Volkswagen und IG Metall: Tarifgespräche für 130.000 Beschäftigte beginnen
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Volkswagen AG und die Gewerkschaft IG Metall haben sich bei ihrem zweiten Überprüfungsgespräch in Hannover auf einen Zeitplan für die bevorstehenden Tarifgespräche verständigt. Die Verhandlungen über die gekündigten Tarifverträge sowie die wechselseitigen Forderungen sollen am 24.11.2026 in Emden beginnen. Eine Fortsetzung der Gespräche ist für den 15.12.2026 am Standort Zwickau vorgesehen.
Tarifrundenauftakt an umstrittenen Werksstandorten
Mit der Einigung auf den Verhandlungsbeginn am 24.11.2026 folgte das Unternehmen einer Forderung der Arbeitnehmerseite, nachdem eine Vereinbarung ursprünglich auch einen späteren Auftakt bis zum 03.12.2026 ermöglicht hätte. Das erste Überprüfungsgespräch fand am 30.09.2026 statt – am selben Tag, an dem Volkswagen zehn Tarifverträge zum 31.12.2026 kündigte.
Der betroffene Haustarifvertrag gilt nach Angaben der Gewerkschaft für rund 130.000 Beschäftigte in den Werken Braunschweig, Chemnitz, Dresden, Emden, Hannover, Kassel, Salzgitter, Wolfsburg und Zwickau. Gemessen an der Zahl der Mitarbeiter gehört das Vertragswerk zu den größten Firmentarifverträgen in Deutschland.
Für mehrere der Verhandlungsorte, darunter Hannover, Zwickau und Emden sowie das Audi-Werk Neckarsulm, existiert laut Beschlüssen des Konzernaufsichtsrats vom 03.09.2026 derzeit keine langfristige Perspektive; ein Gesamtkonzept für die europäische Produktionsstruktur soll bis Mitte 2027 erarbeitet werden.
Konflikt um Transfergesellschaften und Sparvorgaben
Im Vorfeld der Tarifrunde brachte der Volkswagen-Vorstand die Einrichtung förderfähiger Transfergesellschaften ins Spiel. Beschäftigte könnten freiwillig in diese Auffangstrukturen wechseln, um neue Berufsperspektiven am Arbeitsmarkt zu suchen.
Die genaue Zahl potenziell betroffener Mitarbeiter blieb dabei offen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wird ein solches Modell sowohl für die Produktion als auch für Bereiche in Verwaltung und Entwicklung erwogen. Die konkrete Ausgestaltung, Laufzeiten und Abfindungen müssten demnach verhandelt werden.
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Finanziert werden könnten solche Maßnahmen über das Transferkurzarbeitergeld der Bundesagentur für Arbeit, das 60 % des ausgefallenen Nettoentgelts beziehungsweise 67 % für Beschäftigte mit Kindern beträgt. Eine mögliche Aufstockung durch das Unternehmen wäre Verhandlungssache.
Volkswagen erklärte, grundsätzlich am Zukunftstarifvertrag und an der Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 festzuhalten. Gleichzeitig betont das Management die Notwendigkeit, Arbeitskosten schnellstmöglich zu senken, um die Wettbewerbsfähigkeit im Rahmen des Zukunfts- und Transformationsplans zu stärken.
Personalvorstand Arne Meiswinkel unterstrich dabei die Dringlichkeit und erklärte, das Unternehmen habe keine Zeit zu verlieren. Im Rahmen des Programms für operative Exzellenz sollen die Kosten entlang der Wertschöpfungskette bis 2030 um rund 20 Mrd. Euro reduziert werden, davon etwa 11 Mrd. Euro im Overhead-Bereich.
Zudem strebt der Vorstand um Konzernchef Oliver Blume bis 2030 einen weltweiten Abbau von rund 50.000 Arbeitsplätzen an, nachdem der Aufsichtsrat Anfang September die Streichung von 50.000 zusätzlichen Stellen beschlossen hatte.
Arbeitnehmerseite droht mit massiven Arbeitskämpfen
Sowohl die IG Metall als auch die Betriebsratsführung wiesen den Vorschlag zu Transfergesellschaften entschieden zurück. Gesamtbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo warf der Konzernleitung vor, die bestehende Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 durch eine Hintertür und auf Kosten der Beitragszahler schwächen zu wollen.
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IG-Metall-Bezirksleiter Thorsten Gröger kritisierte die Pläne als tarifpolitischen Wortbruch und betonte, vor dem Einsatz von Steuer- und Beitragsgeldern stünden die Aktionäre in der Verantwortung.
Die Gewerkschaft hatte dem Konzern eine Frist bis zum 31.10.2026 gesetzt, um die Kündigung der Tarifverträge zurückzunehmen, und drohte andernfalls mit historischen Konflikten sowie massiven Streiks. In der anstehenden Tarifrunde verlangt die IG Metall ein Entgeltplus von fünf Prozent.
Da die Friedenspflicht mit dem Auslaufen der Verträge am 31.12.2026 endet, sind Arbeitsniederlegungen an den niedersächsischen und sächsischen Standorten ab Januar möglich.
