Volkswagen, IG Metall

Volkswagen: IG Metall wirft Führung respektlosen Umgang vor

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 09:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger wirft Volkswagen nach der Kündigung zahlreicher Tarifverträge einen respektlosen Umgang mit den Beschäftigten vor. Die Gewerkschaft sieht einen neuen Konflikt auf den Konzern zukommen.

IG-Metall-Bezirksleiter Gröger: Vorgehen der VW-Führung «respektlos». (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
IG-Metall-Bezirksleiter Gröger: Vorgehen der VW-Führung «respektlos». (Archivbild) - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger hat Volkswagen nach der Kündigung zahlreicher Tarifverträge einen respektlosen und verantwortungslosen Umgang mit den Beschäftigten vorgeworfen.

Öffentlichkeit wusste früher Bescheid

Im Deutschlandfunk sagte Gröger, die Arbeitnehmervertreter hätten bei einem Gespräch über den Zukunftstarifvertrag von 2024 einen 50-minütigen Vortrag des Unternehmens gehört. Über die geplante Kündigung von Tarifverträgen sei dabei kein Wort gefallen.

Noch während des Gesprächs habe die Presse bereits über die Pläne berichtet. Die Öffentlichkeit habe damit erneut früher erfahren, was Volkswagen mit den eigenen Beschäftigten vorhabe, kritisierte der IG-Metall-Bezirksleiter für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Konflikt um Manteltarifvertrag

Die Kündigung des Manteltarifvertrags und damit der Rahmenbedingungen für die Beschäftigten sei ein einmaliger Vorgang in der Geschichte von Volkswagen, sagte Gröger. Die Interessenvertretung sei auf die Auseinandersetzung vorbereitet.

Volkswagen hat im Ringen um weitere Einsparungen einen Großteil seiner Tarifverträge gekündigt. Nach Darstellung des Unternehmens müssen verschiedene Regelungen wegen des aktuellen Kostendrucks angepasst werden. Betroffen ist auch der wichtige Manteltarifvertrag.

50.000 Stellen weltweit geplant

Der VW-Vorstand will weltweit in den kommenden Jahren zusätzlich zu bisherigen Abbauplänen rund 50.000 Stellen streichen. Die Hälfte davon könnte auf deutsche Standorte entfallen. Konkrete Programme müssen mit den Arbeitnehmern verhandelt werden.

Offen ist zudem die Zukunft der VW-Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus.

Tarifkündigungen verschieben den Konflikt

Mit der Kündigung von zehn der 13 VW-Haustarifverträge steht nicht nur eine einzelne Regelung zur Debatte. Betroffen sind unter anderem Entgelt, Arbeitszeit, Urlaub, Zulagen und Teile des Ausbildungstarifs. Der Manteltarifvertrag bildet dabei den Rahmen für zentrale Arbeitsbedingungen von mehr als 100.000 Beschäftigten in Deutschland.

Die Kündigungen werden zum 31. Dezember 2026 wirksam; konkrete Änderungen hängen jedoch von den anschließenden Verhandlungen ab. Tarifliche Regelungen fallen nicht automatisch vollständig weg, sondern können je nach Bestimmung unterschiedlich nachwirken. Für die Beschäftigten bedeutet das vor allem eine Phase hoher Unsicherheit über Einkommen, Arbeitszeit und Schutzrechte.

VW-Sparkurs trifft auf bestehende Zusagen

Der Schritt steht im Zusammenhang mit dem Zukunftsplan 2030 und dem verschärften Kostendruck in der europäischen Autoindustrie. VW will weltweit zusätzlich zu bisherigen Plänen 50.000 Stellen abbauen; etwa die Hälfte könnte auf Deutschland entfallen. Zugleich bleibt die Beschäftigungssicherung aus dem Tarifabschluss von 2024 bis Ende 2030 bestehen.

Für die deutschen Werke entscheidet sich damit in den kommenden Verhandlungen, wie weit Einsparungen über Personalabbau, Arbeitsbedingungen und Standortperspektiven umgesetzt werden. Besonders relevant ist dies für Beschäftigte und Regionen rund um Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm, deren langfristige Auslastung teilweise offen ist.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Tarifverträge gekündigt Welche Folgen der VW-Sparkurs für die Belegschaft hat“ (01.10.2026)

Der Beitrag erläutere, welche Bereiche von den zehn gekündigten Verträgen erfasst seien und dass die Auswirkungen von den Verhandlungen abhingen. Anders als die aktuelle Stellungnahme von Thorsten Gröger konzentriere sich der Artikel auf die rechtlichen und praktischen Folgen für Beschäftigte; offen bleibe, welche konkreten Einschnitte VW durchsetzen wolle.

n-tv: „Erste Folgen ab 2027: Volkswagen kündigt fast alle Tarifverträge“ (01.10.2026)

Der Bericht bestätige die Kündigung des Manteltarifvertrags und stelle den Konflikt mit Gewerkschaft und Betriebsrat in den Mittelpunkt. Er hebe zusätzlich den strukturellen Wettbewerbsdruck der Autoindustrie, den vereinbarten Abbau von 35.000 Stellen in Deutschland bis 2030 sowie die mögliche Streikfähigkeit ab dem Jahreswechsel hervor.

Beide Berichte stellten übereinstimmend fest, dass der Manteltarifvertrag und weitere Vereinbarungen betroffen seien und die Arbeitnehmerseite Widerstand angekündigt habe. Unterschiede lägen vor allem in der Perspektive: Die tagesschau erkläre die Folgen für Beschäftigte, während n-tv den wirtschaftlichen Umbau und die Eskalationsgefahr stärker betone.

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