Digitalisierung, Arbeitsmarkt

VW, BMW und Bayer streichen Chefposten: Hat das mittlere Management noch eine Zukunft?

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 09:00 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS

Immenstadt - Deutschlands Konzerne bauen nicht mehr nur Stellen in Produktion und Verwaltung ab – zunehmend geraten auch Führungskräfte unter Druck. Volkswagen will bis zum Ende des Jahrzehnts mehr als 5.500 Führungsstellen streichen, bei Bayer wurde die Zahl der Managementpositionen bereits von rund 17.000 auf gut 5.000 reduziert. Auch BMW baut im indirekten Bereich Personal ab.

VW, BMW und Bayer streichen Chefposten: Hat das mittlere Management noch eine Zukunft? - Bild: presseportal.de
VW, BMW und Bayer streichen Chefposten: Hat das mittlere Management noch eine Zukunft? - Bild: presseportal.de

Das mittlere Management wird nicht überflüssig, aber die Anforderungen verändern sich. Routineaufgaben fallen zunehmend weg, während Orientierung, Verantwortung und Veränderungskompetenz wichtiger werden. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche klassischen Manageraufgaben zunehmend wegfallen, welche Führungskompetenzen durch KI wichtiger werden und warum die aktuelle Streichwelle nicht zwangsläufig das Ende des mittleren Managements bedeutet.

Welche Managementaufgaben KI übernehmen kann

Während Unternehmen ihre Produktionsprozesse über Jahrzehnte optimiert haben, blieben Führungsstrukturen häufig unangetastet. Zusätzliche Berichtspflichten, Abstimmungsrunden und Freigaben führten dazu, dass immer mehr Zeit für interne Verwaltungsaufgaben benötigt wurde.

Genau hier verändert künstliche Intelligenz die Arbeitsweise. KI-Systeme können Informationen zusammenführen, Berichte erstellen und Entscheidungsvorlagen vorbereiten. Auch Projektfortschritte lassen sich automatisiert auswerten. Damit verlieren Tätigkeiten an Bedeutung, die bisher einen erheblichen Teil des Managementalltags bestimmten.

Führungskräfte müssen Informationen nicht mehr zwangsläufig sammeln und an die nächste Hierarchieebene weitergeben. Unternehmen sollten deshalb prüfen, welche Managementprozesse tatsächlich notwendig sind und wo bestehende Strukturen lediglich zusätzlichen Aufwand verursachen.

Warum flachere Hierarchien nicht automatisch besser sind

Traditionell wandern Informationen in großen Unternehmen über mehrere Führungsebenen nach oben, während Entscheidungen anschließend wieder nach unten weitergegeben werden. Dieses Modell schafft klare Zuständigkeiten, kostet allerdings Zeit.

KI kann solche Abstimmungen erleichtern, indem sie Wissen schneller verfügbar macht. Teams könnten dadurch eigenständiger arbeiten und sich je nach Aufgabe neu zusammensetzen. Statt starrer Abteilungsgrenzen rücken konkrete Projekte und gemeinsame Ziele stärker in den Mittelpunkt.

Allerdings entsteht eine solche Organisation nicht allein dadurch, dass Unternehmen Führungskräfte entlassen. Werden Hierarchieebenen gestrichen, ohne Entscheidungswege anzupassen, verteilt sich die bisherige Arbeit lediglich auf weniger Menschen. Die verbleibenden Manager betreuen größere Teams, während wichtige Entscheidungen weiterhin an der Unternehmensspitze hängen bleiben.

Deshalb müssen Betriebe gleichzeitig Zuständigkeiten und Entscheidungsrechte überprüfen. Nur wenn Mitarbeiter tatsächlich mehr Verantwortung übernehmen können, lassen sich die Vorteile flacherer Strukturen nutzen.

Das mittlere Management bekommt eine neue Rolle

Mit dieser Entwicklung verändert sich die Aufgabe der Führungskräfte zwischen Geschäftsleitung und operativen Teams. Statt Informationen weiterzureichen und Vorgaben zu kontrollieren, müssen sie zunehmend unterschiedliche Interessen miteinander verbinden.

