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Was die EU und Kanada planen

Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 06:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen und des schwierigen VerhĂ€ltnisses zu den USA rĂŒcken die EuropĂ€ische Union und Kanada enger zusammen.

Zum Abschluss eines zweitĂ€gigen Gipfels im kanadischen Montreal soll heute eine Reihe von Vorhaben fĂŒr eine vertiefte Zusammenarbeit vereinbart werden.

"Heute beginnen wir - die EuropĂ€ische Union und Kanada - ein neues Kapitel in unseren Beziehungen", erklĂ€rte Bundeskanzler Friedrich Merz, der selbst nicht dabei sein konnte, wĂ€hrend seiner Asienreise. Zusammen wĂŒrden beide Partner eine "Allianz fĂŒr die Zukunft" grĂŒnden.

Merz machte damit auch deutlich, dass er den Begriff "assoziierte Mitgliedschaft" weiterhin ablehnt. Mit diesem Ausdruck will EU-KommissionsprÀsidentin Ursula von der Leyen eigentlich die neuen Beziehungen zu Kanada beschreiben und qualitativ aufwerten.

Einigkeit gibt es indes darĂŒber, dass eine einzigartige Verbindung eingegangen werden soll, die auch die AbhĂ€ngigkeit von anderen LĂ€ndern reduziert. Dabei geht es um China, aber auch um die USA. Die Politik von US-PrĂ€sident Donald Trump hat das Vertrauen der EuropĂ€er und Kanadier in den traditionell wichtigsten VerbĂŒndeten erschĂŒttert.

Das ist geplant

Laut dem Entwurf fĂŒr die Gipfel-AbschlusserklĂ€rung und einer Rede von der Leyens soll unter anderem in folgenden Bereichen die Kooperation ausgebaut werden:

ENERGIE UND KRITISCHE ROHSTOFFE:

Die EU und Kanada wollen stĂ€rker bei der Energiesicherheit zusammenarbeiten - etwa durch eine Machbarkeitsstudie fĂŒr LNG-Exporte nach Europa. Auch soll das Abkommen ĂŒber die nukleare Zusammenarbeit zwischen Kanada und der EuropĂ€ischen Atomgemeinschaft Euratom modernisiert werden.

Laut dem Entwurf fĂŒr die GipfelerklĂ€rung haben Kanada und die EuropĂ€ische Investitionsbank schon Verhandlungen ĂŒber ein Abkommen abgeschlossen, das europĂ€ische Investitionen in die Förderung kanadischer Rohstoffvorkommen erleichtern soll. Dazu gehören insbesondere kritische Rohstoffe wie seltene Erden, die unter anderem fĂŒr E-Auto-Motoren, Halbleiter und Batterien, Clean-Tech und die Verteidigungsindustrie wichtig sind. Die Importe solcher kritischen Rohstoffe aus Kanada sind zwischen 2024 und 2025 laut EU-Angaben bereits um 62 Prozent gestiegen.

HANDEL UND DIGITALES:

Die EU und Kanada möchten Handelshemmnisse abbauen, Investitionen fördern und sich verlĂ€sslicher mit wichtigen GĂŒtern versorgen. Ein neues Digitalhandelsabkommen soll grenzĂŒberschreitende GeschĂ€fte erleichtern.

Zwischen 2016 und 2025 nahm der beidseitige Handel mit Waren und Dienstleistungen um 80 Prozent zu. Mit der EU ist Kanada derzeit vor allem ĂŒber das Freihandelsabkommen Ceta eng verbunden. Es wird seit 2017 vorlĂ€ufig angewendet, ist aber noch immer nicht endgĂŒltig in Kraft, weil manche EU-Staaten das Abkommen nicht ratifiziert haben. Die EU ist Kanadas zweitgrĂ¶ĂŸter Handelspartner.

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ:

Beide Seiten wollen bei der internationalen Regulierung und Sicherheit KĂŒnstlicher Intelligenz enger zusammenarbeiten. Kanada und die EU wollen außerdem den gegenseitigen Zugang zu ihren digitalen MĂ€rkten erleichtern, darunter zu Cloud- und KI-Dienstleistungen sowie der entsprechenden Infrastruktur. Kanada soll zudem in die europĂ€ische Hochleistungsrecheninfrastruktur integriert werden.

WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG:

Kanada soll stĂ€rker in das Programm Erasmus+ eingebunden werden. Außerdem sollen Hindernisse fĂŒr FachkrĂ€fte und Forschende abgebaut und Berufsqualifikationen leichter anerkannt werden.

SICHERHEIT, UKRAINE, NAHOST:

Geplant ist mehr Zusammenarbeit bei Verteidigung, Cyberabwehr und Schutz wichtiger Infrastruktur. Beide Seiten bekrĂ€ftigen ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine. Kanada ist bereits Teil des EU-Programms Safe fĂŒr gĂŒnstige Darlehen zur gemeinsamen Beschaffung von RĂŒstungsgĂŒtern und soll sich auch am EU-UnterstĂŒtzungskredit fĂŒr das von Russland angegriffene Land beteiligen. Beide Seiten wollen auch beim Thema Nahost gemeinsam auf Lösungen hinarbeiten.

ENGERE ANBINDUNG AN DIE EU:

Bis zum nĂ€chsten Gipfel im Jahr 2027 soll ein Konzept fĂŒr eine engere Anbindung entstehen - ohne Vollmitgliedschaft. RegelmĂ€ĂŸige Treffen sollen helfen, gemeinsame Interessen besser nach außen zu vertreten. Von der Leyen machte dabei deutlich, dass sie trotz des Widerstands mehrerer EU-Staaten an der Idee einer "assoziierten Mitgliedschaft" Kanadas festhalten will. Ziel sei eine "Assoziierung ohne Beitritt" und eine Partnerschaft, die einer Mitgliedschaft nĂ€her komme als alles, was man bisher getan habe. Das Modell könnte ihrer Ansicht nach den engsten Partnern außerhalb Europas offenstehen, "die bereit sind, zusammen Neuland zu erschließen - und gemeinsam mit uns den Kurs zu bestimmen".

Streit um zwei Worte

Aus dem Entwurf der GipfelerklĂ€rung wurde die umstrittene Mitgliedschaftsbezeichnung gestrichen. Aus Sicht der Bundesregierung hĂ€tte vor der Verwendung dieser Bezeichnung mit den EU-Mitgliedstaaten darĂŒber gesprochen werden sollen - unter anderem deswegen, weil sie auf Initiative von Bundeskanzler Merz hin schon im Zusammenhang mit dem EU-Beitrittsprozess der Ukraine genutzt wird.

In den USA dĂŒrfte die AnnĂ€herung mit großem Interesse verfolgt werden. Trump hatte den Vorstoß fĂŒr eine assoziierte EU-Mitgliedschaft Kanadas in einer ersten Reaktion als lĂ€cherlich bezeichnet. FĂŒr den Fall, dass diese AnnĂ€herung als "feindseliger Akt" US-Interessen schaden sollte, drohte er mit Konsequenzen. Er wĂŒrde dann hohe Zölle verhĂ€ngen oder den Handel mit Europa in vielen Bereichen einstellen, warnte er.

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