DĂŒrre macht Sprit teurer - lokale EngpĂ€sse möglich
Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 11:59 Uhr | dpa.deDie weiter fallenden PegelstĂ€nde am Rhein lassen die Spritpreise steigen. «Das derzeitige Niedrigwasser am Rhein wirkt preistreibend», sagt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. Zudem werden dadurch laut dem Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) regionale VersorgungsengpĂ€sse wahrscheinlicher. Hintergrund ist, dass der Rhein auch fĂŒr Ăl, Benzin und Diesel als Transportweg genutzt wird.Â
Nach Angaben des ADAC-Experten steigen durch das aktuelle Niedrigwasser «die Logistikkosten fĂŒr den Transport von Kraftstoffen und einzelnen Vorprodukten teilweise deutlich an.» Dies sei aber nur einer von mehreren Einflussfaktoren auf die aktuellen Spritpreise. Zudem werde der deutsche Markt nicht ausschlieĂlich ĂŒber den Rhein, sondern ĂŒber ein «Netzwerk aus SeehĂ€fen, Raffinerien, Pipelines sowie den Schienen- und StraĂenverkehr» versorgt, sagt Laberer. «Daher dĂŒrfte das Niedrigwasser derzeit vor allem regional zu höheren Kraftstoffpreisen beitragen.»
VorĂŒbergehend regional beschrĂ€nkte EngpĂ€sse möglich
Grund zur Entwarnung gibt es aber nicht: Der en2x erklĂ€rte auf Anfrage: «Nach derzeitigen Prognosen sinken die PegelstĂ€nde in nĂ€chster Zeit jedoch weiter, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit von vorĂŒbergehenden und regional beschrĂ€nkten VersorgungsengpĂ€ssen erhöht. Das gilt insbesondere, wenn es zusĂ€tzlich zu VerspĂ€tungen auf der Schiene, zu technischen Störungen oder anderen EinschrĂ€nkungen in der Transportlogistik kommen sollte.» Zuvor hatte die «Westdeutschen Allgemeine Zeitung (WAZ)» berichtet.
In Köln wurde am Dienstag beim Rheinpegel ein historischer Tiefstwert gemessen, wie aus Daten des WasserstraĂen- und Schifffahrtsamtes Rhein hervorgeht. Nach der Prognose werden die PegelstĂ€nde zudem in Köln, DĂŒsseldorf, Emmerich und Duisburg-Ruhrort bis Freitagabend noch deutlich gegenĂŒber den derzeitigen Werten sinken.
«Man kann es kaum glauben, was man da sieht», sagt Moritz Axt, Sprecher des Amtes. In der kommenden Woche sei ein leichter Anstieg der PegelstÀnde zu erwarten. «Das stellt noch keine Entspannung dar.» Die WasserstÀnde des Rheins in NRW blieben auf sehr niedrigem Niveau.
Herausforderung fĂŒr Logistik
GrundsĂ€tzlich sei der Umgang mit Niedrigwasser, gerade am Rhein, fĂŒr die Unternehmen im Verband en2x nicht neu. «Dennoch stehen wir vor einer groĂen Herausforderung. Binnenschiffe mĂŒssen mit geringerem Frachtvolumen beladen werden - teils zu einem Viertel der NormalkapazitĂ€t, oder sie mussten den Betrieb vorĂŒbergehend ganz einstellen», heiĂt es vom Verband.Â
Der Transport werde - wo möglich - auf ZĂŒge oder Lastwagen verlagert. Allerdings seien auch deren KapazitĂ€ten begrenzt. «Dadurch verzeichnen wir steigende Transportkosten. Dank laufender Anpassung der Logistik lĂ€uft der Tankstellenbetrieb bisher auf normalem Niveau - auch im gesamten Rheingebiet.»
Benzin in NRW und Hessen am teuerstenÂ
Die höheren Kosten machen sich auch in der regionalen Spritpreisverteilung bemerkbar, wir auf dem Spritpreisportal «Tankerkönig» zu sehen ist. Die teuersten BundeslÀnder bei Benzin sind - zum Stand Dienstagmorgen - Nordrhein-Westfalen und Hessen vor Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
Bei Diesel liegen NRW und Hessen auf Platz zwei. Und auch auf Landkreisebene fĂ€llt auf, dass sich - insbesondere bei Benzin - die teuren Gegenden in der westlichen HĂ€lfte Deutschlands ballen, wĂ€hrend es in Bayern - vor allem in seiner sĂŒdlichen HĂ€lfte - am gĂŒnstigsten ist. Die Unterschiede betragen dabei einige Cent - bei Benzin sind es zwischen Bayern und NRW beziehungsweise Hessen rund 7 Cent, bei Diesel rund 8.
Europas wichtigste WasserstraĂe
Das Niedrigwasser, gerade am Rhein, setzt der deutschen Wirtschaft zunehmend zu. Der Rhein ist Europas wichtigste WasserstraĂe. Bei niedrigen PegelstĂ€nden können Schiffer weniger Ladung aufnehmen, wodurch Transportkosten steigen, die Belieferung der Industrie mit Vorprodukten erschwert wird und Lieferketten unter Druck geraten.
Derzeit erschwert zudem die Generalsanierung der Bahnstrecke auf der rechten Rheinseite das Verlagern von Transporten auf die Schiene. Dadurch stehen zwischen Köln und dem Rhein-Main-Gebiet nur die zwei Gleise der linksrheinischen Strecke zur VerfĂŒgung, sonst sind es vier Gleise - das verschĂ€rft die Lage. Die Bauarbeiten sollen noch bis Dezember laufen.Â
Lockerung des Sonntagsfahrverbots
Die Lockerung des Lkw-Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen in mehreren BundeslĂ€ndern schafft nach EinschĂ€tzung des Logistikverbands BGL zwar mehr FlexibilitĂ€t fĂŒr wichtige Lieferungen, aber keine zusĂ€tzlichen FahrerkapazitĂ€ten.
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland hatten das Fahrverbot bereits ab dem vergangenen Wochenende vorĂŒbergehend gelockert. Schleswig-Holstein, Hamburg und Hessen haben das Fahrverbot ebenfalls ausgesetzt, Baden-WĂŒrttemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern folgen diesem Beispiel. Sachsen hingegen lehnt eine generelle Lockerung ab und verweist auf mögliche Ausnahmegenehmigungen.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger sieht vorerst kein rasches Ende der BeeintrĂ€chtigungen fĂŒr die Binnenschifffahrt. «Wir mĂŒssen davon ausgehen, dass die Niedrigwasserproblematik im gesamten August uns noch erhalten bleibt», sagte der CDU-Politiker.Â
Am Mittwoch will Bilger mit seinen Amtskollegen in den LĂ€ndern ĂŒber weitere MaĂnahmen gegen die Folgen des Niedrigwassers beraten. Am Montag hatte er dazu gesagt: «Wir versuchen, so viel wie möglich umzusetzen, um jetzt fĂŒr Entlastung zu sorgen.» Man habe kurzfristig «doch einige Möglichkeiten, um hoffentlich gut ĂŒber diese schwierigen Wochen im August zu kommen», so der Minister weiter.
