Volkswagen Gewinnprognose 2026: Milliardenschwere Abschreibung auf Porsche drĂŒckt Rendite
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 20:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWSVolkswagen erwartet fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2026 nur noch eine minimale Gewinnmarge und senkt seine operative Prognose deutlich.
VW reduziert operative Zielrendite
Der Konzern rechnet nun damit, dass vom Umsatz höchstens ein Prozent als operativer Gewinn ĂŒbrig bleibt. Zuvor hatte Volkswagen eine Umsatzrendite von 4,0 bis 5,5 Prozent angepeilt, nachdem im vergangenen Jahr noch 2,8 Prozent erreicht worden waren. Die Korrektur fĂŒhrt der Autobauer vor allem auf ein verschĂ€rftes Marktumfeld, insbesondere in China, sowie eine schnellere Verschiebung der Nachfrage hin zu Elektroautos zurĂŒck.
E-Autos bringen weniger Gewinn als Verbrenner
Die zunehmende Nachfrage nach E-Autos wirkt sich fĂŒr Volkswagen zunĂ€chst negativ auf das Ergebnis aus, weil der Konzern mit diesen Modellen derzeit weniger verdient als mit klassischen Verbrennern. Zusammen mit der SchwĂ€che in wichtigen MĂ€rkten bleibe die Entwicklung hinter den bisherigen Erwartungen zurĂŒck, insbesondere bei den Marken Audi und Volkswagen Pkw.
Milliardenabschreibung auf Porsche
ZusĂ€tzlich belasten hohe Sondereffekte das Ergebnis. Insgesamt rechnet VW im laufenden Jahr mit Sonderkosten von rund zehn Milliarden Euro, wovon rund 900 Millionen Euro bereits im ersten Halbjahr verbucht wurden. Besonders ins Gewicht fĂ€llt eine Abschreibung von rund sechs Milliarden Euro auf den Firmenwert der Sportwagentochter Porsche. Die Wertberichtigung ist nicht zahlungswirksam, mindert aber den operativen Gewinn im dritten Quartal und beruht auf niedrigeren Erwartungen an die kĂŒnftige Entwicklung der Luxusmarke.
Krise bei der Luxusmarke Porsche
Porsche, lange als Gewinnbringer im Konzernverbund angesehen, steckt bereits seit einiger Zeit in der Krise. Belastend wirken ein deutlicher AbsatzrĂŒckgang in China, die US-Zollpolitik sowie Kurskorrekturen bei der Elektrostrategie. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass die ursprĂŒnglichen Wachstums- und Margenerwartungen nicht mehr erfĂŒllt werden.
Teure Strukturreformen und Stellenabbau
Weitere Belastungen entstehen durch MaĂnahmen zum Konzernumbau. Im Rahmen einer Ende 2024 erzielten Einigung mit den Arbeitnehmervertretern sind zusĂ€tzliche Vorruhestandsregelungen vorgesehen. Bis 2030 plant Volkswagen den konzernweiten Abbau von 50.000 Stellen in Deutschland, davon 35.000 bei der Kernmarke und der Rest bei Tochterunternehmen. Mehr als 37.000 BeschĂ€ftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben. PlĂ€ne des Vorstands, weitere 50.000 Stellen weltweit zu streichen, sind hiervon nicht umfasst und mĂŒssen noch verhandelt werden.
Werk OsnabrĂŒck vor Verkauf
Belastend wirkt auch der angestrebte Verkauf des Werks OsnabrĂŒck an den Finanzinvestor Aurelius und das Land Niedersachsen, die den Standort kĂŒnftig auf RĂŒstungsproduktion ausrichten wollen. Zudem erwartet Volkswagen nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen bei Gesellschaften in China. Zusammengenommen sollen diese drei Effekte das zweite Halbjahr mit rund zwei Milliarden Euro belasten.
Auswirkungen auf Umsatz und Kennzahlen
Volkswagen geht davon aus, dass der gröĂte Teil der zusĂ€tzlichen Sondereffekte im dritten Quartal erfolgswirksam erfasst wird. Ohne diese Sonderbelastungen lĂ€ge die operative Umsatzrendite 2026 nach Konzernangaben bei etwa 4,0 Prozent. Der Umsatz soll im kommenden Jahr rund 315 Milliarden Euro erreichen und damit im Bereich der bisherigen Prognosebandbreite liegen.
