WDH/ ROUNDUP 2/ BND-Indizien zu Corona: China mahnt zur ZurĂŒckhaltung
Veröffentlicht am: 13.03.2025 um 19:04 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(Wort ergÀnzt)
PEKING/BERLIN (dpa-AFX) - Nach Berichten ĂŒber Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes (BND) zur Entstehung des Coronavirus hat China zur ZurĂŒckhaltung gemahnt. In den Berichten ging es um Hinweise fĂŒr die Hypothese, das Virus entstamme einem Labor in China. "In der Frage des Coronavirus lehnt China jegliche Form politischer Manöver entschieden ab", sagte AuĂenamtssprecherin Mao Ning in Peking. Die Volksrepublik vertrete die Ansicht, dass wissenschaftliche Fragen von Wissenschaftlern beurteilt werden sollten.
Ăberrascht wurden von den Berichten nicht nur chinesische Regierungsbeamten, sondern auch die Mitglieder des fĂŒr die Kontrolle der Geheimdienste zustĂ€ndigen Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) des Bundestages. "Es gibt leider ein grundsĂ€tzliches Problem: Rund 80 Prozent aller Skandale, Pannen und hochbrisanten VorgĂ€nge erfahren wir nicht in den zustĂ€ndigen Gremien, sondern ĂŒber die Medien", kritisiert Linken-Politiker AndrĂ© Hahn, der dem PKGr bis Ende 2023 angehörte. "Das ist in den letzten Jahren etwas besser geworden", rĂ€umte er ein.
Hahn sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Das Thema Corona stand nicht im Zentrum unserer TÀtigkeit." Fragen zum Ursprung des Virus habe man eher im Gesundheitsausschuss verortet. "Wenn die Bundesregierung dazu nachrichtendienstliche Erkenntnisse hatte, dann wÀre sie aber verpflichtet gewesen, das PKGr zu informieren. Ob sie diese dann zusÀtzlich auch öffentlich macht, das steht auf einem anderen Blatt."
Die chinesische AuĂenamtssprecherin verwies auf eine Expertengruppe der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die in Wuhan mit Forschern relevanter Laboratorien gesprochen habe. Diese sei zu dem Schluss gelangt, dass ein Durchsickern des Virus von dort "höchst unwahrscheinlich" gewesen sei, erklĂ€rte Mao.
FĂŒr WHO ist die Untersuchung nicht abgeschlossen
Allerdings betont die WHO seit vier Jahren, dass alle Hypothesen zum Ursprung des Virus Sars-CoV-2 weiter auf dem Tisch liegen. Die Untersuchung 2021 sei nur der Anfang, nicht das Ende gewesen. Die WHO hat China erst Ende Dezember 2024 wieder aufgerufen, "Daten und Zugang zur VerfĂŒgung zu stellen, damit wir die UrsprĂŒnge von Covid-19 verstehen können. Dies ist ein moralisches und wissenschaftliches Gebot."
Wie mehrere Medien berichteten, hatte das Kanzleramt Wissenschaftler gebeten, Indizien des BND zur Behauptung zu prĂŒfen, das Coronavirus entstamme einem Labor in der zentralchinesischen Stadt Wuhan. Der "Neuen ZĂŒrcher Zeitung" zufolge lagen dem BND plausible Hinweise fĂŒr die sogenannte Laborthese vor. Diese sollten demnach bei Treffen in den vergangenen Monaten von einer Expertenrunde bewertet werden.
Informationen zur EinschĂ€tzung dieser Experten lagen zunĂ€chst nicht vor. Auch die "SĂŒddeutsche Zeitung" und die "Zeit" berichten ĂŒber entsprechende Rechercheergebnisse. Der Laborthese zufolge stammt das Sars-CoV-2-Virus aus einem chinesischen Biolabor, dem Wuhan Institute of Virology, an dem unter anderem an Coronaviren geforscht wird. Die zweite Theorie ist, dass das Virus wie auch schon das der Sars-Epidemie von 2002/2003 einen natĂŒrlichen Ursprung hatte.
Drosten: Quelldaten nicht zugÀnglich
Der beteiligte Berliner Virologe Christian Drosten sagte, die zusammengefasste Darstellung der Ergebnisse durch den BND habe ihn zwar beeindruckt, die Quelldaten seien dem Kreis der Wissenschaftler aber nicht zugĂ€nglich gemacht worden. "Ich kann daher schon allein mangels Datenzugang kein wissenschaftliches Urteil abgeben." Bei der bisherigen öffentlichen Informationslage ergebe sich jedoch eine deutlich ĂŒberwiegende Wahrscheinlichkeit eines natĂŒrlichen Virus-Ursprungs, "und so wurde es auch stets von mir ausgedrĂŒckt: FĂŒr keine der Herkunftshypothesen gibt es einen Beweis, aber es gibt eine deutliche Gewichtung der Wahrscheinlichkeit".
Auf die Berichte angesprochen, hatte Kanzler Olaf Scholz (SPD) bei einem Pressetermin im Kanzleramt am Mittwoch lediglich geantwortet: "Was nachrichtendienstliche Erkenntnisse betrifft, ist dies nicht der Ort, darĂŒber zu sprechen."
Merkel weist Vorwurf grundsĂ€tzlich zurĂŒck
Seine VorgĂ€ngerin, Altkanzlerin Angela Merkel (CDU), verwahrte sich angesichts der Berichte ĂŒber Geheimdiensterkenntnisse zum Ursprung des Virus gegen VertuschungsvorwĂŒrfe in Bezug auf ihr politisches Handeln. "Bundeskanzlerin a. D. Dr. Merkel weist den in Ihrer Frage formulierten Vorwurf ganz grundsĂ€tzlich zurĂŒck", teilte eine Sprecherin dem "Tagesspiegel" mit. Die Zeitung hatte das BĂŒro Merkels nach einer Reaktion zu dem Vorwurf gefragt, das Kanzleramt habe relevante Informationen vor der Ăffentlichkeit vertuscht.
Der PKGr-Vorsitzende, Konstantin von Notz, hatte generell begrĂŒĂt, "dass sich auch der Bundesnachrichtendienst intensiv mit der Frage nach dem Ursprung des Coronavirus beschĂ€ftigt". Die Bundesregierung und die Nachrichtendienste mĂŒssten dazu in den kommenden Tagen in den dafĂŒr vorgesehenen Gremien umfassend berichten, auch ĂŒber die ZeitablĂ€ufe und zur Frage, wer was wann wusste.
