Wehrerfassung: 451.400 Fragebögen an 18-JÀhrige seit Juli
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 09:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Bundeswehr hat mit der militÀrischen Pflichtmusterung begonnen. Seit Juli 2026 werden 18-jÀhrige MÀnner auch dann zu einer Untersuchung herangezogen, wenn sie zuvor kein Interesse an einem Dienst in den StreitkrÀften bekundet haben. Zwischen dem 1. Juli und dem 31. August 2026 wurden bereits fast 1.000 Musterungen vorgenommen.
Aufbau neuer Musterungszentren und hohe RĂŒcklaufquoten
Die vollstĂ€ndige flĂ€chendeckende Pflichtmusterung soll ab Juli 2027 greifen und fĂŒr den Geburtsjahrgang 2008 gelten. Zu diesem Zweck befinden sich derzeit 24 Musterungszentren im Aufbau.
Im Rahmen des neuen Modells werden ab 2026 alle 18-jĂ€hrigen MĂ€nner per Fragebogen wehrerfasst, wĂ€hrend die Beantwortung fĂŒr Frauen auf freiwilliger Basis erfolgt. Bis Ende August 2026 verschickte die Bundeswehr ĂŒber 451.400 Wehrerfassungs-Fragebögen.
Davon gingen 231.700 an MĂ€nner und 219.700 an Frauen sowie Personen mit weiterem Geschlechtseintrag. Der RĂŒcklauf lag bei den MĂ€nnern bei rund 96 Prozent, wĂ€hrend er bei Frauen und anderen bei rund 3,5 Prozent lag. Ein Interesse am Wehrdienst gaben rund 22 Prozent der antwortenden MĂ€nner und rund 55 Prozent der antwortenden Frauen und anderen an.
Auf Basis der RĂŒckmeldungen fanden bisher 3.400 Assessments statt, aus denen 1.155 Bewerber fest eingeplant wurden. Insgesamt verzeichnete die Bundeswehr im August 53.100 Bewerbungen, was einem Zuwachs von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht, sowie 17.000 Neueinstellungen, ein Plus von 13 Prozent.
Vom Jahresbeginn bis zum 31. August 2026 gab es aus rund 53.100 Bewerbungen ebenfalls rund 17.000 Verpflichtungen, was einem Anstieg von 13 Prozent gegenĂŒber 2025 entspricht. Die Zahl der freiwillig Wehrdienstleistenden und kurzdienenden Zeitsoldaten stieg mit rund 11.400 Personen um sechs Prozent im Vorjahresvergleich.
Seit Juli 2026 lĂ€dt die Bundeswehr 18-jĂ€hrige MĂ€nner auch ohne Dienstinteresse zur Musterung â bis Ende August wurden bereits fast 1.000 Untersuchungen vorgenommen, und ab Juli 2027 soll die flĂ€chendeckende Pflichtmusterung greifen. FĂŒr Personalverantwortliche heiĂt das: AusfĂ€lle frĂŒh einplanen und Freistellungsfragen klĂ€ren, bevor der erste Mitarbeiter fehlt. Kostenlosen HR-Leitfaden zur Wehrerfassung anfordern
Personalziele und Debatte ĂŒber kĂŒnftige Auswahlverfahren
Zum Stichtag 31. August 2026 betrug die TruppenstĂ€rke der Bundeswehr 186.400 aktive Soldaten und lag damit um 4.000 ĂŒber dem Niveau des Vorjahres. Der Zielkorridor fĂŒr 2026 bewegt sich zwischen 186.000 und 190.000 KrĂ€ften. FĂŒr das Jahr 2035 wird ein Umfang von 255.000 bis 270.000 aktiven Soldaten angestrebt.
Bis zum Jahr 2030 plant die Bundeswehr zudem mit ĂŒber 100.000 Freiwilligen fĂŒr den Heimatschutz und die Reserve, wobei der Wehrdienst eine Mindestdauer von sechs Monaten umfasst. Sollten die Zahlen der Freiwilligen nicht ausreichen, könnte bis zum Ende des Jahrzehnts eine RĂŒckkehr zur Wehrpflicht erfolgen.
Verteidigungsminister Pistorius strebt an, den Wehrdienst ĂŒber eine verbesserte Bezahlung sowie eine optimierte Unterbringung attraktiver zu gestalten. Ein entsprechender Gesetzentwurf sieht Mechanismen fĂŒr ein Wiederaufleben der Wehrpflicht vor, falls das Freiwilligenaufkommen unzureichend bleibt.
Um 60.000 zusÀtzliche Soldaten aufzubauen, sollten bis Ende 2025 insgesamt 11.000 neue Stellen geschaffen werden, wÀhrend langfristig ein Pool von 200.000 Reservisten vorgesehen ist.
Der RĂŒcklauf bei den MĂ€nnern liegt bei rund 96 Prozent â die Wehrerfassung erreicht fast jeden 18-jĂ€hrigen Mitarbeiter, und aus den Assessments sind bereits ĂŒber 1.100 Bewerber fest eingeplant. Wer jetzt keine Ausfallplanung fĂŒr Musterung und Dienst aufsetzt, plant Personal im Blindflug. Der Leitfaden zeigt Ihnen Schritt fĂŒr Schritt, wie Sie betroffene JahrgĂ€nge identifizieren und Ersatz rechtzeitig aufbauen. Checkliste Ausfallplanung jetzt herunterladen
Ăber die Ausgestaltung der kĂŒnftigen Erfassung wird weiter diskutiert. CDU, CSU und SPD schlugen als Kompromiss vor, Wehrpflichtige per Los zu ermitteln, um den organisatorischen Aufwand bei Musterungen zu senken und Ungleichbehandlungen zu vermeiden. Ein entsprechender Entwurf gestattet eine Einberufung ausschlieĂlich bei sicherheitspolitischem Bedarf.
Generalinspekteur Carsten Breuer sprach sich gegen ein solches Losverfahren aus. Er fordert stattdessen eine komplette Jahrgangsmusterung bis 2030, um die Personalressourcen im Krisenfall verbindlich beurteilen zu können. Im Falle eines verpflichtenden Dienstes sollten geeignete Personen gezielt nach Bedarf, Qualifikation und Motivation eingezogen werden.
