Volkswagen-Krise: Bis zu 120.000 Jobs in Gefahr – Betriebsrat rebelliert
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 10:18 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Nachdem ein Ultimatum am 11. Juli ungenutzt verstrich, sieht die Arbeitnehmervertretung das Vertrauensverhältnis als nahezu zerstört an.
„Zutiefst respektlos“ – Betriebsratschefin Cavallo geht in die Offensive
Die Vorsitzende Daniela Cavallo wirft Blume vor, die Belegschaft bewusst im Dunkeln zu lassen. Während das Management angeblich längst über Werksschließungen und Massenentlassungen informiert wurde, fehlt bis heute eine offizielle Mitteilung an die Mitarbeiter. Cavallo spricht von einem respektlosen Umgang.
Als Reaktion kündigte das Gremium Betriebsversammlungen nach der Sommerpause an – voraussichtlich ab dem 10. August. Dort soll die Konzernspitze Rede und Antwort stehen. Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Tonne kritisierte den Kommunikationsstil scharf: Er nannte das Vorgehen „unanständig“.
Bis zu 120.000 Jobs weg? Die harten Sparpläne
In der vergangenen Woche wurden die Dimensionen des geplanten Umbaus bekannt. Medienberichten zufolge könnten weltweit zwischen 100.000 und 120.000 Arbeitsplätze wegfallen. Zu den bereits vereinbarten 50.000 Streichungen bis 2030 kämen demnach weitere 50.000 Stellen hinzu.
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Besonders hart trifft es vier deutsche Standorte. Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm gelten als schließungsbedroht. Konkrete Zeitpläne sehen vor, dass in Zwickau und Emden ab 2031 keine Fahrzeuge mehr vom Band laufen. Für Hannover wird ein Produktionsstopp für 2032 prognostiziert.
Aufsichtsrat stoppt Vorstandspläne – Politik mischt sich ein
Das von Blume vorgelegte Sparpaket fiel im Aufsichtsrat durch. Mit 7 zu 12 Stimmen lehnte das Gremium den Zukunftsplan ab. Entscheidend: Die Arbeitnehmervertreter verbündeten sich mit dem Land Niedersachsen und nutzten ihre Mehrheit. Ministerpräsident Lies spricht sich bereits explizit gegen Werksschließungen aus.
Der Betriebsrat schlägt als Alternative vor, die Größe des Vorstands zu reduzieren. Autoexperte Dudenhöffer fordert dagegen strukturelle Änderungen in der Arbeitszeit – etwa die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Volkswagen selbst will sich zu den internen Abstimmungen nicht äußern.
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Dramatische Zahlen: Gewinn eingebrochen, Rendite im Keller
Die finanzielle Lage des Konzerns ist ernst. Der operative Gewinn stürzte von 22,6 Milliarden auf 8,9 Milliarden Euro ab. Die Rendite liegt aktuell bei mageren 2,8 Prozent – weit entfernt vom Zielwert von 9 Prozent.
Auch die Absatzzahlen geben Anlass zur Sorge: Im zweiten Quartal 2026 gingen sie um knapp 9 Prozent zurĂĽck. Angesichts dieser Entwicklung steht Blume vor einer Herkulesaufgabe: den notwendigen Umbau durchsetzen, ohne die Mitbestimmung komplett zu sprengen.
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