Volkswagen-Tarifstreit, Verträge

Volkswagen-Tarifstreit: Zehn gekündigte Verträge betreffen 130.000 Beschäftigte

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Gehalt; ab Januar sind Streiks möglich, falls Volkswagen die Kündigungen nicht zurücknimmt.
Leere, weitläufige Fabrikhalle mit stillstehenden Industriemaschinen in einer gedimmten, atmosphärischen Beleuchtung. Illustration mit AI erstellt.

Die IG Metall und der Gesamtbetriebsrat von Volkswagen verlangen vom Vorstand die Rücknahme der Kündigung von zehn Haustarifverträgen bis Ende Oktober 2026. Sollte die Unternehmensführung dieser Forderung nicht nachkommen, drohe ab Januar ein beispielloser Arbeitskonflikt, warnte der hannoversche IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger laut einem Bericht vom 23. Oktober 2026.

Die Volkswagen AG hatte am 30. September 2026 zehn Tarifverträge mit Wirkung zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Der Schritt betrifft nahezu alle tariflichen Regelungen zu Arbeitszeiten, Urlaub und Zulagen, darunter auch den Manteltarifvertrag.

Rund 130.000 Beschäftigte an deutschen Standorten betroffen

Die Kündigung der Tarifverträge betrifft nach Unternehmensangaben vom 23. Oktober 2026 rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG in Deutschland. Betroffen sind die Markensparten Pkw und Nutzfahrzeuge, der Komponentenbereich sowie zentrale Konzernfunktionen an den Standorten Wolfsburg, Braunschweig, Hannover, Salzgitter, Emden, Kassel, Dresden, Chemnitz und Zwickau.

Die IG Metall verknüpft ihren Widerstand gegen die Vertragskündigungen mit Entgeltforderungen. Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Gehalt und verweist darauf, dass die letzte Tariferhöhung im Mai 2024 stattgefunden habe.

Da die Friedenspflicht zum Jahreswechsel am 31. Dezember 2026 ausläuft, sind Arbeitsniederlegungen und Streikmaßnahmen ab Januar rechtlich zulässig. Um den Konflikt am Verhandlungstisch zu lösen, müssen die Gespräche laut der Arbeitnehmervertretung spätestens Anfang Dezember beginnen. Thorsten Gröger schlug hierfür Verhandlungsrunden ab dem 24. November 2026 an den Standorten Hannover, Emden und Zwickau vor.

Kürzungspläne und Restrukturierung im Zukunftsplan 2030

Hintergrund der Kündigungen sind umfassende Sparziele des Autokonzerns. Nach dem Anfang September vorgestellten Zukunftsplan 2030 des Aufsichtsrats soll die operative Rendite von zuletzt 3,80 Euro auf 9 Euro je 100 Euro Umsatz bis zum Ende des Jahrzehnts steigen.

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In diesem Rahmen sollen weltweit 50.000 Stellen gestrichen werden, zusätzlich zu bereits laufenden Programmen. Möglicherweise entfällt die Hälfte dieses Abbaus auf Standorte in Deutschland.

Zusätzlich zu einem bereits vereinbarten Abbau von 35.000 Stellen bis zum Ende des Jahrzehnts plant das Unternehmen laut Angaben vom 23. Oktober 2026 den Abbau von rund 12.000 weiteren Arbeitsplätzen bei der Volkswagen AG. Die bestehende Jobgarantie aus dem Zukunftstarifvertrag 2024 gelte nach Konzernangaben bis Ende 2030 und bleibe von den Kündigungen der Tarifverträge unberührt.

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Personalvorstand Arne Meiswinkel begründete den Konsolidierungsbedarf mit der Konkurrenz durch chinesische Hersteller, geopolitischen Spannungen sowie Handelsbarrieren. Das Management strebe Verhandlungen über wettbewerbsfähige Arbeitskosten sowie einen flexibleren Einsatz des Personals an.

Dem Betriebsrat zufolge beabsichtigt der Vorstand zudem, die Gehälter der weltweit rund 660.000 Beschäftigten bis 2030 einzufrieren. Als Instrument zur Abfederung des Personalabbaus brachte die IG Metall die Option einer Transfergesellschaft ins Gespräch.

Ungewisse Perspektiven für mehrere Fertigungsstandorte

Über den Zeitraum von 2031 bis 2034 hinaus gilt die Zukunft mehrerer Produktionsstandorte als ungeklärt. Dies betrifft die Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie den Standort der Konzerntochter Audi in Neckarsulm.

Für das Werk in Zwickau soll die bisherige Fertigung auslaufen; eine gesicherte Auslastung über das Jahr 2030 hinaus liegt derzeit nicht vor. Zur Klärung der offenen Punkte im Zukunftstarifvertrag 2024 fand in Hannover ein weiteres Überprüfungsgespräch zwischen den Tarifparteien statt.

Zusätzliche Schärfe erhält die Auseinandersetzung durch finanzielle Belastungen im Konzernumfeld. So musste die Porsche SE im August 2,2 Milliarden Euro abschreiben. Betriebsratschefin Daniela Cavallo verwies zugleich darauf, dass Volkswagen Ende Juni 2,6 Milliarden Euro an Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet hatte. Am Stammkapital des Automobilkonzerns hält das Land Niedersachsen rund 20 Prozent der Anteile.

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