Verpackungsverordnung: EU verschärft Anforderungen ab 12. August
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 22:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Entwurf für den Mindeststandard 2026 zur Bemessung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen liegt vor. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) hat die Neufassung veröffentlicht und dabei aktuelle Daten des Umweltbundesamtes (UBA) zu Sortier- und Verwertungskapazitäten eingearbeitet. Zeitgleich verschärfen neue Gerichtsurteile und EU-Vorgaben den Druck auf Hersteller und Onlinehändler.
Neue Bewertungsgrade für Kunststoffe und Verbunde
Der Konsultationsentwurf konkretisiert die Anforderungen für verschiedene Materialgruppen. Transparente PET-Flaschen erreichen einen Anwendungsgrad von 79 Prozent. Andere starre PET-Verpackungen liegen je nach Spezifikation zwischen 13 und 62 Prozent.
Flexible Polypropylen-Verpackungen (PP) werden mit 27 Prozent eingestuft. Für aluminiumhaltige Getränkekartonverbunde (PolyAl) liegen die Werte zwischen 23 und 36 Prozent. PET-Schalen müssen ihre Recyclingfähigkeit weiterhin über Einzelnachweise belegen. Die öffentliche Konsultation endete Mitte Juli. Die endgültige Fassung erscheint bis zum 31. August 2026.
Gericht stärkt Systembeteiligungspflicht
Das Bundesverwaltungsgericht hat am 23. Juli 2026 klargestellt: Permanenttragetaschen sind systembeteiligungspflichtige Serviceverpackungen. Die Richter wiesen die Klage eines Lebensmittelhändlers ab. Weder das Material noch die Langlebigkeit der Taschen heben die Pflicht zur Beteiligung an einem dualen System auf.
Inverkehrbringer müssen unabhängig von Traglast oder Volumen entsprechende Lizenzentgelte zahlen. Das Gericht bestätigte die Einstufung für Taschen mit 35 Litern Volumen und 20 Kilogramm Traglast.
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EU-Verordnung treibt Bürokratiekosten
Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) bringt ab dem 12. August 2026 neue Pflichten. Marktteilnehmer müssen für jedes EU-Zielland einen Bevollmächtigten benennen – ohne Mindestmengen. Bereits ab dem ersten versendeten Paket fallen Kosten an, die pro Land mehrere hundert Euro betragen können.
Branchenvertreter kritisieren den Aufwand scharf. Der Händlerbund weist darauf hin, dass bereits das Anbringen eines Versandlabels den Händler zum Erzeuger der Verpackung macht. Das belaste besonders kleine Unternehmen. Erste Onlinehändler ziehen sich bereits aus dem EU-Ausland zurück und beschränken ihren Versand auf Deutschland.
Industrie setzt auf Allianzen und Digitalisierung
Um die PPWR-Anforderungen zu stemmen, entstehen neue Kooperationen. Das SGS Institut Fresenius und PackIntelX bündeln Laboranalytik mit digitalem Compliance-Management. Schwerpunkt ist die Prüfung von Stoffanforderungen nach Artikel 5 der Verordnung, insbesondere bei Schwermetallen und PFAS.
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Im Mehrwegbereich gewinnt Digitalisierung an Fahrt. Coca-Cola Europacific Partners Deutschland erhielt gemeinsam mit Partnern den Deutschen Verpackungspreis 2026 für ein Serialisierungssystem von Mehrweg-Glasflaschen. Datamatrix-Codes ermöglichen die individuelle Nachverfolgung jedes Flaschenlebenslaufs. Solche Lösungen sind gefragt: Der globale Erdüberlastungstag fiel in diesem Jahr auf den 30. Juli – Deutschland hatte seine Ressourcen bereits im Mai aufgebraucht.
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