GedÀmpfte Umsatzprognose
Bereits im Juli hatte der Konzern seine Umsatzerwartungen zurĂŒckgenommen. Statt eines Zuwachses von bis zu 3 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr rechnet Vorstandschef Oliver Blume im besten Fall nur noch mit einer stabilen Entwicklung. Möglich seien aber auch bis zu 3 Prozent weniger Erlöse als 2025, als der Umsatz 321,9 Milliarden Euro erreichte.
Finanzziele und Risikohinweise
An den Zielen fĂŒr den Geldzufluss und die Netto-LiquiditĂ€t im Automobilbereich hĂ€lt Volkswagen fest. Die aktualisierte Prognose steht unter der Annahme, dass die derzeitige Zollsituation im internationalen Handel unverĂ€ndert bleibt; mögliche Folgen weiterer geopolitischer Eskalationen sind nicht eingepreist. Die Neun-Monats-Zahlen will der Konzern am 29. Oktober vorlegen.
Porsche SE passt Erwartungen an
Auch die VW-Dachgesellschaft Porsche SE reagiert auf die gesenkten Erwartungen. Die Holding rechnet nun mit einem Konzernergebnis zwischen minus 0,5 und plus 1,5 Milliarden Euro und damit jeweils zwei Milliarden Euro weniger als bisher erwartet. In der in Stuttgart ansĂ€ssigen Gesellschaft bĂŒndeln die Familien Porsche und PiĂ«ch ihre Anteile an Volkswagen und Porsche und investieren darĂŒber hinaus in weitere Bereiche.
Strategische Herausforderungen fĂŒr VW und Porsche
Die deutlich gesenkte Gewinnprognose zeigt, wie stark Volkswagen aktuell unter strukturellen VerĂ€nderungen der Automobilbranche steht. Der Konzern muss gleichzeitig den Umstieg auf ElektromobilitĂ€t stemmen, in einem von ĂberkapazitĂ€ten und hartem Wettbewerb geprĂ€gten Markt bestehen und seine interne Kostenbasis senken. Besonders die Entwicklung in China, lange wichtigster Wachstumstreiber, wirkt sich unmittelbar auf ProfitabilitĂ€t und strategische SpielrĂ€ume aus.
Die milliardenschwere Abschreibung auf Porsche verdeutlicht, dass frĂŒhere Annahmen ĂŒber die kĂŒnftige Ertragskraft der Sportwagenmarke nicht mehr haltbar sind. Einbrechende Nachfrage in China, handelspolitische Unsicherheiten und Anpassungen der Elektrostrategie zwingen das Management, die Erwartungen an Margen und Wachstum zu korrigieren. FĂŒr Anleger ist wichtig: Die Abschreibung ist zwar nicht zahlungswirksam, sie legt aber offen, dass der Konzern die Perspektive einer seiner wichtigsten Luxusmarken neu bewertet.
Umbau, Arbeitsplatzabbau und Standortdebatten
Parallel dazu treiben umfangreiche PersonalmaĂnahmen und Strukturreformen die Kosten in die Höhe. Der bereits vereinbarte Abbau von Zehntausenden Stellen in Deutschland und geplante zusĂ€tzliche Einschnitte weltweit stehen fĂŒr einen tiefgreifenden Umbau des Konzerns. FĂŒr BeschĂ€ftigte und Regionen mit VW-Standorten bedeutet dies anhaltende Unsicherheit, zugleich hofft das Management mittelfristig auf deutlich niedrigere Fixkosten.
Der geplante Verkauf des Werks OsnabrĂŒck an einen Finanzinvestor und das Land Niedersachsen mit Ausrichtung auf RĂŒstungsproduktion zeigt, wie VW sich aus weniger profitablen AktivitĂ€ten zurĂŒckzieht. Zugleich wird der Ăbergang hin zu neuen industriellen Schwerpunkten an einem Traditionsstandort sichtbar. FĂŒr die Leser wird damit klar: Die Gewinnwarnung ist nicht nur eine Zahl im GeschĂ€ftsbericht, sondern Ausdruck eines umfassenden Transformationsprozesses, der ArbeitsplĂ€tze, regionale Wirtschaftsstrukturen und die strategische Rolle von VW und Porsche im deutschen IndustriegefĂŒge berĂŒhrt.
