MĂ€nner, Frauen

Weibliche DAX-AufsichtsrÀte nur halb so lang im Amt wie MÀnner

08.05.2026 - 08:28:07 | presseportal.de

MĂŒnchen - - MĂ€nnliche DAX-AufsichtsrĂ€te bleiben fast zehn Jahre, Frauen nur rund fĂŒnf Jahre

Weibliche DAX-AufsichtsrÀte nur halb so lang im Amt wie MÀnner - Foto: presseportal.de
Weibliche DAX-AufsichtsrÀte nur halb so lang im Amt wie MÀnner - Foto: presseportal.de

- Keine Trendumkehr: Frauenanteil bleibt unter dem 40%-Rekordwert von 2024

- Gesuchte CEO-Erfahrung benachteiligt Frauen

- DAX fĂ€llt im internationalen Vergleich weiter zurĂŒck

- Zahl der weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden steigt auf fĂŒnf

Weibliche DAX-AufsichtsrĂ€te scheiden deutlich frĂŒher aus dem Amt aus als MĂ€nner. Die Schere hat sich in den letzten fĂŒnf Jahren immer weiter geöffnet. Blieben 2022 Frauen im Schnitt rund zwei Jahre lĂ€nger im Amt als MĂ€nner, waren sie 2026 mit einer Verweildauer von durchschnittlich 5,4 Jahren im Vergleich zu MĂ€nnern mit 9,5 Jahren nur noch rund halb so lang im Amt. Die LĂŒcke zur Verweildauer der in diesem Jahr ausscheidenden MĂ€nner ist zweieinhalb Mal so groß wie im Zehnjahresdurchschnitt.

Mehr Frauen scheiden aus als nachrĂŒcken

Gleichzeitig bleibt der Frauenanteil in DAX-AufsichtsrĂ€ten zwei Prozentpunkte unter dem Rekordwert von vor zwei Jahren (38,3% gegenĂŒber 40,3%*). Bis 2024 ging es 15 Jahre kontinuierlich bergauf mit dem Frauenanteil in den AufsichtsrĂ€ten des wichtigsten deutschen Aktienindex und dieser ĂŒberschritt in dem Jahr zum ersten Mal die 40%-Marke. Der rĂŒcklĂ€ufige Trend setzt sich 2026 fort. Erneut scheiden in diesem Jahr mehr Frauen aus als neu gewĂ€hlt wurden. Das zeigt die jĂ€hrliche Analyse der DAX-AufsichtsrĂ€te durch die Personalberatung Russell Reynolds Associates.

DAX verliert im europÀischen Vergleich an Boden

International fĂ€llt der DAX das zweite Jahr in Folge zurĂŒck. Im Vergleich mit den zehn wichtigsten Börsenindizes Europas liegt der DAX auf Platz acht. Der Frauenanteil im DAX entwickelt sich dabei gegen den europĂ€ischen Trend. Mit Ausnahme Frankreichs steigt der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der Unternehmen der wichtigsten europĂ€ischen Aktienindizes. An der Spitze steht Frankreich mit jetzt rund 47%, gefolgt von Norwegen (rund 46%), UK und Italien (rund 45%) sowie DĂ€nemark und den Niederlanden (rund 43%).

Zahl weiblicher Aufsichtsratsvorsitzender steigt

Einen positiven Trend zeigt der Blick auf die DAX-Aufsichtsratsvorsitze: FĂŒnf Aufsichtsgremien (12,5%) werden nun von Frauen gefĂŒhrt - Simone Bagel-Trah bei Henkel; Clara-Christina Streit mit zwei Mandaten (Deutsche Börse und Vonovia), Katrin Suder bei DHL Group und Sabrina Soussan bei Continental. Das ist die bisher höchste Zahl an weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden. Wenn Amparo Moraleda im Oktober 2026 RenĂ© Obermann an der Spitze des Aufsichtsrats von Airbus ablöst, steigt der Anteil weiblicher Aufsichtsratsvorsitzender auf 15%.

Außer beim Vorsitz kein Zuwachs bei SchlĂŒsselpositionen

Bei den sogenannten «Positions of Power» gibt es außer beim Aufsichtsratsvorsitz und bei den Ausschussvorsitzenden keinen Zuwachs: Der Anteil an weiblichen stellvertretenden Vorsitzen sank im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil an allgemeinen Ausschusssitzen verringerte sich von 39% auf 35%. Im PrĂ€sidialausschuss, in dem die Weichen fĂŒr zentrale Entscheidungen des Aufsichtsrats gestellt werden, sind Frauen mit 11,6 % deutlich unterreprĂ€sentiert. Bei der Machtverteilung liegt der Frauenanteil damit bis zu 15 Jahre hinter dem gesamten Frauenanteil zurĂŒck.

