Wechseljahre, Job

Wechseljahre im Job: Zwei Drittel der Frauen leiden unter starken Beschwerden

Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Analyse zeigt seltene Wirkungskontrollen in Betriebsvereinbarungen; Fachleute plädieren für feste Zuständigkeiten und systematische Gesundheitsförderung.
Ein heller, minimalistischer Büroraum mit ergonomischen Möbeln und Blick in einen grünen Wald. Illustration mit AI erstellt.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des wachsenden Fachkräftemangels gewinnt die Erhaltung der Mitarbeitergesundheit zunehmend an gesellschaftlicher Relevanz.

Dennoch werden die konkreten Konsequenzen für die Arbeitswelt in vielen Betrieben nach wie vor nur unzureichend berücksichtigt, wie das Fachportal arbeitsschutzdigital.de in einem Bericht vom 02.11.2026 festhält. Betriebliche Gesundheitsbenefits rücken dadurch verstärkt als notwendiger Bestandteil einer nachhaltigen Unternehmensführung in den Fokus.

Von isolierten Maßnahmen zu strategischer Governance

Dass punktuelle Angebote für eine wirksame Gesundheitsförderung nicht genügen, betonen auch Dienstleister der Branche. Die Schweizer Versicherungsgruppe Groupe Mutuel, die mit über 200 Spezialisten Unternehmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement begleitet, verweist auf fünf zentrale Erfolgsfaktoren.

Demnach müsse Gesundheit als Priorität der Geschäftsleitung direkt in der Führungsstruktur verankert werden. Zudem gelte es, die Ausgangslage präzise zu analysieren und die Beschäftigten aktiv einzubeziehen.

Statt rein das individuelle Verhalten zu adressieren, sollten Betriebe die eigentlichen Arbeitsbedingungen verbessern – darunter Arbeitsorganisation, Rollenklarheit, Arbeitslast, Ergonomie und Führungsqualität.

Führungskräfte müssten zudem durch regelmäßige Gespräche zur Früherkennung von Überlastung befähigt werden. Klare Verantwortlichkeiten seien erforderlich, da isolierte Aktionen wie ein jährlicher Gesundheitstag oder das Bereitstellen von Obstkörben laut Groupe Mutuel keine nachhaltige Wirkung entfalten.

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Diesen Wandel treiben auch Industrieunternehmen voran. Bei MSD Czech Republic betonte Personalchefin Hana Táborská, dass klassische Leistungen wie Essensgutscheine oder Fitnessstudio-Zuschüsse nicht mehr ausreichen, um Fachkräfte langfristig zu binden.

Das Unternehmen setzt stattdessen auf Programme wie die Initiative „Active Employee Strategy“, um körperliche und psychische Gesundheit zu fördern und die Belegschaft zugleich auf Digitalisierung und künstliche Intelligenz vorzubereiten.

Nach Angaben von Eurostat aus dem Jahr 2025 lag die Beschäftigungsquote der 20- bis 64-Jährigen in Tschechien bei 82,9 Prozent und im EU-Schnitt bei 76,1 Prozent. In der Gruppe der 55- bis 64-Jährigen betrug die Erwerbsquote in der EU 66,4 Prozent, wobei der Anteil bei Frauen 60,8 Prozent und bei Männern 72,3 Prozent erreichte.

Vereinbarungen zeigen Defizite bei der Wirkungsmessung

Wie groß die Lücke zwischen Anspruch und betrieblicher Praxis oft ist, belegt eine Untersuchung der Organisationen ADAPT, Marsh und Jointly. Die Partner analysierten 1.321 Betriebsvereinbarungen aus den Jahren 2022 bis 2024. Zwar enthielten 47 Prozent der Vereinbarungen mindestens eine Wohlfahrtsmaßnahme – schwerpunktmäßig zu Vereinbarkeit, finanzieller Unterstützung, Vorsorge, Gesundheit und Bildung –, doch Aspekte wie Governance, strukturierte Anhörung und systematische Wirkungsmessung blieben selten.

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Das Thema Wohlfahrt tauchte in 43 Prozent der Texte auf, allgemeines Wohlbefinden in 19 Prozent und der Begriff Wellbeing lediglich in zwei Prozent. Die Autoren der Untersuchung fordern daher einen Übergang von Einzelmaßnahmen hin zu geregelten Prozessen mit Zielvorgaben, paritätischen Gremien und regelmäßiger Wirkungsprüfung.

Als ein positives Fallbeispiel führt die Studie das Energieunternehmen Eni an, das Ende 2022 mit dem Protokoll „Noi“ Anhörungsinstrumente, Befragungen, Benchmarks und ein begleitendes Komitee etablierte.

Demografische Handlungsfelder und Prävention

Die Notwendigkeit zielgerichteter betrieblicher Angebote zeigt sich auch bei spezifischen gesundheitlichen Herausforderungen im Berufsleben. Laut Cornelia Weingärtner von der Krankenkasse BARMER leiden zwei Drittel der Frauen in den Wechseljahren unter starken Beschwerden, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken können.

In Deutschland sind rund neun Millionen erwerbstätige Frauen zwischen 40 und 59 Jahre alt und fallen damit in diese Lebensphase; in Baden-Württemberg sind es nach Angaben des Statistischen Landesamts rund 2,3 Millionen erwerbstätige Frauen.

Eine Hochrechnung der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin aus dem Jahr 2024 verdeutlicht, dass Beschwerden in den Wechseljahren zu spürbaren gesamtwirtschaftlichen Einbußen führen. Dennoch gaben in einer umfrage aus demselben Jahr lediglich 7 Prozent der Personalverantwortlichen an, die Thematik aktiv im Betrieb aufzugreifen.

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