Wechseljahre im Job: Großbritannien plant Menopause-Strategie ab 2027
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deInternationale Gesetzesinitiativen und eine wachsende öffentliche Aufmerksamkeit rücken den Umgang mit Wechseljahresbeschwerden zunehmend in den Fokus der betrieblichen Arbeitsgestaltung. Berichte zeigen auf, wie ausländische Vorgaben und innerbetriebliche Initiativen den Arbeitsalltag von Betroffenen beeinflussen und den Druck auf Arbeitgeber erhöhen, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.
Gesetzliche Verpflichtungen und internationale Initiativen
In mehreren europäischen Ländern gewinnt die Thematik an arbeitsrechtlicher Relevanz. In Großbritannien müssen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden ab 2027 verpflichtend eine eigenständige Menopausen-Strategie vorweisen.
Auch in Frankreich steht das Thema auf der politischen Agenda: Das französische Parlament hatte 2025 einen Bericht mit 25 Empfehlungen zur Menopause veröffentlicht. Am 15. Oktober 2026 organisierte Gesundheitsministerin Stéphanie Rist in Paris die ersten Assises de la Ménopause.
Nach dort präsentierten Umfragedaten haben mehr als 17 Millionen Französinnen das Thema im Blick; eine von drei Frauen erlebte im Beruf bereits Schwierigkeiten durch entsprechende Symptome, und 83 Prozent der befragten Frauen gaben an, dass die Menopause das Berufsleben beeinflussen könne.
Frankreichs Arbeitsminister Jean-Pierre Farandou kündigte bei der Konferenz am 15. Oktober 2026 an, die Arbeitsbedingungen anzupassen. Zu den geplanten Maßnahmen zählen die Mobilisierung der Betriebe, die stärkere Nutzung der arbeitsmedizinischen Visite zur Mitte der Erwerbsbiografie sowie eine verbesserte Ausstattung von Arbeitsmedizinern.
Ziel sei es, zu verhindern, dass die Menopause ein Karrierehindernis darstellt. Auf internationaler Ebene veröffentlichte die International Organization for Standardization (ISO) Anfang 2026 die Norm ISO 45010. Diese enthält Leitlinien für Arbeitgeber, um Beschäftigte bei Menstruation und Menopause zu unterstützen.
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Die Norm gliedert sich in vier Handlungsfelder: die physische Arbeitsumgebung, die Arbeitsgestaltung, betriebliche Richtlinien und die Organisationskultur.
Brenda Baxter, Vorsitzende des Canadian Centre for Occupational Health and Safety und an der Entwicklung der Norm beteiligt, empfahl Arbeitgebern die Überprüfung betrieblicher Hilfsprogramme, des Versicherungsschutzes und der Arbeitsschutzrichtlinien.
Hohe Relevanz für den deutschen Arbeitsmarkt
In Deutschland erfährt die Thematik ebenfalls Beachtung. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes veröffentlichte den Bericht „Gleichberechtigt in den Wechseljahren“. Frauen im Alter von 40 bis 59 Jahren zählen hierzulande zu den am stärksten erwerbstätigen Gruppen. Fast jede fünfte erwerbstätige Frau erwägt wegen Wechseljahresbeschwerden einen früheren Ruhestand.
Insgesamt befinden sich nach Angaben von Pro Familia deutschlandweit 9 bis 11 Millionen Deutsche in der Perimenopause, von denen 85 Prozent ähnliche Symptome aufweisen. Für Schleswig-Holstein nannte Achim Rody vom UKSH Lübeck Schätzungen von 150.000 bis 300.000 erwerbstätigen Frauen in den Wechseljahren.
Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2023 bezifferte die volkswirtschaftlichen Kosten von Wechseljahresbeschwerden auf rund 9,4 Milliarden Euro pro Jahr, begleitet von fast 40 Millionen verlorenen Arbeitstagen. Die letzte Regelblutung tritt demnach bei etwa der Hälfte der Frauen rund um das 51. oder 52. Lebensjahr ein.
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Betriebliche Herausforderungen und wirtschaftliche Potenziale
Eine Umfrage von Environics unter erwerbstätigen Frauen ab 50 Jahren mit Peri- oder Menopause-Erfahrung ergab, dass 58 Prozent der Befragten ihre effektive Arbeitsleistung durch Symptome erschwert sehen.
Nur 36 Prozent fühlten sich wohl dabei, ihre Bedürfnisse anzusprechen. Lediglich 14 Prozent glaubten an eine sinnvolle Unterstützung durch ihren Arbeitgeber, während 49 Prozent eine solche verneinten. Betroffene Frauen griffen demnach häufiger zu Mental-Health-Hilfen (17 Prozent gegenüber 8 Prozent) sowie zu Schlafhilfen (23 Prozent gegenüber 10 Prozent).
Laut einer Erhebung der Society for Women’s Health Research empfinden 59 Prozent der Frauen Unbehagen dabei, nach arbeitsplatzbezogenen Anpassungen zu fragen. Eine internationale Studie des Herstellers Essity stellte fest, dass sich nur 20 Prozent der Frauen gut über die Menopause informiert fühlen und lediglich 27 Prozent wissen, was die Perimenopause bedeutet.
Einige Konzerne reagieren mit freiwilligen Zusatzangeboten: Salesforce offeriert weltweit Coaching-Programme wie Cleo, bis zu 12 kostenlose Beratungssitzungen pro Jahr über Lyra Health sowie Angebote von BetterUp, Midi Health, Carrot und Peppy.
Neben der Arbeitsplatzgestaltung wächst auch das kommerzielle Interesse: Die Boston Consulting Group bezifferte das finanzielle Potenzial des Menopause-Markts auf 350 Milliarden US-Dollar.
Finanzinvestoren und Pharmaunternehmen investieren Milliarden in Produkte und betriebliche Zusatzleistungen, während Fachleute betonen, dass vor allem Aufklärung, flexible Arbeitszeiten und das Verständnis betrieblicher Führungskräfte praktische Abhilfe im Arbeitsalltag schaffen können.
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