Vergütungstransparenz: CEO-Gehälter in der Schweiz um 29% gestiegen
23.06.2026 - 15:28:34 | boerse-global.de
Die Schweizer Stiftung Ethos hat die Generalversammlungssaison 2026 unter die Lupe genommen – und zeigt sich unzufrieden. Trotz hoher Zustimmungsraten zu Verwaltungsratsanträgen sieht die Organisation großen Nachholbedarf bei Vergütungstransparenz, Klimazielen und Diversität.
Vergütungsberichte: Weniger Zustimmung, höhere Gehälter
Die Analyse von 172 Generalversammlungen aus dem Swiss Performance Index (SPI) zeigt ein klares Bild: Die durchschnittliche Zustimmung zu Verwaltungsratsanträgen lag bei 95 Prozent. Doch die Vergütungsberichte erhielten nur 87,5 Prozent der Stimmen. Besonders krass fiel die Ablehnung bei der SIG Group aus – dort stimmten 35 Prozent der Aktionäre gegen den Vergütungsbericht.
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Der Hauptkritikpunkt: die explodierenden Gehälter der SMI-Konzerne. Seit 2020 stiegen die CEO-Vergütungen um 29 Prozent auf durchschnittlich 8,4 Millionen CHF. Acht Vorstandsvorsitzende kassierten über 10 Millionen. Die Spitzenreiter: Galderma (17,5 Millionen), Partners Group (16,9 Millionen) und UBS (14,9 Millionen).
Klimaziele: Externe Prüfung bleibt Mangelware
Ein weiteres Problemfeld: die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Die Zustimmung sank von 97,4 Prozent (2024) auf 93,9 Prozent. Ethos kritisiert vor allem die Qualität. Ganze 53 von 129 untersuchten Unternehmen lassen ihre Nachhaltigkeitsberichte nicht extern prüfen.
Noch gravierender: Acht SMI-Unternehmen haben immer noch keine validierten Klimaziele. Ethos macht deutlich: „Die bloße Selbstregulierung der Wirtschaft reicht nicht aus."
Diversität: Licht und Schatten
Der Frauenanteil in den Verwaltungsräten steigt – aber langsam. Immerhin erreichen 59,2 Prozent der SPI-Unternehmen die 30-Prozent-Marke. Doch 22 Firmen haben im Jahr 2026 noch immer keine einzige Frau im Aufsichtsgremium.
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Konzernverantwortung: Kritik an hohen Hürden
Parallel zur Saisonbilanz äußerten Ethos und das Initiativkomitee der Konzernverantwortungsinitiative scharfe Kritik am Gegenvorschlag des Bundesrats. Ihre Forderung: Die Schweizer Gesetzgebung müsse sich enger am EU-Recht orientieren – ohne bestehende Sorgfaltspflichten aufzuweichen.
Der Knackpunkt: die Schwellenwerte. Unternehmen sollen erst ab 5.000 Beschäftigten und 1,5 Milliarden CHF Umsatz erfasst werden. Die konkrete Folge: Im Rohstoffsektor würden gerade mal 6 von 975 Händlern unter die neuen Regeln fallen. Gefordert wird daher eine deutliche Absenkung der Schwellenwerte, der Einbezug der gesamten Wertschöpfungskette sowie Informations- und Beschwerderechte für Betroffene.