"Gesuchte CEO-Erfahrung benachteiligt Frauen"

"Das zweite Jahr in Folge gab es keinen Fortschritt auf dem vor kurzem noch sicher geglaubten Weg hin zur ParitĂ€t - und das gegen den europĂ€ischen Trend. Es herrscht Stillstand. Wir liegen beim Frauenanteil erneut unter der 40%-Marke. Zudem bleiben Frauen deutlich kĂŒrzer im Amt, zuletzt nur noch rund halb so lang wie MĂ€nner. Die Besetzung zentraler Machtpositionen mit Frauen - wie beispielsweise in den PrĂ€sidialausschĂŒssen - hinkt weiterhin deutlich hinterher. Das ist in Summe keine gute Entwicklung", so Jens-Thomas Pietralla, Leiter der Globalen Board & CEO Practice von Russell Reynolds Associates.

"In diesen Zeiten großer Unsicherheit ist CEO-Erfahrung eine besonders gesuchte Qualifikation fĂŒr AufsichtsrĂ€te. Da in der Vergangenheit kaum Frauen an der Spitze von DAX-Unternehmen standen, ist der Pool an weiblichen Kandidaten mit dieser Erfahrung zwangslĂ€ufig viel kleiner, was Frauen benachteiligt."

Drei Unternehmen bleiben unter den geforderten 30%

Mit einem Frauenanteil von 58% (AktionÀrs- und Arbeitnehmervertretungen) liegt Beiersdorf 2026 erneut an der Spitze der 40 DAX-Unternehmen, gefolgt von Bayer, Fresenius Medical Care und Vonovia (alle jeweils 50%). Insgesamt haben mehr als die HÀlfte aller DAX-Unternehmen (24 von 40) einen Frauenanteil von 40% oder mehr. Porsche SE** bleibt mit 20% weiterhin deutlich unter den geforderten 30%, auch Adidas (25%) und SAP (28%) unterschreiten erneut diese Schwelle.

Frauen beim Ausscheiden deutlich jĂŒnger

Im letzten Jahr waren die ausscheidenden Frauen rund acht Jahre (gegenĂŒber sechs Jahren im Vorjahr und fĂŒnf Jahren vor zwei Jahren) jĂŒnger als ihre mĂ€nnlichen Kollegen (59,2 Jahre gegenĂŒber 66,9 Jahren).

Vernetzung erreicht historischen Tiefstand

Die Vernetzung ĂŒber Mehrfachmandate in AufsichtsrĂ€ten sinkt weiter und erreicht einen historischen Tiefstand. Der RĂŒckgang ist vor allem auf MĂ€nner zurĂŒckzufĂŒhren, wĂ€hrend Frauen bei Mehrfachmandaten weitgehend konstant bleiben. In diesem Jahr fĂ€llt er besonders deutlich aus - vor allem durch den Abstieg der Porsche AG aus dem DAX sowie durch Mandatsreduzierungen.

Über die Studie:

Die Analyse zur Entwicklung der DAX-Aufsichtsgremien beruht auf den Zahlen und Daten nach DurchfĂŒhrung der diesjĂ€hrigen Hauptversammlungen bzw. den laut Tagesordnung geplanten personellen VerĂ€nderungen bei den noch ausstehenden Hauptversammlungen. Russell Reynolds Associates fĂŒhrt die Erhebung seit 16 Jahren jĂ€hrlich durch und hat damit den Referenzstandard fĂŒr die Zusammensetzung von AufsichtsrĂ€ten in Deutschland etabliert.

* Betrachtet wird der Anteil der AktionÀrsvertreterInnen.

**Da Porsche SE nicht paritĂ€tisch mitbestimmt ist, fĂ€llt es nicht unter das FĂŒhrungspositionengesetz FĂŒPoG I aus dem Jahr 2016, das eine 30% Frauenquote vorschreibt.

Studie herunterladen

Foto Jens-Thomas Pietralla

Weitere Informationen:

Shepard Fox Communications
Axel Schafmeister
Tel.: +41 44 252 0708
Mobil: +41 78 714 8010
axel.schafmeister@shepard-fox.com

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