Lebenswissenschaften, Life Sciences

Warum Lebenswissenschaften laut Nicole Junkermann das ultimative langfristige Investment sein könnten

15.04.2026 - 11:50:00
 

Nicole Junkermann hat sich zunehmend als langfristig orientierte Investorin im Bereich der Lebenswissenschaften positioniert, mit einem Fokus auf Systeme, wissenschaftliche Infrastruktur und langfristig ausgerichtetes Kapital. In einer Branche, die von kurzfristig orientierten Märkten oft missverstanden wird, betont Nicole Junkermann, dass Life Sciences nicht in Quartalen, sondern in Jahrzehnten gemessen wird.

An den Finanzmärkten lösen nur wenige Sektoren so starke Ausschläge zwischen Begeisterung und Skepsis aus wie die Life Sciences. Biotechnologische Durchbrüche können ganze therapeutische Felder verändern. Zugleich dauern klinische Entwicklungsprozesse oft Jahre. Regulatorische Wege sind komplex. Die Scheiterraten sind hoch.

Für Investoren, die an quartalsweisen Kennzahlen orientiert sind, kann der Sektor undurchsichtig und schwer kalkulierbar wirken. Für jene jedoch, die bereit sind, über unmittelbare Marktzyklen hinauszudenken, stellen die Life Sciences eines der überzeugendsten Felder für den Einsatz langfristigen Kapitals dar.

"In Life Sciences zu investieren ist grundlegend anders, als in Konsumtechnologie zu investieren", sagt Nicole Junkermann, Gründerin von NJF Capital, einer Venture-Investmentgesellschaft mit Fokus auf Gesundheitswesen und Frontier Innovation. "Man setzt nicht auf einen Produktzyklus. Man setzt auf Wissenschaft. Das erfordert Geduld und ein anderes Verständnis von Risiko."

Langfristige Investitionen in den Life Sciences: Nicole Junkermanns Sicht

Nicole Junkermann zufolge beginnt das Missverständnis oft beim Zeithorizont. Arzneimittelentwicklung und medizinische Innovation folgen biologischen Zeitachsen, nicht Marktzyklen. Eine therapeutische Plattform kann Jahre grundlegender Forschung benötigen, bevor sie in klinische Studien eintritt. Die regulatorische Zulassung kann noch länger dauern. Frühe Daten mögen vielversprechend erscheinen, werden dann jedoch in größeren Studien streng geprüft.

Kurzfristig orientierte Investoren können diese Volatilität als beunruhigend empfinden. Langfristiges Kapital erkennt darin hingegen die Möglichkeit, Systeme zu unterstützen, die über die Zeit hinweg an Wert gewinnen.

Über NJF Capital hat Nicole Junkermann in Unternehmen investiert, die KI-gestützte Plattformen zur Wirkstoffforschung entwickeln, sowie in Biotechnologieunternehmen, die sich mit den biologischen Mechanismen des Alterns befassen. Dabei handelt es sich nicht um spekulative Trades oder kurzfristige Assets. Es sind strukturelle Investitionen in wissenschaftliche Kapazitäten und Forschungsinfrastruktur.

"Die interessantesten Chancen sind nur selten Einzelwetten auf ein bestimmtes Asset", erklärt Nicole Junkermann. "Es sind Plattformen, Dateninfrastrukturen und Forschungsökosysteme, die verbessern, wie Wissenschaft betrieben und in die Patientenversorgung übertragen wird. Diese Systeme schaffen Wert, der über jedes einzelne Molekül hinausgeht."

Diese strukturelle Sicht auf die Lebenswissenschaften gewinnt an Bedeutung, da privates Kapital zunehmend entschlossener in den Sektor fließt. Investoren erkennen immer stärker, dass Fortschritte in der Onkologie, Immunologie, Erforschung seltener Krankheiten und Präventivmedizin nachhaltige Finanzierung und institutionelle Unterstützung erfordern.

Anders als Branchen, die primär durch Zyklen der Konsumentennachfrage geprägt sind, sind die Life Sciences in demografischer und medizinischer Realität verankert. Die Bevölkerung altert. Die Belastung durch chronische Krankheiten nimmt zu. Gesundheitssysteme geraten zunehmend unter Druck. Wissenschaftliche Innovation ist nicht optional. Sie ist grundlegend.

Private Märkte, Geduld und wissenschaftliche Infrastruktur

Nicole Junkermann hat darauf hingewiesen, dass öffentliche Märkte mit ihrem Fokus auf Quartalsergebnisse und unmittelbare Kurstreiber oft Schwierigkeiten haben, wissenschaftliche Unsicherheit angemessen zu bewerten. Der Weg vom Labor zum Patienten verläuft nur selten geradlinig. Klinische Rückschläge sind Teil des Forschungsprozesses. Regulatorische Verzögerungen kommen häufig vor.

Private Investoren mit längerfristigen Mandaten sind oft besser aufgestellt, um diese Komplexität aufzufangen. Sie können Kapital bereitstellen, das an mehrjährige Meilensteine statt an quartalsweise Berichtstermine gebunden ist.

"Langfristig in Wissenschaft zu investieren bedeutet, zu akzeptieren, dass Fortschritt iterativ verläuft", merkt Nicole Junkermann an. "Man braucht Governance-Strukturen, die die Integrität der Forschung schützen, Führungsteams, die regulatorische Komplexität verstehen, und Kapital, das auf nachhaltige Entwicklung ausgerichtet ist."

Diese Ausrichtung wird zunehmend als Wettbewerbsvorteil betrachtet. In den vergangenen Jahren haben sich mehr Biotechnologieunternehmen dafür entschieden, länger privat zu bleiben und zunächst ihre Pipelines sowie ihre Daten- und Analysekapazitäten zu stärken, bevor sie an die öffentlichen Märkte gehen. Diese Entscheidung spiegelt mehr wider als nur zyklische Marktbedingungen. Sie zeigt die Einsicht, dass wissenschaftliche Innovation sich nicht sauber in Quartalserwartungen einfügt.

Für Investoren, die bereit sind, diesen Zeithorizont einzunehmen, reichen die Erträge über rein finanzielle Ergebnisse hinaus. Fortschritte in der maschinellen lernbasierten Forschung, der Genommedizin und regenerativen Therapien haben das Potenzial, Krankheitsdiagnostik und Behandlung grundlegend zu verändern. Die Wirkung kann systemisch sein.

Nicole Junkermanns Ansatz für Investitionen in die Life Sciences richtet sich auf eben diese langfristige Transformation. Statt sich auf einzelne Produkte zu konzentrieren, liegt der Schwerpunkt darauf, wissenschaftliche Plattformen und Governance-Systeme zu stärken, die künftige Behandlungsstandards tragen.

In einer Zeit, in der Kapital häufig Geschwindigkeit und Liquidität priorisiert, nehmen die Life Sciences eine Sonderstellung ein. Der Bereich verlangt Überzeugung. Er verlangt Geduld. Und er verlangt Investoren, die bereit sind, über den nächsten Earnings Call hinauszudenken.

Wie Nicole Junkermann immer wieder betont hat, ist der Sektor nicht von Natur aus volatil oder spekulativ. Er wird lediglich nach einer anderen Uhr gemessen.