Vernichtungsverbot Kleidung: Ab 19. Juli gelten strenge Dokumentpflichten
03.07.2026 - 00:04:10 | boerse-global.de
Vier von fünf Tier-1-Lieferanten verfügen über keine dokumentierten Prozesse zur Steuerung von Nachhaltigkeitsrisiken in ihren eigenen Lieferketten. Das zeigt der EcoVadis Index 2026, der fast 200.000 Scorecards von 2021 bis 2025 ausgewertet hat.
Umweltwerte steigen, Berichtstiefe bleibt flach
Die allgemeinen Umweltwerte haben sich im Untersuchungszeitraum um 9,6 Punkte verbessert. Doch die Berichterstattung bleibt oberflächlich. 73 Prozent der Unternehmen verzichten auf die Angabe von Scope-3-Emissionen. 77 Prozent liefern keine Daten zu nachgelagerten Emissionen. Und 78 Prozent haben keine wissenschaftlich fundierten CO2-Ziele definiert.
Immerhin: Die Nutzung erneuerbarer Energien steigt (46 Prozent), Klimaschulungen werden häufiger (38 Prozent). Der Anteil der Unternehmen in den Leistungsstufen „Advanced“ oder höher hat sich auf 38 Prozent verdoppelt. Und wer mehrfach bewertet wurde, erzielt deutlich bessere Ergebnisse als bei der Erstbewertung.
Bürokratie bremst Kreditvergabe
Die CSRD und die ESRS sorgen für steigende Anforderungen – und für wachsende Kritik. Eine Umfrage des Genoverbandes unter 277 Bankvorständen zeigt: Die Nachhaltigkeitsregulierung bremst aktuell die Kreditvergabe und Investitionstätigkeit. Die Hälfte der Firmenkunden ist mit der Bereitstellung geforderter Nachhaltigkeitsdaten überfordert.
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Branchenvertreter fordern deshalb den vereinfachten VSME-Standard für kleine und mittlere Unternehmen. Ziel: Komplexität reduzieren, Rechtssicherheit schaffen.
Neue Regeln für digitale Dienste
Ab dem vierten Quartal 2026 wird die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) auf Anbieter digitaler Dienstleistungen ausgeweitet. Betroffen sind Plattformen für Website-Erstellung und Marketingtools. Sie müssen künftig Schnittstellen bereitstellen, damit Kunden CO2-Emissionsdaten für genutzte Module wie Hosting oder Content Delivery Networks abrufen können. Hintergrund: Die EU Green Claims Directive.
Auch die Schweiz zieht nach. Das neue Bundesgesetz über nachhaltige Unternehmensführung (NUFG) harmonisiert mit den EU-Vorgaben von CSRD und CSDDD. Betroffen sind Unternehmen ab 1.000 Vollzeitäquivalenten und 450 Millionen Schweizer Franken Umsatz. Und weil 70 Prozent der Schweizer Textilexporte in die EU gehen, sind digitale Produktpässe für Textilien ab 2027 geplant.
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KI-Tools im Einsatz, Vernichtungsverbot kommt
Um den Dokumentationspflichten Herr zu werden, setzen Unternehmen zunehmend auf Technologie. 68 Prozent der Einkäufer nutzen bereits KI-Tools – ein Großteil davon zur Validierung von CO2-Daten.
Der Druck durch Marktüberwachungsbehörden steigt. Am 19. Juli 2026 tritt das Vernichtungsverbot für unverkaufte Kleidung und Schuhe in Kraft. Die Dokumentationspflichten sind umfangreich, die Aufbewahrungsfrist beträgt fünf Jahre. Unternehmen müssen die Daten innerhalb von 30 Tagen auf elektronischem Weg vorlegen können.
