Deutschland, USA

Top-Manager fĂŒrchtet wirtschaftliche Kluft zu USA

22.01.2026 - 03:17:04 | dpa.de

Wie kann man dem Ärger von US-PrĂ€sident Trump entgehen? Auf die eigenen StĂ€rken besinnen, sagt der Bayer-Cheflobbyist. Und auch, welche das sind.

Bayer-Manager Berninger: Sorge um Auseinanderdriften Europas und der Vereinigten Staaten. (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa
Bayer-Manager Berninger: Sorge um Auseinanderdriften Europas und der Vereinigten Staaten. (Archivbild) - Foto: Christoph Soeder/dpa

Der Zerfall des transatlantischen Wirtschaftsraums wĂ€re nach EinschĂ€tzung von Bayer-Cheflobbyist Matthias Berninger eine der grĂ¶ĂŸten wirtschaftlichen Gefahren fĂŒr Europa. «Wenn das Wort "trans" bei "transatlantisch" gestrichen wird, wĂ€re das ein großes Problem», sagte Berninger mit Blick auf aktuelle Konflikte zwischen Europa und den USA der Deutschen Presse-Agentur.

WĂ€hrend hĂ€ufig ĂŒber eine wirtschaftliche Entkopplung von China diskutiert werde, bereite ihm vor allem ein Auseinanderdriften Europas und der Vereinigten Staaten Sorgen. Die Kombination beider WirtschaftsrĂ€ume sei entscheidend fĂŒr globales Gewicht. In einer Welt, die sich von einer regelbasierten hin zu einer stĂ€rker machtbasierten Ordnung entwickle, seien europĂ€ische Unternehmen auf ein starkes Europa angewiesen, um international bestehen zu können.

«Europa muss sich auf StÀrken besinnen»

Um zu vermeiden, von US-PrÀsident Donald Trump angezÀhlt zu werden, sollten sich die EuropÀer auf ihre StÀrken besinnen und ihrer SchwÀchen bewusster werden, sagte Berninger. So sei es zum Beispiel gut, dass Europa dabei ist, in der Landwirtschaft Biotechnologie voranzutreiben. «Das wird uns tatsÀchlich helfen, in Europa stÀrker zu werden.» 

Bei der EinfĂŒhrung von durch Genom-Editierung verĂ€nderten Lebensmitteln habe sich die gesellschaftliche Debatte zuletzt spĂŒrbar verĂ€ndert. «Die Sorge der Menschen, was Nahrungsmittelpreise angeht, ist deutlich grĂ¶ĂŸer als die Frage nach der Technologie selbst», sagte der frĂŒhere GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete. Im Vergleich zu den 2000er-Jahren sei die Diskussion deutlich weniger aufgeheizt.

Entscheidend sei nun, ob Europa neue agrarbiotechnologische Verfahren tatsĂ€chlich zulasse. Ohne diese Technologien drohten langfristig erhebliche Produktionsverluste, insbesondere beim Weizen. «Europa wird im Weizen ohne diese Technologie nicht in der Lage sein, sich an den Klimawandel anzupassen», sagte der Manager. Das hĂ€tte nicht nur fĂŒr Europa, sondern auch fĂŒr Teile Afrikas «massive negative Folgen».

«Dann gehen die Lichter aus»

Sollten regulatorische HĂŒrden fĂŒr die Genom-Editierung so hoch gesetzt werden, dass neue Technologien wirtschaftlich nicht mehr einsetzbar seien, gefĂ€hrde das die WettbewerbsfĂ€higkeit der europĂ€ischen Landwirtschaft insgesamt. «Wenn Europa diesen Weg geht, dann werden im Weizenbereich die Lichter ausgehen», warnte er.

Der Agrarchemiekonzern Bayer ist sowohl in Europa als auch in Nordamerika stark vertreten, 2018 kauften die Leverkusener den US-Konkurrenten Monsanto. Dessen Unkrautvernichter Glyphosat ist umstritten, eine große Menge an Glyphosat-Klagen in den USA kosteten Bayer Milliarden. Zuletzt gab es in den Rechtsstreitigkeiten aber positive Entwicklungen, die dem Aktienkurs Auftrieb gaben. Berninger gab sich optimistisch, die Glyphosat-Altlasten bis zum Ende dieses Jahres signifikant zu reduzieren.

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