In Energiewende-Berufen fehlen immer mehr Fachleute
24.02.2025 - 06:00:36 | dpa.deDie FachkrĂ€ftelĂŒcke in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr zwar verringert. In einigen Berufen, die fĂŒr die Energiewende besonders wichtig sind, fehlt jedoch immer hĂ€ufiger qualifiziertes Fachpersonal. Das zeigt eine Untersuchung des Kompetenzzentrums FachkrĂ€ftesicherung (Kofa) des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
«Der Mangel an qualifizierten FachkrĂ€ften ist ein Hindernis fĂŒr die erfolgreiche Energiewende in Deutschland», sagt Studienautor Jurek Tiedemann. Als FachkrĂ€ftelĂŒcke wird die Anzahl der offenen Stellen bezeichnet, fĂŒr die es rein rechnerisch keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt.
Die gröĂten EngpĂ€sse gibt es demnach in der Bauelektrik. Mehr als 18.300 offene Stellen konnten 2024 nicht besetzt werden, 2,9 Prozent mehr als 2023. Bauelektriker werden unter anderem dafĂŒr benötigt, Solaranlagen und WindrĂ€der zu installieren. «Sie gelten als Flaschenhals fĂŒr die Energiewende», so Tiedemann.
FachkrĂ€fte fĂŒr Elektro-Betriebstechnik dringend gesucht
Auch in anderen Energiewende-Berufen blieben viele Stellen unbesetzt. So fehlten in der elektrischen Betriebstechnik im Jahresschnitt gut 14.200 FachkrĂ€fte, zehn Prozent mehr als 2023. In diesem Bereich werden unter anderem die Ladeinfrastruktur fĂŒr E-Autos gebaut und gewartet.
Mehr als 8.500 offene Stellen fĂŒr Elektrotechnik-Ingenieure konnten ebenfalls nicht besetzt werden. Sie planen etwa die Integration erneuerbarer Energiequellen ins Stromnetz.
Bei den FachkrĂ€ften fĂŒr SchweiĂ- und Verbindungstechnik war die LĂŒcke 4.370 Stellen groĂ, der Anstieg lag hier sogar bei 20 Prozent. Diese FachkrĂ€fte werden vor allem fĂŒr den Ausbau von Windkraftanlagen benötigt.
Eon stellt in Deutschland mehr als 2.000 neue BeschÀftigte ein
Auch der Energieriese Eon ist bemĂŒht, in Deutschland genĂŒgend FachkrĂ€fte zu bekommen - vor allem, um sein NetzgeschĂ€ft auszubauen. Eon hat als Energieversorger nicht nur die meisten Stromkunden in Deutschland, rund zwölf Millionen. Als gröĂtem Strom-Verteilnetzbetreiber gehört dem Konzern auĂerdem knapp ein Drittel dieses Netzes, an das nahezu alle WindrĂ€der, Solaranlagen, LadesĂ€ulen und WĂ€rmepumpen angeschlossen werden mĂŒssen.
«Allein im letzten GeschĂ€ftsjahr haben wir rund 4.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt, davon ĂŒber die HĂ€lfte in Deutschland», berichtet eine Sprecherin. Der GroĂteil dieses Mitarbeiteraufbaus sei im NetzgeschĂ€ft erfolgt. Zum Jahresende 2024 beschĂ€ftigte der Konzern weltweit rund 77.000 Menschen, davon etwa 41.000 in Deutschland.
Der technologische Wandel in der Energiewirtschaft verlange spezifisches Know-how in Bereichen wie Netzausbau, Energiespeicherung und Energieeffizienz, betont die Firmensprecherin. «Dieses Fachwissen ist auf dem Arbeitsmarkt oft nicht in ausreichendem MaĂe vorhanden.» Daher setze man unter anderem verstĂ€rkt auf eigene Ausbildung und Qualifizierung von FachkrĂ€ften. FachkrĂ€fte wĂŒrden vor allem in den Bereichen IT, Energietechnik und Infrastruktur gesucht.
Attraktiv bleiben will Eon dabei auch fĂŒr BeschĂ€ftigte in Positionen ohne Homeoffice-Möglichkeit. Neben attraktiven Arbeitszeitmodellen biete man eine starke betriebliche Altersvorsorge, zahlreiche Zusatzleistungen sowie gezielte Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, wirbt das Unternehmen.
RWE spĂŒrt FachkrĂ€ftemangel nicht so stark
Ein groĂer Energiewende-Player ist auch der Energiekonzern RWE, der auf Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, Energiehandel und Energiespeicher setzt. Die Frage nach einem möglichen FachkrĂ€ftemangel beantwortet das Unternehmen zurĂŒckhaltend: RWE biete spannende und vielfĂ€ltige Karrieremöglichkeiten und sei dadurch ein sehr attraktiver Arbeitgeber. «Deswegen spĂŒren wir den FachkrĂ€ftemangel nicht in dem AusmaĂ, wie es von manch anderem Unternehmen berichtet wird», sagt ein Sprecher auf dpa-Anfrage. Man habe im Rahmen des internationalen Wachstums 2024 weltweit mehr als 2.000 Mitarbeitende eingestellt. «Auch im Jahr 2025 werden wir viele offene Stellen besetzen.»
Auch andere Branchen stark betroffen - insgesamt RĂŒckgang
Deutschlandweit fehlt auch in anderen Branchen Fachpersonal. Besonders stark betroffen sind weiterhin die Bereiche Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege sowie Kinderbetreuung und -erziehung. Insgesamt konnten im Jahr 2024 im Schnitt etwa 487.029 Stellen nicht passend besetzt werden. Das waren 14,6 Prozent weniger als im Vorjahr.Â
Experte Tiedemann betont, um gegen den FachkrÀftemangel anzugehen, sei es sinnvoll, mehr internationale FachkrÀfte anzuwerben sowie an- und ungelernte Menschen zu qualifizieren.
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