VW, Hauptversammlung

VW-AktionĂ€re machen Druck – Transformation als Daueraufgabe

18.06.2026 - 14:03:26 | dpa.de

VW-Chef Blume hÀlt am Sparkurs fest: 28.000 freiwillige Austritte sind vereinbart, die Werke sollen weiter schrumpfen. AktionÀre zeigen sich mit der Entwicklung aber unzufrieden.

  • Konzernchef Oliver Blume hatte seine AktionĂ€re zuletzt 2023 in PrĂ€senz empfangen. (Archivbild) - Bild: Britta Pedersen/dpa
    Konzernchef Oliver Blume hatte seine AktionÀre zuletzt 2023 in PrÀsenz empfangen. (Archivbild) - Bild: Britta Pedersen/dpa
  • Ex-Renk-Chefin Susanne Wiegand war erst vor einem Jahr in den VW-Aufsichtsrat eingezogen. (Archivbild) - Bild: Stefan Puchner/dpa
    Ex-Renk-Chefin Susanne Wiegand war erst vor einem Jahr in den VW-Aufsichtsrat eingezogen. (Archivbild) - Bild: Stefan Puchner/dpa
Konzernchef Oliver Blume hatte seine AktionÀre zuletzt 2023 in PrÀsenz empfangen. (Archivbild) - Bild: Britta Pedersen/dpa Ex-Renk-Chefin Susanne Wiegand war erst vor einem Jahr in den VW-Aufsichtsrat eingezogen. (Archivbild) - Bild: Stefan Puchner/dpa

Lob fĂŒr das Ende seiner Doppelrolle als Porsche- und VW-Chef, Unmut ĂŒber die schwache Entwicklung des Konzerns: Auf der VW-Hauptversammlung blies Konzernchef Oliver Blume heftiger Gegenwind entgegen. Ohne konsequente Neuaufstellung riskiere VW einen schleichenden Abstieg, warnte Tanja Bauer vom Fondsanbieter Deka Investment - und verwies auf den Bundesliga-Abstieg des VfL Wolfsburg als warnendes Beispiel. 

Der Gewinneinbruch um fast die HĂ€lfte im vergangenen Jahr sei ein Alarmsignal, warnte Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment. «Diese Ergebnisentwicklung ist kein Zufall», betonte Hendrik Schmidt vom Fondanbieter DWS. «Sie ist Ausdruck eines Systems, in dem Kontrolle, UnabhĂ€ngigkeit und Verantwortlichkeit nicht funktionieren.» Die Dividende sei «auf einem unterirdischen Niveau», kritisierte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung fĂŒr Wertpapierbesitz (DSW).

Die bisherigen Sparmaßnahmen reichten nicht aus, um den Konzern «endlich vor die Kurve zu bringen», kritisierte Fondsmanager Werning. Â«ĂœberkapazitĂ€ten und Ineffizienzen sind ein MĂŒhlstein um den Hals der Kernmarke.» Der Konzern sei eine Großbaustelle. «Hoffen auf bessere Zeiten ist keine Strategie.» Eine tiefgreifende Sanierung sei ĂŒberfĂ€llig.

Blume will Sparkurs verschÀrfen

VW-Chef Blume verteidigte seinen Kurs. «2026 haben sich die Rahmenbedingungen der Automobilindustrie nochmals verschĂ€rft», sagte er bei dem virtuellen AktionĂ€rstreffen in MĂŒnchen. «Unsere Lage ist angespannt und anspruchsvoll.» Darauf mĂŒsse der Konzern reagieren. «Da sich die Rahmenbedingungen weiter verschĂ€rfen, mĂŒssen wir unser Transformationstempo weiter erhöhen.»

Blume hatte im FrĂŒhjahr ein «Zielbild Volkswagen Konzern 2030» angekĂŒndigt und erste Eckpunkte fĂŒr die Neuausrichtung genannt. «Unser ĂŒber Jahrzehnte erfolgreiches GeschĂ€ftsmodell funktioniert heute so nicht mehr. Wir mĂŒssen es weiterentwickeln», sagte er. Daran werde gearbeitet. «Weitere Entscheidungen treffen wir gemeinsam mit unserem Aufsichtsrat im Sommer.» 

Ziel sei es, 2030 «weltweit der attraktivste Automobilhersteller» zu sein. Die Umsatzrendite soll dann bei 8 bis 10 Prozent liegen. Der Umbau werde dann aber nicht abgeschlossen, fĂŒgte Blume hinzu, «Das wird eine Daueraufgabe bleiben.» Es gehe um einen dauerhaft angelegten Transformationsprozess.

