Wirtschaftsministerium sieht noch keine Gas-Versorgungskrise
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 18:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Das Bundeswirtschaftsministerium versucht Sorgen um etwaige EngpĂ€sse bei der Gasversorgung in der kalten Jahreszeit zu zerstreuen. «Nach aktuellem Erkenntnisstand ist eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten», heiĂt es in einem Papier des Hauses. Einen staatlichen Eingriff schlieĂt man aber fĂŒr die Zukunft nicht aus.Â
Ministerium: Kommt nicht nur auf Speicher an
Man nehme es ernst, dass die deutschen Gasspeicher deutlich weniger gefĂŒllt seien als in den vergangenen Jahren, so das Ministerium. «Gleichzeitig lĂ€sst sich die Versorgungssicherheit nicht allein an einem SpeicherfĂŒllstand ablesen.» Gas komme insbesondere ĂŒber Pipelines aus Norwegen, Importterminals fĂŒr FlĂŒssiggas (LNG) und von europĂ€ischen NachbarlĂ€ndern.Â
«Gleichzeitig gilt: Niedrigere SpeicherstĂ€nde reduzieren den Puffer fĂŒr auĂergewöhnliche Situationen.» Das sei vor allem dann relevant, wenn mehrere Belastungen gleichzeitig auftrĂ€ten: «etwa eine lĂ€ngere KĂ€ltephase zusammen mit dem Ausfall wichtiger Importinfrastruktur oder zusĂ€tzlichen Störungen auf dem internationalen LNG-Markt.»
Die Gaspreise sind hoch
SpeicherstĂ€nde von 60 bis 70 Prozent zu Winterbeginn wĂŒrden nach EinschĂ€tzung des Ministeriums zusammen mit Importmöglichkeiten ausreichen, um eine durchschnittliche Winternachfrage zu decken. Derzeit sind die deutschen Gasspeicher zu rund 50 Prozent gefĂŒllt.Â
Die Gaspreise sind in diesem Sommer wegen des Iran-Kriegs mit der Blockade der StraĂe von Hormus ungewöhnlich hoch, weshalb HĂ€ndler weniger Gas fĂŒr den Verkauf im Winter einkaufen. «Eine angespannte Marktlage mit hohen Preisen ist noch keine Versorgungskrise», betont das Ministerium aber.Â
Bundesregierung bereitet sich vor
Das Haus von Ministerin Katherina Reiche (CDU) sieht vor allem die Privatwirtschaft in der Pflicht. «Die Wintervorsorge liegt grundsĂ€tzlich bei den Gasunternehmen und HĂ€ndlern.» Ein staatlicher Eingriff berge Risiken. «Staatliche GaskĂ€ufe können zusĂ€tzliche Nachfrage schaffen, Preise erhöhen und private Einspeicherung verdrĂ€ngen. Zudem besteht das Risiko, dass Marktteilnehmer kĂŒnftig darauf vertrauen, dass der Staat bei niedrigen SpeicherstĂ€nden ohnehin einspringt.»
Dennoch bereite die Bundesregierung «die notwendigen Handlungsoptionen so vor, dass sie bei einer Verschlechterung der Lage schnell und gezielt eingesetzt werden können», so das Ministerium. Dabei wĂŒrde beobachtet, wie sich SpeicherfĂŒllstĂ€nde, Importe, LNG-VerfĂŒgbarkeit, Infrastruktur, Nachfrage und die Situation in den europĂ€ischen NachbarlĂ€ndern entwickelten.
Energiewirtschaftsverband: Lieferverpflichtungen werden erfĂŒllt
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht die Gasversorgung im kommenden Winter trotz der niedrigen SpeicherstĂ€nde gesichert. «GashĂ€ndler und Lieferanten erfĂŒllen ihre vertraglichen Lieferverpflichtungen. Darauf können sich die Kundinnen und Kunden verlassen», sagte die Vorsitzende der BDEW-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrung, Kerstin Andreae.Â
Die Unternehmen sicherten ihre Lieferverpflichtungen mit individuellen Beschaffungsportfolios ab, zu denen auch Speichermengen gehörten. Es gebe jedoch keine Pflicht, die Versorgung ĂŒber die Einspeicherung von Gas in Speicher zu gewĂ€hrleisten. Mit dem Aufbau der Terminals fĂŒr FlĂŒssigerdgas (LNG) sei zudem eine weitere SĂ€ule der Versorgung hinzugekommen.
Kritisch sieht der BDEW die staatlichen Vorgaben fĂŒr SpeicherfĂŒllstĂ€nde. Diese seien reine Kennvorgaben und lösten nicht automatisch staatliches Handeln aus. Zugleich könnten sie Fehlanreize schaffen, weil Marktteilnehmer mit einem möglichen Eingreifen des Staates rechneten und deshalb weniger Gas einspeicherten.
Die von der Bundesregierung konzipierte nationale Gasreserve begrĂŒĂte Andreae. Diese solle in festgelegten KrisenfĂ€llen eingesetzt werden. «DafĂŒr braucht es schnell den rechtlichen Rahmen, damit Deutschland fĂŒr Krisensituationen besser abgesichert ist.»
Was Verbraucher beachten sollten
Angesichts der geringen FĂŒllstĂ€nde der Gasspeicher hat die VorstĂ€ndin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Ramona Pop, vor steigenden Preisen fĂŒr Gaskunden gewarnt. «Wir beobachten die GasspeicherstĂ€nde sehr genau und sehen die möglichen Herausforderungen fĂŒr den kommenden Winter. Die Einkaufspreise fĂŒr Gas steigen seit Beginn des Krieges im Nahen Osten deutlich», sagte Pop der «Rheinischen Post».
«Niedrige SpeicherstĂ€nde wĂŒrden die bereits angespannte Lage auf den EnergiemĂ€rkten in der kommenden Heizsaison weiter verschĂ€rfen. FĂŒr Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten», erklĂ€rte Pop.
Gaskunden riet sie zur Vorsicht: «Verbraucherinnen und Verbraucher sollten jetzt prĂŒfen, ob ihr Vertrag ĂŒber den Winter hinaus eine Preisbindung vorsieht», sagte Pop. Das schĂŒtze zunĂ€chst vor steigenden Preisen. Zugleich lohne es, Preise zu vergleichen und gegebenenfalls zu einem gĂŒnstigeren Anbieter zu wechseln.
