VR-Sessel, Brille

VR-Sessel ohne Brille: Kyushu-Team lÀsst 3D-Bilder frei im Raum schweben

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein Prototyp projiziert stereoskopische Darstellungen in den Raum; mögliche Anwendungen werden noch mit Industriepartnern erprobt.

Kyushu-Forschungsteam zeigt VR-Sessel mit 3D-Bildern ohne Headset
Ein prÀziser optischer Versuchsaufbau mit Linsen und Mikrospiegeln in einem hellen, modernen Labor der UniversitÀt. Illustration mit AI erstellt.

Virtuelle Umgebungen erfordern bislang meist das Tragen schwerer Brillen direkt am Kopf. Ein Forschungsteam um Shogo Fukushima von der Kyushu University im japanischen Fukuoka hat einen Prototyp fĂŒr einen VR-Sessel vorgestellt, der immersive Bilder ohne Headset direkt in den Raum projiziert. Das System nutzt die Technologie des sogenannten Aerial Imaging, bei der stereoskopische Darstellungen frei im Raum schweben.

Das entsprechende wissenschaftliche Paper erschien am 19. Juli 2026 in den Proceedings der Konferenz SIGGRAPH Emerging Technologies. Im Sommer 2026 stellte das Team den Prototyp zudem auf der SIGGRAPH-Fachkonferenz vor.

Optischer Aufbau und Funktionsweise ohne Kopfbedeckung

Konventionelle Systeme fĂŒr immersive virtuelle RealitĂ€t setzen entweder auf ProjektionsrĂ€ume oder auf Datenbrillen. WĂ€hrend ProjektionsrĂ€ume ohne AusrĂŒstung am Körper auskommen, aber bei der wahrgenommenen Tiefenwirkung an die physischen Raumabmessungen gebunden sind, liefern Headsets Bilder in freier Entfernung.

Letztere verlagern jedoch das gesamte Gewicht auf den Kopf des Nutzers. Berichten zufolge klagen Anwender gĂ€ngiger Brillen wie Meta Quest oder Apple Vision Pro hĂ€ufig ĂŒber Druckstellen an Stirn, Nase und Ohren sowie ĂŒber Schwitzen und Übelkeit.

Der Auslöser fĂŒr das Projekt an der Kyushu University war die Beobachtung eines Studenten, der viel Zeit in der virtuellen RealitĂ€t verbrachte und mit aufgesetzter Brille einschlafen wollte. Um dieses Problem zu lösen, verlagerten die Wissenschaftler die lichtverarbeitenden und computergestĂŒtzten Bauteile vollstĂ€ndig vom Kopf in die physische Umgebung des Nutzers.

Technisch basiert der Sessel auf einem hellen, geneigten Bildschirm, der unterhalb des Blickfelds angebracht ist. Das erzeugte Licht wird durch eine Sammellinse gebĂŒndelt und anschließend auf eine Platte aus speziellen Mikrospiegeln gelenkt. Durch diese Konstruktion erhalten das linke und das rechte Auge unterschiedliche Perspektiven, wodurch ein stereoskopischer 3D-Effekt im Raum entsteht.

Bewegungssensoren und Anpassung an den Raum

Das optische Modul ist direkt an einem drehbaren Sessel befestigt. Ein integriertes Gyroskop erfasst Drehungen des Sitzes in Echtzeit, sodass die rÀumliche Darstellung ohne zusÀtzliche Kalibrierung kontinuierlich an die Bewegungen der Person angepasst wird.

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Wer immersive VR im Betrieb einsetzt, kennt das Problem: Das Gewicht lastet komplett auf dem Kopf, Anwender klagen ĂŒber Druckstellen, Schwitzen und Übelkeit. Ein Forschungsteam der Kyushu University hat nun einen Sessel-Prototyp vorgestellt, der 3D-Bilder per Aerial Imaging frei im Raum schweben lĂ€sst — ganz ohne Headset. Unser kostenloser Leitfaden zeigt in drei Schritten, wie Sie headset-freie VR-Ergonomie fĂŒr Ihren Arbeitsplatz prĂŒfen. Schritt-fĂŒr-Schritt-Leitfaden jetzt sichern

ZusĂ€tzlich sorgt ein Tablet mit integriertem Bewegungssensor dafĂŒr, dass die Perspektive in Echtzeit nachgefĂŒhrt wird. Durch diese kompakte Bauweise lĂ€sst sich immersive virtuelle RealitĂ€t auch in verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kleinen RĂ€umen realisieren.

EinschrĂ€nkungen bestehen derzeit noch beim Sichtfeld, das von den Abmessungen der Mikrospiegelplatte vorgegeben wird. Das System erlaubt jedoch den Austausch von Komponenten zur Anpassung. Da die Mikrospiegelplatte einen Teil des Lichts absorbiert, ist fĂŒr die Darstellung ein besonders heller Bildschirm erforderlich.

Den Forschern zufolge könnten zusĂ€tzliche flache Spiegel ĂŒber, unter sowie seitlich der Platte die effektive BildflĂ€che theoretisch auf das Sechsfache vergrĂ¶ĂŸern. WĂ€hrend der Prototyp die grundsĂ€tzliche Machbarkeit demonstrierte, liegen quantitative Messungen hierzu bislang noch nicht vor.

Ergonomische Potenziale und geplante Einsatzbereiche

Shogo Fukushima, Associate Professor an der FakultĂ€t fĂŒr Informationswissenschaften und Elektrotechnik der Kyushu University, erlĂ€uterte, dass das Konzept das Potenzial habe, die sogenannte VR-Übelkeit kĂŒnftig zu verringern. Eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung zur Reduzierung der Bewegungskrankheit steht allerdings noch aus.

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Kleine RĂ€ume, große Wirkung: Der Kyushu-Prototyp verlagert Optik und Rechenleistung vom Kopf in die Umgebung und macht immersive VR ohne aufwendige ProjektionsrĂ€ume möglich. FĂŒr Planer, die Platz und Budget schonen wollen, lohnt der Blick auf die Komponenten — Mikrospiegelplatte, heller Bildschirm, Bewegungssensor. Unser Leitfaden zeigt, welche Stellschrauben Sie zuerst drehen. Leitfaden fĂŒr kompakte VR-Setups anfordern

Als potenzielle Anwendungsgebiete fĂŒr den neuartigen Sessel gelten spezialisierte ArbeitsplĂ€tze in Fahrzeugen, interaktive Exponate in Museumsausstellungen sowie die Fernsteuerung von Baumaschinen und Robotern in KatastropheneinsĂ€tzen. Das Forschungsteam sucht derzeit nach Kooperationspartnern aus der Industrie, um die Technologie in den Bereichen Robotik, Maschinensteuerung und Museumsausstellungen praxisnah zu erproben.

Mehr zum Thema bei t3n: „Dieser Sessel will VR ohne Brille ermöglichen“

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