Vernetzte, Schutzkleidung

Vernetzte Schutzkleidung: Quin-Sensoren sollen Stürze automatisch erkennen

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sensoren in Helmen, Schuhen und Kleidung sollen Stürze melden und Ersthelfern den Zugriff auf freiwillig hinterlegte Notfalldaten ermöglichen.
Ein leeres Stahlgerüst auf einer modernen Baustelle bei Dämmerung, das die industrielle Umgebung und Baustruktur zeigt. Illustration mit AI erstellt.

Auf der Messe „Arbeitsschutz aktuell“ in Stuttgart hat das schwedische Unternehmen Båstadgruppen im Herbst 2026 eine neue Generation vernetzter persönlicher Schutzausrüstung vorgestellt.

Durch die Integration von Quin-Sensortechnologie in Helme, Sicherheitsschuhe und Arbeitskleidung soll die Notfallerkennung und Rettungskette auf Baustellen und an industriellen Arbeitsplätzen beschleunigt werden. Die Notwendigkeit moderner Schutzkonzepte bleibt hoch: In Deutschland wurden 2024 rund 755.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle registriert.

Sensoren für Sturzerkennung und Rettungsdaten

Das System setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die Båstadgruppen in verschiedene Schutzausrüstungen integriert. Im Sicherheitshelm Guardio Armet Pro Connected sowie in den Sicherheitsschuhen Monitor ICE Evolution kommt der sogenannte Quin Pod zum Einsatz.

Diese Einheit misst kontinuierlich Beschleunigungs- sowie Rotationskräfte, erkennt schwere Stürze automatisch und alarmiert über ein gekoppeltes Smartphone samt GPS-Standort die Rettungskräfte innerhalb des kritischen ersten Zeitfensters nach einem Unfall.

Ergänzend dazu dient der sogenannte Quin Tag Ersthelfern dazu, unmittelbaren Zugriff auf eine hinterlegte Notfall-ID zu erhalten, die Angaben zu Vorerkrankungen oder der Blutgruppe bereitstellt. Zur Markteinführung unterstrichen Nawar Toma von Guardio und Ani Surabhi von Quin das Potenzial dieser direkten Datenübermittlung für die Rettungskette.

Die Bekleidungsmarke Top Swede bindet diesen Quin Tag direkt in Arbeitshosen ein. Wird ein Smartphone an den Tag gehalten, öffnet sich der Zugriff auf Daten, die Beschäftigte freiwillig in der zugehörigen App hinterlegen können.

Dazu gehören Vorerkrankungen, Allergien, die Blutgruppe sowie Notfallkontakte für Angehörige. Das System richtet sich insbesondere an Situationen, in denen verunfallte Personen nicht mehr ansprechbar sind.

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Aus der Praxis vor Ort, etwa von NCC-Großbaustellen, wird betont, dass die zunehmende Fremdvergabe und der Einsatz wechselnder Nachunternehmer dazu führen, dass der Gesundheitszustand von Kollegen am Arbeitsplatz oft unbekannt ist, was derartige Notfallinformationen besonders relevant macht.

Technische Standards und internationale Praxis

Die Erkennung von Gefahrensituationen bei vernetzten Sicherheitshelmen stützt sich auf standardisierte Sensordaten und präzise Schwellenwerte. So arbeiten Systeme mit der Erfassung von Neigungswinkeln von mehr als 60 Grad über mehr als 3 Sekunden zur Erkennung eines abgenommenen Helms.

Eine automatische Sturzerkennung löst bei Beschleunigungswerten von unter 0,4 g oder über 2,5 g in Verbindung mit einer Lageänderung von mehr als 45 Grad ohne Wiederaufrichten innerhalb von 10 Sekunden aus. Zudem steht eine manuelle SOS-Funktion über einen dreisekündigen Tastendruck bereit.

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Für die Ortung kombinieren moderne Lösungen im Außenbereich Satellitenortung wie GPS oder Beidou mit einer Genauigkeit von 3 bis 10 Metern, während im Innenbereich Bluetooth-Verfahren oder Ultrabreitband-Technologie (UWB) für Genauigkeiten bis in den Zentimeterbereich genutzt werden.

Ähnliche vernetzte Schutzsysteme für Alleinarbeiter finden auch in weiteren europäischen Betrieben Anwendung. So nutzt das Genfer Unternehmen PRO BETON seit dem 20. November eine IoT-Lösung von Wearin. Eine an der Weste getragene Geräteeinheit kombiniert Inertialsensoren, GPS und LTE-Module zur Übertragung von Sturz- und Notrufmeldungen an ein zentrales Überwachungsdashboard.

Nach Angaben von Wearin senken entsprechende Algorithmen die Quote von Fehlalarmen auf unter 1 Prozent, was vor dem Hintergrund von geschätzt 10 Millionen Alleinarbeitern in Europa an Bedeutung gewinnt.

Auch bei internationalen Großprojekten wie dem chinesischen Autobahnabschnitt TJ06 zwischen Yiwu und Longquan kommen digitale Kontrollsysteme und Notfall-Armbänder mit direkter Standortübermittlung zum Einsatz.

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