VW-Aufsichtsrat, Entscheidung

VW-Aufsichtsrat 4. September: Entscheidung über 50.000 Stellenabbau

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Volkswagen berät am 4. September über Umbaupläne mit Stellenabbau und Kapazitätskürzungen; Arbeitnehmerseite und Niedersachsen leisten Widerstand.

Volkswagen vor Aufsichtsratsberatung zu Sparplan und Werksschließungen
Leere Fertigungslinie in einer modernen Automobilfabrik mit Industrierobotern in einer weitläufigen Produktionshalle. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Führung des Volkswagen-Konzerns steht vor einer wegweisenden Weichenstellung für die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens. Für den 4. September 2026 ist eine Sitzung des Aufsichtsrats anberaumt, bei der über den Sanierungs- und Sparplan von Konzernchef Oliver Blume beraten werden soll.

Im Zentrum der Diskussion stehen drei unterschiedliche Konzepte, die jeweils vom Vorstand, den Arbeitnehmervertretern sowie dem Land Niedersachsen eingebracht wurden. Bereits am 3. September 2026 sind Kompromissgespräche zwischen den verschiedenen Lagern geplant, um mögliche Annäherungen im Vorfeld der Sitzung auszuloten.

Restrukturierungspläne und Kapazitätsanpassungen

Die vom Vorstand unter Oliver Blume angestrebten Maßnahmen sehen einen tiefgreifenden Umbau der Konzernstruktur vor. Geplant ist ein weltweiter Abbau von 50.000 Stellen, wovon rund 25.000 Arbeitsplätze auf deutsche Standorte entfallen könnten.

Zudem steht eine Reduzierung der Managementstellen um 25 Prozent im Raum. In der Modellpolitik wird eine deutliche Verschlankung angestrebt: Außerhalb Chinas soll die Modellpalette bis 2035 halbiert und die Variantenvielfalt um bis zu 75 Prozent gekürzt werden.

Ein wesentlicher Aspekt der Strategie betrifft die Produktionskapazitäten in Europa, die laut Konzernführung um 500.000 Fahrzeuge gesenkt werden müssen. Die jährliche Gesamtproduktion soll von derzeit 10 Millionen auf 9 Millionen Fahrzeuge reduziert werden.

In diesem Zusammenhang wird über die Schließung von vier Werken ohne langfristige Perspektive für die 2030er-Jahre nachgedacht, wobei die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm genannt werden.

Konzernchef Blume bezeichnete Werksschließungen zwar als letzte und teuerste Lösung, für die noch keine endgültige Entscheidung getroffen sei, verwies jedoch auf die mangelnde Auslastung vieler Standorte ab dem Ende des Jahrzehnts.

Machtverhältnisse und rechtliche Hürden im Aufsichtsrat

Die Umsetzung dieser Pläne stößt auf erheblichen Widerstand innerhalb des paritätisch besetzten, 20-köpfigen Aufsichtsrats. Die Arbeitnehmerseite und das Land Niedersachsen verfügen zusammen über 12 Stimmen und bilden damit eine geschlossene Front gegen betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen. Das sogenannte VW-Gesetz stellt eine zusätzliche Hürde dar, da für Werksschließungen eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Kontrollgremium erforderlich ist. Für mögliche Abspaltungen wäre sogar eine Zustimmung von 80 Prozent notwendig.

Sollte der Aufsichtsrat den Sparplan ablehnen, könnte das Management für Oktober 2026 eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Gemäß Artikel 111 des Aktiengesetzes wäre dort für bestimmte Maßnahmen eine Mehrheit von 75 Prozent erforderlich.

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In der Eigentümerstruktur hält die Porsche SE 53,3 Prozent der Stimmrechte, während das Land Niedersachsen 20 Prozent und die Qatar Holding 17 Prozent kontrollieren. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies betonte die Ablehnung von Massenentlassungen und forderte stattdessen ein tragfähiges Zukunftskonzept unter Wahrung der Standorte.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und regionale Auswirkungen

Hintergrund des harten Sparkurses sind die Geschäftszahlen des ersten Halbjahres 2026. Bei einem Umsatz von 158,1 Milliarden Euro sank das operative Ergebnis um 11,6 Prozent auf 5,93 Milliarden Euro, was einer Marge von 3,8 Prozent entspricht.

Besonders das Ergebnis in China brach von 506 Millionen auf 184 Millionen Euro ein. Gleichzeitig verzeichnete die Porsche SE im selben Zeitraum einen Verlust von 2,2 Milliarden Euro.

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Die Situation an den einzelnen Standorten verdeutlicht den Druck: Im Werk Zwickau, wo 8.000 Menschen beschäftigt sind, wurden im Jahr 2025 lediglich 210.000 Fahrzeuge produziert, bei einer Kapazität von 350.000 Einheiten. Die Arbeitskosten dort gelten als doppelt so hoch wie an vergleichbaren Standorten.

Betriebsratschefin Daniela Cavallo kritisierte die Zahlen des Vorstands als irreführend und warnte vor einem möglichen Abbau von insgesamt bis zu 115.000 Arbeitsplätzen in Deutschland, wenn man alle gefährdeten Stellen und den sozialverträglichen Abbau bis 2031 zusammenrechne.

Während die Gewerkschaften Streiks nicht ausschließen, prüft das Land Niedersachsen unterdessen einen Einstieg mit mindestens 200 Millionen Euro am Standort Osnabrück, um dortige Strukturen zu stützen.

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