Wadephul: Druck auf Moskau für Ende der Getreideblockade
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:50 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMan müsse dafür sorgen, "dass Europa hier lauter wird bei diesem Thema, und zweitens, dass die Staaten des Globalen Südens hier auch noch klarer ihre Interessen formulieren", sagte der CDU-Politiker nach Gesprächen im Vatikan. "Ich glaube, dann gibt es eine ernsthafte Chance, noch zu einer Lösung zu kommen". Mit dem Begriff Globaler Süden sind meist Länder in Lateinamerika, Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten und Asien gemeint.
"Die Zeit drängt, der Hunger naht bedauerlicherweise." Das Getreide drohe zu verderben, "und das dürfen wir nicht geschehen lassen", sagte Wadephul. "Es wäre eine weitere völlig unnötige Katastrophe. Und deswegen werde ich nicht müde werden, dieses Thema weiter zu bearbeiten." Der Minister hat bereits mehrfach vor drohenden Hungersnöten etwa in Afrika oder auch in Lateinamerika gewarnt, falls die Getreideblockade nicht endet.
Thema ist "außerordentlich akut"
Wadephul hatte sich mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der Nummer zwei im Vatikan, und dem Außenbeauftragten, Erzbischof Paul Gallagher, zu getrennten Gesprächen getroffen. Auch bei seinem Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow am vergangenen Samstag am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York hatte er über das Thema drohender Hungersnöte geredet. Greifbare Ergebnisse brachte das damalige Treffen nicht.
Das Thema sei "außerordentlich akut" und deswegen auch Gegenstand der Gespräche mit Parolin und Gallagher gewesen, sagte Wadephul. Gallagher habe versichert, dass er die Initiative für ein Ende der Blockade unterstütze und das Thema weiterhin in allen Gesprächen auch mit Russland ansprechen werde. Das sei wichtig, weil die Stimme des Vatikans gehört werde. Gallagher hatte Ende August in Moskau von Lawrow die Aufnahme "echter Verhandlungen" mit internationaler Unterstützung gefordert. Alle Vermittlungsversuche des Vatikans waren bislang allerdings gescheitert.
Papst Leo XIV. forderte erst diese Woche wieder internationale Anstrengungen für Gespräche über ein Kriegsende. Der Vatikan hat den Angriffskrieg auf die Ukraine verurteilt, versucht aber, den Dialog mit Russland aufrechtzuerhalten.
Gespräche mit Flüchtlingen
Teil der Reise war außerdem ein Besuch des evangelischen Außenministers bei der christlichen Hilfsorganisation Sant'Egidio. Der CDU-Politiker führte dort Gespräche mit Flüchtlingen - darunter ein Arzt aus Äthiopien - die von Sant'Egidio bei ihrer Integration in Italien unterstützt werden, etwa durch Sprachkurse. "Das sind natürlich wirklich bewegende Schicksale, die wir hier gesehen haben." Die Organisation ermöglicht schutzbedürftigen Menschen eine legale Einreise nach Italien und nimmt sie dann bei sich auf. "Das finde ich gelebte Nächstenliebe und das beeindruckt mich sehr", sagte Wadephul.
