Vermögensteuer: Bovenschulte fordert jährlich ein Prozent von Superreichen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Angesichts geopolitischer Krisen und des wachsenden Reformdrucks auf die Bundesregierung hat der Bremer Regierungschef und Bundesratspräsident Andreas Bovenschulte (SPD) die Einführung einer Vermögensteuer für Superreiche gefordert.
Bovenschulte schlägt vor, dass Menschen in Deutschland mit einem Finanzvermögen von über 100 Millionen US-Dollar jährlich etwa ein Prozent Steuer zahlen sollen. Zur Begründung verwies der SPD-Politiker darauf, dass 5.000 Menschen in der Bundesrepublik ein Viertel des gesamten Finanzvermögens besitzen.
Widerstand aus der Union und Skepsis in der Koalition
Der Vorstoß stößt bei der Union auf deutliche Ablehnung. Gitta Connemann (CDU) warnte vor erheblichen Belastungen für Unternehmen, Innovationen und Arbeitsplätze durch eine solche Vermögensteuer. Auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) erteilte den Plänen eine Absage und lehnte neben einer Vermögensteuer zugleich höhere Erbschaftsteuern auf Betriebsvermögen ab.
Auf Koalitionsebene ist eine Vermögensteuer derzeit ebenfalls nicht vorgesehen: Zwar planen Union und SPD einen höheren Reichensteuersatz, die Wiedereinführung einer Vermögensteuer ist jedoch kein Bestandteil der gemeinsamen Vorhaben.
Zugleich formiert sich in Teilen der SPD nach den Landtagswahlen im Osten und in Berlin der Wunsch nach einem wirtschafts- und steuerpolitischen Kurswechsel. Der SPD-Vorstand beschloss, den Renteneintritt ab 63 unangetastet zu lassen, und wies soziale Kürzungen als Sozialabbau zurück.
In einem Positionspapier fordert die Partei unter anderem dauerhafte staatliche Preisdeckel für Sprit und Pflegekosten, die über höhere Unternehmenssteuern finanziert werden sollen, sowie die Nutzung millionenschwerer Erbschaften und Schenkungen für den Bildungsbereich. Zwar bekennt sich die SPD zur Koalition mit der Union, stellt den bisherigen Reformkurs jedoch offen infrage.
Kontroverse um Erbschaftsteuer und Verfassungsgerichtsverhandlung
Parallel zur Debatte um Privatvermögen warnte die Stiftung Familienunternehmen und Politik vor einer Erhöhung der Erbschaftsteuer. Nach einer Erhebung der Stiftung halten 30 Prozent der Nachfolger einen Unternehmensverkauf beim Generationswechsel für möglich, während dieser Wert im Jahr 2020 noch bei 14,4 Prozent lag.
Der Vorschlag, Finanzvermögen über 100 Millionen US-Dollar jährlich mit rund einem Prozent zu belasten, ist nicht beschlossen — Union und Wirtschaftsministerium lehnen ihn ab, in der Koalition ist er nicht vorgesehen. Wer dennoch Klarheit über die eigene Belastung will, findet in diesem Report Steuerlast-Szenarien und eine Nachfolge-Checkliste. Kostenlosen Steuer-Report anfordern
Stiftungsvorstand Rainer Kirchdörfer regte an, die Erbschaftsteuer abzuschaffen und stattdessen sehr hohen Konsum stärker zu belasten. Als Beispiel nannte er eine zusätzliche Luxussteuer von zehn Prozent neben der regulären Umsatzsteuer von 19 Prozent beim Erwerb eines Sportwagens für 150.000 Euro.
Zusätzliche Bewegung in das Thema Erbschaftsteuer könnte im Herbst kommen: Das Bundesverfassungsgericht verhandelt am 12. und 13. Oktober 2026 über das Gesetz, wobei die Urteile noch im Laufe des Jahres 2026 erwartet werden.
Zusätzlicher Steuerdruck auf Energiekonzerne gefordert
Neben den Abgaben auf große Vermögen stehen weitere Sondersteuern im Raum. Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) plädierte für eine nationale Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne, sollte auf europäischer Ebene keine Regelung zustande kommen.
Parallel zur Vermögensteuer-Debatte warnt die Stiftung Familienunternehmen vor höheren Erbschaftsteuern: 30 Prozent der Nachfolger halten einen Verkauf beim Generationswechsel für möglich, 2020 waren es 14,4 Prozent. Das Bundesverfassungsgericht verhandelt im Oktober 2026. Dieser Report bündelt die Handlungsoptionen für die Betriebsnachfolge. Checkliste Nachfolge- und Erbschaftsteuer sichern
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hatte zuvor eine europäische Übergewinnsteuer gefordert, war damit bei der EU-Kommission jedoch vorerst auf Ablehnung gestoßen. EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis hatte in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit verwiesen, nationale Maßnahmen zu ergreifen.
Lies übte zudem Kritik an der geltenden 12-Uhr-Regel an Tankstellen, da sie Preiserhöhungen zwar auf einen festen Tageszeitpunkt beschränke, ihren Zweck jedoch nicht erfüllt habe. Ob die Regelung abgeschafft werden soll, ließ er offen.