Gerade das mittlere Management kennt beide Seiten: die strategischen Ziele der Unternehmensführung und die Schwierigkeiten im Arbeitsalltag. Es erkennt, wo geplante Maßnahmen an praktischen Hindernissen scheitern oder verschiedene Abteilungen unterschiedliche Prioritäten verfolgen.

Diese Vermittlungsfunktion gewinnt an Bedeutung, wenn Teams flexibler zusammenarbeiten. Führungskräfte müssen dann Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen zusammenbringen, Konflikte lösen und dafür sorgen, dass aus strategischen Vorgaben konkrete Ergebnisse entstehen.

Dafür benötigen sie weniger administrative Routine, sondern vor allem die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und auch bei widersprüchlichen Interessen tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Urteilskraft wird wichtiger als Informationsvorsprung

Auch die Grundlage von Autorität verändert sich. Lange verfügten Vorgesetzte häufig über mehr Informationen als ihre Mitarbeiter. KI macht Wissen und Analysen jedoch zunehmend für alle zugänglich. Entscheidend ist deshalb nicht mehr allein, wer am meisten weiß, sondern wer Informationen verantwortungsvoll einordnen kann.

Führungskräfte müssen beispielsweise beurteilen, ob eine KI-Auswertung zuverlässig ist, welche Risiken eine Entscheidung birgt und welche Folgen sie für Mitarbeiter oder Kunden haben könnte. Dabei können sie sich nicht ausschließlich auf technische Ergebnisse verlassen.

Gefragt sind deshalb Selbstreflexion, Verantwortungsbewusstsein und ein sicherer Umgang mit Unsicherheit. Gute Führung bedeutet auch, unterschiedliche Einschätzungen auszuhalten, eigene Annahmen zu hinterfragen und trotzdem Entscheidungen zu treffen.

Gleichzeitig gewinnen klare Ziele und persönliche Zusammenarbeit an Bedeutung. Je eigenständiger Teams handeln, desto wichtiger wird eine gemeinsame Orientierung. Führungskräfte müssen Vertrauen schaffen und Verantwortung übertragen, anstatt jeden Arbeitsschritt zu kontrollieren.

Weniger Chefposten bedeuten nicht weniger Führung

Die aktuellen Stellenstreichungen zeigen, dass traditionelle Managementstrukturen unter Druck geraten. Ob Unternehmen dadurch tatsächlich leistungsfähiger werden, hängt jedoch davon ab, wie sie ihre Organisation verändern.

Wer lediglich Positionen abbaut, riskiert überlastete Führungskräfte und neue Engpässe bei Entscheidungen. Werden dagegen unnötige Verwaltungsprozesse reduziert und Verantwortlichkeiten sinnvoll verteilt, können flachere Hierarchien die Zusammenarbeit verbessern.

Das mittlere Management dürfte deshalb zahlenmäßig kleiner werden, ohne seine Bedeutung vollständig zu verlieren. Während KI administrative Tätigkeiten übernimmt, bleiben menschliche Fähigkeiten wie Urteilskraft, Verantwortungsbewusstsein und Konfliktlösung entscheidend. Gefragt sind künftig weniger Kontrolleure als Führungskräfte, die Menschen verbinden, Veränderungen begleiten und auch unter unsicheren Bedingungen Orientierung geben.

Über Michael Fuchs

Michael Fuchs ist Gründer von Five4Success und begleitet mit über 25 Jahren Erfahrung Unternehmen wie SBB, Swisscom und Trivago durch den digitalen Wandel, ohne den Faktor Mensch aus dem Blick zu verlieren. Seine Programme verbinden Persönlichkeitsentwicklung mit nachhaltiger Unternehmenskultur und setzen auf Integrität, Klarheit und Authentizität in der Führung. Mehr Informationen unter: michaelfuchs.com

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Ruben Schäfer
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