«Verdienen damit nicht genug Geld»

Zugleich zog Blume eine positive Bilanz der bisherigen BemĂŒhungen. Mit neuen Modellen wie dem gerade vorgestellten elektrischen ID. Polo sei die Marke auf dem richtigen Weg. «Mit unseren Produkten stehen wir wieder vorn im Wettbewerb. Aber wir verdienen damit nicht genug Geld.» Zwar zeigten die laufenden Sparprogramme bereits Wirkungen. Dem wirkten aber die neuen Belastungen durch Zölle, Handelsbarrieren und geopolitische Risiken entgegen. 

Beim geplanten Abbau von konzernweit 50.000 Stellen bis 2030 liege VW im Plan. Allein bei der Kernmarke, wo 35.000 Stellen wegfallen sollen, werde sich die Belegschaft bis Ende 2026 um 19.000 reduzieren, berichtete Blume. 28.000 freiwillige Austritte seien bereits fest vereinbart, die Fabrikkosten an deutschen VW-Standorten 2025 um mehr als 20 Prozent gesunken.

ÜberkapazitĂ€ten werden abgebaut

Blume bekrĂ€ftigte seine PlĂ€ne, die KapazitĂ€t der Werke weiter zu senken und ÜberkapazitĂ€ten abzubauen. Bis 2030 will Blume die KapazitĂ€t seiner europĂ€ischen Werke um weitere 500.000 Fahrzeuge senken - zusĂ€tzlich zum bereits laufenden KapazitĂ€tsabbau um eine Million Fahrzeuge bis 2028. Ebenso viele sollen es in China sein, weltweit damit eine Million Autos wegfallen. Details zu einzelnen Standorten wollte Blume auch auf Nachfrage nicht nennen.

«Wir benötigen wettbewerbsfĂ€hige Kosten, um im Wettbewerb zu bestehen», sagte Finanzvorstand Arno Antlitz. «Das gilt fĂŒr Materialkosten, fĂŒr den Overhead, aber auch fĂŒr die Kosten unserer Werke, den Fabrikkosten. Und jetzt kommt der Wettbewerb aus China nach Europa und baut im Osten und SĂŒden Europas neue effiziente Werke. Dagegen können wir nicht mit unterausgelasteten Fabriken bestehen.»

Das AktionĂ€rstreffen fand erneut rein digital statt - wie bereits in den vergangenen beiden Jahren. Vorstand und Aufsichtsratsspitze waren dabei nicht einmal in Wolfsburg, sondern wurden aus MĂŒnchen zugeschaltet. In PrĂ€senz hatte Blume die eigenen Anteilseigner zuletzt 2023 empfangen. 

Aufsichtsratschef Pötsch soll wiedergewÀhlt werden 

Auf der Tagesordnung steht unter anderem die Wiederwahl von Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Der 75-JĂ€hrige soll fĂŒr weitere fĂŒnf Jahre in das Gremium gewĂ€hlt werden. «Mein Ziel war, ist und bleibt, meinen Beitrag zu leisten, dieses großartige Unternehmen wetterfest aufzustellen», sagte Pötsch. Seine Wahl gilt als sicher: GroßaktionĂ€r Porsche SE hĂ€lt mehr als 50 Prozent der Stimmrechte, zusammen mit dem Land Niedersachsen sind es mehr als 70 Prozent.

Einen ĂŒberraschenden RĂŒckzieher machte dagegen die zweite Kandidatin Susanne Wiegand. Die frĂŒhere Chefin des RĂŒstungskonzerns Renk habe ihre Kandidatur kurzfristig zurĂŒckgezogen, sagte Aufsichtsratschef Pötsch. Die 54-JĂ€hrige scheide damit zum Ende der heutigen Versammlung aus dem Gremium aus, sagte Pötsch. Wiegand war erst vor einem Jahr als NachrĂŒckerin in das VW-Kontrollorgan bestellt worden. Jetzt sollte sie erstmals fĂŒr eine volle Amtszeit in das Gremium gewĂ€hlt werden.

Diesel-Vergleich mit Winterkorn erneut zur Abstimmung

Erneut zur Abstimmung standen die Vergleiche im Diesel-Skandal, die der Konzern 2021 mit seinem frĂŒheren Vorstandschef Martin Winterkorn und mit den eigenen Manager-Haftpflichtversicherungen geschlossen hatte. 11,2 Millionen Euro sollte Winterkorn an den Konzern zahlen, im Gegenzug von weiteren AnsprĂŒchen freigestellt werden. 

DarĂŒber hatten die VW-AktionĂ€re bereits 2021 abgestimmt. Doch der Bundesgerichtshof erklĂ€rte die Zustimmung 2025 teilweise fĂŒr nichtig. Grund waren laut VW lediglich formale GrĂŒnde und nicht inhaltliche MĂ€ngel. Der Konzern wollte die Vergleiche mit Winterkorn und den Versicherungen daher nun inhaltlich weitgehend unverĂ€ndert erneut zur Abstimmung stellen.

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