Verhaltensblitzer in Frankreich: Ausbau auf 1.700 Anlagen bis 2028 geplant
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Verkehrsüberwachung auf europäischen Straßen wandelt sich grundlegend. Moderne Multifunktions-Systeme erfassen längst nicht mehr nur reine Geschwindigkeitsüberschreitungen. Durch hochauflösende Kameratechnik und automatisierte Bildauswertung geraten zunehmend Verstöße im Fahrzeuginnenraum in den Fokus der Behörden.
Medienberichten zufolge setzen mehrere europäische Länder verstärkt auf diese Technologie, um Fehlverhalten wie unerlaubte Handynutzung oder fehlende Sicherheitsgurte systematisch zu ahnden.
Frankreich baut Netz an Verhaltensblitzern aus
In Frankreich kommen sogenannte Verhaltensblitzer (radars comportementaux) zum Einsatz. Diese Systeme sind darauf ausgelegt, neben Abstandsverstößen auch die Nutzung von Mobiltelefonen am Steuer sowie das Nichtanlegen des Sicherheitsgurtes automatisiert zu erkennen.
Bei festgestellten Verstößen werden regulär ein Bußgeld von 135 Euro sowie Punkte fällig. Anfang Oktober 2026 wurde die Praxis weiter verschärft: Neben dem Bußgeld von 135 Euro und drei Punkten kann zusätzlich eine Führerschein-Suspendierung für einen Zeitraum von 15 Tagen bis zu sechs Monaten verhängt werden.
Die französische Infrastruktur für diese Kontrollen soll in den kommenden Jahren massiv erweitert werden. Geplant ist ein Ausbau von derzeit rund 600 auf 1.700 entsprechende Anlagen bis zum Jahr 2028.
Internationale Einsätze und technologische Kapazitäten
Auch andere europäische Staaten rüsten ihre Kontrolltechnik auf. In Polen und Tschechien befinden sich multifunktionale Überwachungsanlagen im Betrieb. Zum Einsatz kommt unter anderem das System Mesta Fusion RN des Herstellers Idemia. Die Anlage ist technisch in der Lage, bis zu 32 Fahrzeuge auf bis zu acht Fahrspuren gleichzeitig zu überwachen.
In Polen greifen die Behörden bei gravierenden Überschreitungen hart durch: Wer auf Land- und Nationalstraßen mehr als 50 km/h zu schnell fährt, muss mit dem sofortigen Entzug der Fahrerlaubnis rechnen. Behördenangaben zufolge wurden im Jahr 2025 über 72.000 Führerscheine eingezogen.
Wer regelmäßig durch Frankreich fährt, sollte wissen: Geplant ist ein Ausbau der Verhaltensblitzer von rund 600 auf 1.700 Anlagen bis 2028. Unser kostenloser Leitfaden zeigt in 3 Schritten, welche Länder Innenraum-Kameras einsetzen und welche Regeln für Handy und Gurt gelten. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Außerhalb der Europäischen Union verzeichnen Behörden ebenfalls deutliche Effekte durch Innenraumüberwachung. In Teilen des Vereinigten Königreichs – darunter Devon und Cornwall, Sussex sowie Greater Manchester – und in den USA werden Systeme des Anbieters Acusensus genutzt. Pilotprojekte wiesen sechs- bis neunfache Aufdeckungsraten auf. Zugleich wurde ein Rückgang von Handy- und Gurtverstößen um 50 bis 83 Prozent verzeichnet.
Rechtslage und Praxis in Deutschland
In Deutschland gestaltet sich der flächendeckende Einsatz komplexer Kamerasysteme zurückhaltender. Als technisches System existiert die aus den Niederlanden stammende MonoCam, die gezielt Mobiltelefonverstöße im fließenden Verkehr dokumentiert.
Bei einer Ahndung drohen in der Bundesrepublik 100 Euro Bußgeld sowie ein Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg. Rheinland-Pfalz setzt die MonoCam seit 2025 landesweit ein, eine bundesweite Rechtsgrundlage für den dauerhaften Einsatz existiert bislang jedoch nicht.
Rechtlich regelt Paragraph 23 Absatz 1a der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) die Rahmenbedingungen: Ein Gerät darf am Steuer nur bedient werden, wenn es weder aufgenommen noch gehalten wird. Zudem ist die Nutzung nur zulässig, wenn lediglich eine kurze Blickabwendung erfolgt oder Sprachsteuerungs- und Vorlesefunktionen genutzt werden.
Die Relevanz der Thematik spiegeln auch regionale Kontrollstatistiken wider. Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums wurden im Jahr 2025 in Sachsen knapp 9.300 Verstöße gegen das Handynutzungsverbot am Steuer festgestellt und geahndet.
Ablenkung im Fokus länderübergreifender Kontrollwochen
Dass die Kontrolle von Ablenkung am Steuer europaweit Priorität genießt, zeigt sich auch bei Schwerpunktaktionen wie der ROADPOL-Aktionswoche vom 5. bis 11. Oktober 2026. Im Rahmen dieser Kampagne verstärken etwa die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ihre Verkehrskontrollen.
Ein Handy am Steuer kann in Frankreich teuer werden: 135 Euro Bußgeld, drei Punkte und zusätzlich eine Führerschein-Suspendierung von 15 Tagen bis zu sechs Monaten. Unser kostenloser Leitfaden bündelt die Bußgeld- und Punkte-Tabelle für Frankreich, Polen und Deutschland. EU-Bußgeld-Tabelle jetzt sichern
Der Fokus liegt dabei auf der Ablenkung durch Mobiltelefone und Kopfhörer, wobei sich die Maßnahmen an sämtliche Verkehrsteilnehmer richten. Innenministerin Tamara Zieschang verwies in diesem Kontext darauf, dass auch unaufmerksame Fußgänger sich und andere im Straßenverkehr gefährden können.
