂ€rte, das Unternehmen habe seine Sicherheitsmaßnahmen deutlich ausgeweitet. Vattenfall investiere nach seinen Worten sowohl in die IT-Sicherheit als auch in den Schutz der physischen Standorte, einschließlich der Offshore-Anlagen. Die verĂ€nderte Lage erfordere, dass der Konzern seine Aufgaben ernst nehme und eigenstĂ€ndig fĂŒr robuste Schutzvorkehrungen sorge.

Zugleich machte Zurawski klar, dass Unternehmen allein die Sicherheit nicht gewĂ€hrleisten könnten. Er verwies darauf, dass die Verantwortung des Konzerns an den Grenzen der eigenen Standorte ende und darĂŒber hinaus geklĂ€rt werden mĂŒsse, welche staatlichen Stellen zustĂ€ndig seien.

Forderung nach klaren ZustÀndigkeiten des Staates

Der Vattenfall-Manager drĂ€ngte auf eine eindeutige Regelung, wer außerhalb der FirmengelĂ€nde fĂŒr den Schutz der Energie-Infrastruktur verantwortlich ist. Die Frage, wer jenseits des Werkszauns eingreife, mĂŒsse nach seiner Auffassung verbindlich beantwortet werden. Aus seiner Sicht mĂŒsse der Staat stĂ€rker in die Pflicht genommen werden.

Zurawski schlug vor, dass Unternehmen und öffentliche Akteure gemeinsam konkrete Sicherheitsfragen beraten. Er plĂ€dierte dafĂŒr, alle beteiligten Stellen an einen Tisch zu bringen, um ZustĂ€ndigkeiten und Maßnahmen zu definieren.

Großprojekt Nordlicht vor der KĂŒste Borkums

Vattenfall arbeitet derzeit rund 85 Kilometer vor der Nordseeinsel Borkum an dem Offshore-Windprojekt Nordlicht. Geplant sind dort die beiden Windparks Nordlicht I und Nordlicht II, die zusammen auf eine Leistung von mehr als 1,6 Gigawatt kommen sollen. Die Anlagen sollen einen spĂŒrbaren Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland leisten.

Mit Projekten dieser GrĂ¶ĂŸenordnung wĂ€chst nach Unternehmensangaben die Bedeutung verlĂ€sslicher Rahmenbedingungen fĂŒr Sicherheit und Kooperation zwischen staatlichen Stellen und privaten Betreibern.

Gestiegene Risiken in Nord- und Ostsee

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 sehen europÀische Staaten eine deutlich erhöhte Bedrohungslage in Nord- und Ostsee. Recherchen skandinavischer Medien haben in den vergangenen Jahren Hinweise verdichtet, dass Russland unter anderem Forschungsschiffe einsetzt, um kritische Infrastruktur in den nordeuropÀischen GewÀssern auszuspionieren.

Unter kritischer Infrastruktur werden Lebens- und Versorgungsbereiche verstanden, deren Ausfall oder BeeintrÀchtigung weitreichende Folgen hÀtte. Dazu zÀhlen etwa Energieversorgung, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Transport und Verkehr.

Nato-Überwachung und russische Schattenflotte

Die Nato hat ihre PrĂ€senz in der Ostsee verstĂ€rkt und patrouilliert dort auch mit Beteiligung der Bundeswehr. Im Mittelpunkt steht dabei unter anderem die sogenannte russische Schattenflotte, hĂ€ufig Ă€ltere Öltanker, mit denen nach Angaben westlicher Staaten Sanktionen umgangen werden.

Im Zusammenhang mit dieser Schattenflotte geht es auch um mögliche Sabotageakte. Dabei geraten vor allem am Meeresgrund verlegte Datenkabel und Stromleitungen in den Fokus, die bereits beschÀdigt wurden und als besonders gefÀhrdet gelten.

VerschÀrfte Sicherheitsdebatte um Energie-Infrastruktur

Die Hinweise auf Sabotageakte gegen Unterwasser-Infrastruktur in Nord- und Ostsee haben die politische Debatte ĂŒber den Schutz kritischer Anlagen deutlich intensiviert. Unterseekabel, Pipelines und Offshore-Windparks gelten als besonders verwundbar, weil sie in großer rĂ€umlicher Ausdehnung und meist fern der KĂŒste verlaufen. Vattenfall reiht sich mit der Forderung nach klaren ZustĂ€ndigkeiten in eine wachsende Zahl von Unternehmen ein, die einen stĂ€rkeren staatlichen Rahmen fĂŒr PrĂ€vention, Überwachung und Krisenreaktion erwarten.

Nordlicht als Symbolprojekt der Energiewende

Das Offshore-Windprojekt Nordlicht mit den geplanten Windparks Nordlicht I und II steht exemplarisch fĂŒr den Ausbau der erneuerbaren Energien, von denen die Stromversorgung der kommenden Jahre wesentlich abhĂ€ngen wird. Mit mehr als 1,6 Gigawatt geplanter Leistung geht es nicht nur um ein einzelnes Industrievorhaben, sondern um ein Vorzeigeprojekt der Energiewende mit entsprechender systemischer Bedeutung. Je stĂ€rker solche Anlagen zur Grundversorgung beitragen, desto grĂ¶ĂŸer ist ihr Gewicht im sicherheitspolitischen KalkĂŒl von Staat und Unternehmen.

Gemeinsame Verantwortung von Staat und Unternehmen

Die von Vattenfall eingeforderte Klarheit bei ZustĂ€ndigkeiten verweist auf die Schnittstelle zwischen betrieblicher Sicherheit und staatlicher Gefahrenabwehr. Unternehmen können physische und digitale Schutzmaßnahmen an ihren Standorten ausbauen, doch Bedrohungen durch fremde Staaten, Schattenflotten oder militĂ€rische Drohnen berĂŒhren die Kompetenzen von Sicherheitsbehörden und BĂŒndnispartnern. FĂŒr Leserinnen und Leser bedeutet dies, dass Fragen der Energieversorgung zunehmend auch sicherheitspolitische Dimensionen haben und Entscheidungen ĂŒber Schutzkonzepte und Kostenverteilung in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen dĂŒrften.

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